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Artenschutz Wie Artenschutz bei Papageien gelingen kann

Gießener Veterinärmediziner züchten Nymphensittiche aus tiefgefrorenem Sperma.

Nymphensittichküken
Munter und schon sehr neugierig: die beiden Gießener Nymphensittichküken. Foto: h.schneider/JLU

Sperma einfrieren, um es später zu verwenden und damit Nachkommen zu zeugen – diese Art der künstlichen Befruchtung ist längst kein exotisches Verfahren mehr. Bei Nutztieren ist es längst die Regel geworden und auch bei Menschen Routine, etwa, wenn ein Mann fürchten muss, durch eine Erkrankung unfruchtbar zu werden. Bei Vögeln allerdings erweist sich die künstliche Besamung mit Sperma, das vorher eingefroren war, als schwierig, bislang war es nur bei wenigen Arten eingeschränkt möglich. Ausgerechnet bei den stark bedrohten Großpapagien greift dieses Zuchtprogramm zur Arterhaltung oft nicht.

Veterinärmedizinern der Justus-Liebig-Universität Gießen ist es nun gelungen, Sperma von Nymphensittichen überlebensfähig einzufrieren und auf dieser Basis Nachwuchs zu züchten. Der Nymphensittich, der zu den Papageien gehört, gilt den Wissenschaftlern dabei als Modelltier. Der erzielte Erfolg „könnte einen weiteren Durchbruch im Sinne des Schutzes bedrohter Arten bedeuten“, heißt es in einer Mitteilung der Justus-Liebig-Universität. Ihre Ergebnisse haben die Forscher im Fachmagazin „Theriogenology“ veröffentlicht. Die Leitung des Teams hatte Michael Lierz von der Klinik für Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische, die Veterinärmediziner kooperierten bei ihrer Arbeit zudem mit Axel Wehrend von der Klinik für Geburtshilfe, Gynäkologie und Andrologie der Groß- und Kleintiere an der Gießener Universität und dem Friedrich-Loeffler-Institut Mariensee.

Monogamer Lebensstil macht Nachzucht schwierig

Bei Vögeln sei es problematisch, „zunächst an das Sperma zu gelangen und dann eine geeignete Methode zu finden, um dieses Sperma überlebensfähig einfrieren zu können“, erklärt Vogelexperte Michael Lierz. Im Hinblick auf den Artenschutz komme indes genau dieser Herausforderung eine wichtige Bedeutung zu. Das gilt in besonderem Maße für Papageien. Nach Angaben der Organisation Pro Wildlife gelten fast 50 Prozent ihrer Arten als bedroht und nahezu 25 Prozent als sehr stark gefährdet. Die Gründe für den Rückgang der bunten Exoten liegen wie fast immer in der Verantwortung des Menschen, als Hauptfaktoren seien die Zerstörung des Lebensraums und der Handel mit Wildtieren genannt. Papageien nachzuzüchten galt bislang als äußerst schwierig. Dabei erweist sich insbesondere eine für Menschen sehr sympathisch klingende Eigenschaft der Tiere als problematisch: Papageien binden sich dauerhaft an einen Partner und leben streng monogam.

Auch nachdem die Gießener Wissenschaftler ein Verfahren zur Spermagewinnung und künstlichen Besamung bei Papageien entwickelt hatten, blieb die Nachzucht indes schwierig. Eine Problem hätte die Tatsache dargestellt, dass Papageien nur wenige Eier legen, erklärt Lierz. Zudem habe man vor der Herausforderung gestanden, „dass zum optimalen Besamungszeitpunkt auch passendes Sperma zur Verfügung stehen muss.“ Bei der geringen Anzahl fortpflanzungsfähiger Tiere einer bedrohten Art sei das oftmals nicht möglich gewesen.

Aus diesem Grund nutzten die Wissenschaftler den Nymphensittich als Modelltier, einen kleinen schlanken Papageien, die in der Natur den gesamten australischen Kontinent besiedelt, seit Mitte des 19. Jahrhunderts aber auch vielfach als beliebtes Haustier im Käfig gehalten wird. Die Wissenschaftler schafften es, das Sperma überlebensfähig einzufrieren und anschließend weibliche Tiere zu besamen. Auf diese Weise sei es erstmals gelungen, Nymphensittiche zu züchten. „Dies lässt hoffen, in Zukunft auch Sperma hochbedrohter Papageienarten einfrieren zu können und für den Artenschutz zur Verfügung zu stellen“, sagt Michael Lierz, der bei seiner Arbeit eng mit der Loro Parcque Foundation auf Teneriffa kooperiert, die das Projekt praktisch und finanziell unterstützt hat.

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