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Altlasten in Russland Atom-U-Boot droht Arktis zu verseuchen

Russische Experten warnen vor einer nuklearen Katastrophe: Der kaputte Reaktor eines heimlich versenkten Atom-U-Boots könnte außer Kontrolle geraten und die Arktische See verstrahlen, berichtet die ARD.

Das sowjetische Atom-U-Boot K-159 auf dem Weg zur Verschrottung. Foto: Report Mainz

Russische Experten warnen vor einer nuklearen Katastrophe: Der kaputte Reaktor eines heimlich versenkten Atom-U-Boots könnte außer Kontrolle geraten und die Arktische See verstrahlen, berichtet die ARD.

Das Russland seine Altlasten aus Zeiten atomaren Wettrüstens gern ungeschützt verrotten lässt, statt sie abzubauen und sicher zu lagern, ist bekannt. Das könnte sich nun rächen - mit unabsehbaren Folgen für die Arktische See. Dort hat die Sowjetunion 1981 heimlich das Atom-U-Boot K-27 versenkt. Nach einen Störfall, bei dem neun Seeleute tödlich verstrahlt wurden, war das Boot östlich der Halbinsel Nowaja Zemlja versenkt worden und liegt seither dort in 33 Meter Tiefe - eine tickende Zeitbombe, glauben russische Atomexperten.

Gefahr für die Fische

Dem Staatlichen Russischen Instituts für Strahlenschutz (IBRAE) zufolge entweichen seit schon jetzt jährlich 851 Millionen Becquerel Radioaktivität aus dem 110 Meter langen Boot. Wie das ARD-Magazin "Report Mainz" berichtet, droht Wasser in den defekten Atomreaktor zu dringen. Dabei könnte es zu unkontrollierbaren Kettenreaktionen an Bord kommen, bei denen große Mengen radioaktiven Materials freigesetzt werden könnten. Gefährdet sind unter anderem die Fische im Arktischen Meer.

Das Magazin bezieht sich auf einen internen Bericht des russischen Umweltministeriums an den Kreml. Dem 152-seitigen Bericht zufolge muss das Atom-U-Boot "bis spätestens 2014" gehoben werden. Andernfalls, so heißt es in dem Papier, bestehe die „Gefahr einer Umweltkatastrophe durch fehlende Schutzbarrieren“. Dem Bericht zufolge enthält dieses Atom-U-Boot 6,6 Billiarden Becquerel Radioaktivität. Zum Vergleich: Der gesamte im Schacht Asse eingelagerte Atommüll enthält nach Angaben des Öko-Instituts Darmstadt 3,7 Billiarden Becquerel.

Auch ein weiteres U-Boot, die 2003 in der Barentssee gesunkene K-159, müsse dringend gehoben werden. Unveröffentlichte Unterwasseraufnahmen dieses U-Boots - die „Report Mainz“ nach eigenen Angaben vorliegen - zeigen große Löcher im Rumpf des U-Bootes sowie die geöffneten Luken.

Die Verschrottung von Atomwaffen ist sehr aufwändig. Im US-Bundesstaat Texas gibt es eine Fabrik, in der Atomsprengköpfe auseinandergebaut und die nuklearen Bestandteile zu Brennelementen für Atomkraftwerke umfunktioniert werden. Dort werden auch Atomwaffen aus Russland verschrottet. Einem Bericht der ARD aus dem Jahr 2010 zufolge wird die Hälfte des Atomstroms in den USA mit russischem Uran produziert - gewonnen aus ausgemusterten Sprengköpfen.

Die USA und Russland besitzen 95 Prozent der gut 20.000 atomaren Sprengköpfe weltweit. Trotz bilateraler Abkommen zur nuklearen Abrüstung der Arsenale aus dem Kalten Krieg ist deren Zahl in den vergangenen Jahren kaum kleiner geworden, wie das Friedensforschungsinstitut Sipri berichtet. Dabei wird Atomwaffen-Schrott wie die versenkten U-Boote nicht einmal mitgezählt.

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