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Alternsforscher Hans-Werner Wahl „Ältere Menschen sind so fit wie noch nie“

Alternsforscher Hans-Werner Wahl über die Chancen des Lebens jenseits der 65, falsche Klischees, die Notwendigkeit des Umdenkens und die allerletzten Jahre vor dem Tod.

Alter
Für manche Menschen kann es auch mit über 80 noch sinnvoll sein zu arbeiten, glaubt der Wissenschaftler. Foto: istock

Alter – das verbinden die meisten mit Verlust von Gesundheit, Leistung und Attraktivität, mit Gebrechlichkeit und dem bedrohlich näherkommenden Ende. Über einen Menschen zu sagen, er oder sie sei „alt“ klingt nicht nett, sondern oft abfällig. Das vorherrschende Bild vom Alter sei falsch und viel zu stark von negativen Klischees geprägt, sagt dagegen Hans-Werner Wahl, Alternsforscher an der Universität Heidelberg. In seinem neuen Buch „Die Psychologie des Alterns“ stellt er „überraschende Erkenntnisse über unsere längste Lebensphase“ – so der Untertitel – vor. Im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau erzählt der Psychologie, was das Leben jenseits der Rente an Chancen bereithält, was sich am Umgang mit dem Alter ändern sollte und wie die zunehmende Lebenserwartung unsere Gesellschaft verändern wird.

Die meisten Menschen fürchten sich vor dem Altwerden. Sie jedoch schreiben, das Alter sei ein „eigener Entwicklungsplan mit neuen Möglichkeiten und Chancen geworden“. Sind Sorgen also unbegründet?
Sie sind nicht unbegründet, aber doch stark geprägt von einem immer noch zu negativen Altersbild, das viele Menschen erwarten lässt: „Da kommt etwas ganz Schreckliches auf mich zu.“ Auf der anderen Seite darf man auch nicht sagen, dass Alter nur etwas Schönes ist. Es geht um eine gute Balance in dieser langen Lebensphase, darum, auszutarieren, was noch möglich ist und wo uns Grenzen gegenüberstehen. Im Mittel sind die älteren Menschen in den Industrienationen in ihrer körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit so gut aufgestellt wie noch nie. Allerdings reden wir hier vom jungen Alter. Das ist eine Phase, in der wir viel Zeit und noch alle Ressourcen haben, neue Interessen zu entwickeln oder alte wiederzubeleben. Und indem wir das tun, trainieren wir gleichzeitig den älter werdenden Geist und Körper. Manche Menschen engagieren sich auch sozial, andere verlieben sich noch einmal neu.

Sie sprechen vom jungen Alter. Welche Jahre meinen Sie damit? Überhaupt teilen Sie ja das Alter in verschiedene Phasen ein.
Das junge Alter, manchmal auch drittes Alter genannt. Es beginnt in der Zeit des Übergangs in den Ruhestand und umfasst eine lange Zeitspanne von 15 bis 20 Jahren. Da haben wir statistisch gesehen noch viele Jahre vor uns – und alle Möglichkeiten, ohne dass wir uns als alte, verletzliche, nicht mehr leistungsfähige Menschen sehen müssten. Danach folgt noch einmal eine heute mehrere Jahre dauernde Phase, als viertes Alter bezeichnet, in der sehr häufig mehrere Erkrankungen etwa des Herz-Kreislauf-Systems und des Bewegungsapparates und vielleicht auch kognitive Einschränkungen zusammenkommen. Das ist so ab 80, 85 Jahren der Fall. In dieser Phase wird das Alter deutlich härter. Das fünfte Alter schließlich wären die letzten Jahre, die schon mehr vom Tod geprägt sind. Diese letzten beiden Phasen scheinen sich aber immer weiter nach hinten zu verschieben. Als ich vor Jahrzehnten mit der Alternsforschung anfing, galten Menschen von 75 plus als Hochaltrige, heute wäre das lächerlich.

Dann müsste es doch eigentlich auch obsolet sein, einen 65-Jährigen als älteren Menschen zu bezeichnen, wie es oft getan wird.
Ich würde sagen, das ist obsolet. 80 Prozent der 60 bis 80-Jährigen sind in ihren körperlichen Parametern dem mittleren Alter sehr ähnlich. Viele verstehen sich auch nicht als alte Menschen.

Wenn heute 65-Jährige nicht alt und meistens noch fit sind, wäre es dann nicht die logische Konsequenz, dass das Renteneintrittsalter nach hinten verschoben werden müsste?
Es gibt sicherlich Berufsfelder, die extreme körperliche Arbeit erfordern oder eine besondere motorische-kognitive Koordination – da kann es jenseits von 65 Jahren schon schwierig werden. Aber in den meisten Berufen sind Leistungsverluste ab 65 Jahren kein Argument, um aufzuhören. Vielleicht sollten wir überhaupt keine Grenzen festlegen. Wir Alternsforscher mögen diese Fixierung auf das chronologische Alter ohnehin nicht, weil wir finden, dass es nicht aussagekräftig ist. 20 bis 30 Prozent der 65- bis 70-Jährigen etwa sind in ihren geistigen Leistungen immer noch so gut, wie sie mit 40 waren. Am Alter kann man gar nichts festmachen. Es kann bei manchen Menschen auch mit über 80 noch möglich oder sinnvoll sein, einen Job auszuüben. Ein anderer Punkt ist es natürlich, dass viele nach langen Jahren der Berufstätigkeit ihre Freizeitbedürfnisse ausleben möchten. Deshalb sollte man nichts erzwingen. Ich glaube, wir brauchen gerade in der späten Phase des Arbeitslebens eine große Flexibilisierung. Ich bin ziemlich zuversichtlich, dass das dazu führen wird, dass viele Menschen länger arbeiten.

Bestünde in diesem Fall nicht die Gefahr, dass die Älteren Jüngeren Arbeitsplätze wegnehmen?
Das wird immer wieder behauptet. Alle mir bekannten Studien widerlegen dieses Argument. Es herrscht doch bei vielen Unternehmen eher die Denke vor, man könne stolz sein, wenn man niemand über 50 beschäftigt.

Was können ältere Arbeitnehmer besser als jüngere?
Die reine Arbeitsleistung geht nur mit dem Alter nicht zurück. Etwaige Schwächen im Umgang mit neuen Technologien ließen sich durch gute Fortbildungsangebote leicht wettmachen. Ältere Facharbeiter oder Angestellte sind jene, die sich am stärksten mit einem Unternehmen identifizieren, für Jüngere stellt es oft nur ein Durchlaufstadium ihrer Karriere dar. Ältere haben mehr Wissen und Erfahrung, kennen einen Betrieb sehr gut. Sie können besser mit negativen Emotionen umgehen und soziale Konflikte bewältigen, vor allem in Zeiten flacher Hierarchien ist das eine unglaubliche Ressource. Jüngere sind dafür fitter in den neuen Techniken. Beide Generationen können sich gut ergänzen. In diese Richtung muss es in Zukunft gehen.

Haben Sie den Eindruck, dass diese Sicht in Unternehmen und in der Politik schon angekommen ist?
Den demographischen Wandel als Chance zu sehen – da tut sich derzeit leider meiner Ansicht nach auf zu niedrigem Niveau etwas. Aber der Markt wird es regeln. In den Unternehmen wird es in Zukunft Nachwuchsprobleme geben, die nur teilweise durch Migration auszugleichen sind. Auch in der Politik scheint das Thema mit all seinen Facetten noch nicht richtig angekommen zu sein. Das Alter ist unsere längste Lebensphase geworden – und ist gleichzeitig noch am undefiniertesten. Unsere Gesellschaft kann es sich auf Dauer nicht leisten, sich so wenig damit zu beschäftigen.

Bislang ist es in unserer Gesellschaft aber immer noch so, dass Alter eher negativ besetzt ist, es wird mit Verfall und Krankheit assoziiert.
Ja, da stehen wir vor einer Herkulesaufgabe. Wir müssen auf allen Ebenen – Politik, Unternehmen, Medien – zu einem differenzierten Bild des Alters kommen. Über Jahrhunderte hinweg wurde tradiert, dass Alter etwas Ungutes bedeutet. In allen westlichen Industrienationen gibt es diesen großen Widerspruch: Wir haben eine neue, lang lebende, aktive, relativ gesunde und wache Generation von älteren Menschen – und gleichzeitig werden sie sehr stark in die negative Altersstereotyp-Ecke gedrängt. Oder sie werden überstilisiert im Sinn von „quietschfidele Senioren auf den Malediven“, was aber das negative Altersklischee auf andere Weise verstärkt. Es sollte sich allmählich durchsetzen, dass das Alter unterschätzt wird. Die meisten älteren Menschen sind auch zufrieden und nicht häufiger depressiv als andere Altersgruppen. Leider ist unsere Gesellschaft aus tief verwurzelten kulturhistorischen Gründen extrem gepolt, Jugendlichkeit als das eigentlich positive, entfaltungsreiche Element in unseren Leben anzusehen. Das gilt für Aussehen, Körperlichkeit und auch für geistige Dimensionen.

Sie prägen in Ihrem Buch den Begriff des „erfolgreichen Alterns“ und schreiben, wir seien unsere Alters „Schmied“. Bauen Sie damit nicht Druck auf in dem Sinne, dass man selbst schuld ist, wenn es einem im Alter nicht gut geht?
Der Begriff „successful aging“ ist in der internationalen Literatur gesetzt, aber ich sehe auch Nachteile. Wenn ich ihn benutze, dann ist er definitiv nicht mit Leistung assoziiert. Sondern eher in dem Sinne: Ich kann meine Gesundheit bis zu gewissem Grad selbst mit gestalten, indem ich körperlich aktiv bin. Wenn ich geistig rege bin und Wert auf soziale Beziehungen lege, ist die Wahrscheinlichkeit kognitiver Einbußen geringer. Menschen können an vielen Schrauben drehen. Wer das erkennt, steht später besser da. Aber natürlich kann das jeder selbst entscheiden. Es auch ok, wenn jemand sagt, das ist mir absolut wurscht.

Sie betonen auch den Stellenwert der Bildung als Schutz vor Demenz. Da fällt mir der Schriftsteller und Philologe Walter Jens als Gegenbeispiel ein, der vor seinem Tod schwer an Demenz erkrankt war. Kann man diese Rechnung wirklich so einfach aufmachen?
Wenn wir 1000 ältere Menschen nehmen, würden wir in dieser Gruppe vier bis fünf Fälle finden, die ähnlich sind wie der von Walter Jens. Solche Verläufe können genetisch begründet sein, aber auch mit Krankheiten zusammenhängen. Wir würden in den angenommenen 1000 älteren Menschen aber locker um die 800 finden, bei denen das die Annahme einer Schutzwirkung von Bildung in Bezug auf kognitiven Abbau zutrifft. Sie waren besser gebildet, hatten einen Job, der sie angeregt hat, haben viel gelesen, waren interessiert. Eine frühe Bildung erzeugt eine kognitive Reserve, die widerstandsfähiger gegen altersbezogene Veränderungen macht.

Und welche Rolle spielt Wohlstand? Wie erlebt jemand, der von Altersarmut betroffen ist, diese Jahre?
Finanzielle Reserven haben durchaus etwas mit erfolgreichem Altern zu tun. Dieses bleibt jenen verwehrt, die sich auch die kleinsten Annehmlichkeiten des Lebens oder die optimale Versorgung mit Hilfsmitteln nicht leisten können, die etwa auf die besten Hörgeräte verzichten müssen, weil sie von den Kassen nicht komplett bezahlt werden. Das trifft vor allem auf Frauen zu, die häufiger als Männer gebrochene Lebensläufe haben und zudem älter werden. Aber es sind heute auch schon die ersten Langzeitfolgen der Emanzipation zu erkennen: Frühere Generationen waren stärker von ihren Männern abhängig. Oft hatten sie auch keinen Führerschein, heute fahren viele ältere Frauen Auto.

Dass viele, teils sogar sehr alte Menschen noch mit dem Auto unterwegs sind, ist aber immer wieder auch Gegenstand in den Medien und der Politik. So kommt regelmäßig die Forderung auf, dass Autofahrer sich ab einem gewissen Alter Gesundheitstests unterziehen sollten. Was halten Sie davon?
Für viele ältere Menschen ist das Auto ein wichtiges Versorgungsmittel, es bedeutet, dass sie sich grundlegende Dinge noch selbst besorgen können. Daneben ist es auch psychisch bedeutsam als Ausdruck von Kompetenz: Ich bin zwar alt, aber funktioniere noch. Viele ältere Menschen passen ihre Fahrwege ihren Fähigkeiten an, sind nur noch auf Wegen unterwegs, die ihnen vertraut sind und die sie bewältigen können. Gleichzeitig fände ich es trotzdem gut, wenn ältere Menschen ab plus minus 75 Jahren ihre Fähigkeiten testen lassen würden – allerdings sollte man das nur als starke Empfehlung verstehen, nicht gesetzlich vorschreiben. Im Mittelpunkt sollte aber nicht in erster Linie die Verlustdiagnostik stehen, es soll vielmehr geprüft werden, wo noch Stärken sind. Und der Test sollte auch nicht mit dem drohenden Verlust des Führerscheins in Verbindung gebracht werden, sondern eher mit guten Trainingsprogrammen, um die Fahrleistung zu verbessern. Und es sollte jedem selbst überlassen werden, wie er mit der Rückmeldung des Tests umgeht. Das kann unter Umständen auch heißen, dass man sich entscheidet, den Führerschein lieber abzugeben.

In der Öffentlichkeit kommt das Thema eher in einem anderen Tonfall daher. Da liest man dann die Schlagzeile, dass ein 85-Jähriger Bremse und Gas verwechselt hat und in ein Schaufenster gefahren ist.
Das Thema wird in unserer Gesellschaft, wo wir doch eigentlich alle für uns in Anspruch nehmen, nicht Klischees freien Lauf zu lassen, unglaublich stark von primitiven Denkfiguren geprägt. Natürlich fährt auch mal ein junger Mann in einen Friseursalon. Bei solchen Schlagzeilen geht es nur darum, Altersvorurteile zu untermauern.

Wie wichtig es für die Zufriedenheit und den Erhalt der Selbstständigkeit, in der eigenen Wohnung zu bleiben?
Für viele Menschen ist das der größte Wunsch. Die eigene Wohnung, in der sie oft ja schon Jahrzehnte leben, ist emotional überaus bedeutsam im Sinne von: Hier gehöre ich hin, wenn ich mich verpflanze, verliere ich meine Verankerung im Leben. Auch stellt sie eines der stärksten Merkmale von Selbstständigkeit und Normalität dar. Die Wohnung ist für die meisten der Ort, wo sie letztlich auch sterben wollen. Die Realität sieht allerdings anders aus. Viele Menschen müssen sich doch noch einmal auf eine neue Umgebung einstellen, weil wir heute so alt werden. Das muss nicht immer ein Heim sein, es gibt heute schon viele neue Wohnformen für ältere Menschen. Viel Potenzial steckt auch in der Idee, die eigene Wohnung smarter zu machen, indem man zum Beispiel Sensoren einbauen lässt, die einen Sturz erkennen oder die anzeigen, wenn der Kühlschrank leer wird und man wieder einkaufen muss.

Sie beschreiben ja auch, dass in Zukunft Technik und insbesondere die Robotik eine immer größere Rolle im Alltag älterer Menschen spielen weiden. Was genau stellen Sie sich dabei vor?
Das sind Ressourcen, die für gutes Altern immer wichtiger werden. Vor allem die Generation der Älteren von morgen und übermorgen wird schon so sozialisiert sein, dass sie vertraut ist mit neuen Technologien. Bereits heute nutzen viele ältere Menschen das Internet. Da sehe ich viele Chancen der Bildung, des Sich-Vernetzens, es wird neue Formen der sozialen Partizipation geben. Die andere Schiene sind Systeme wie Sensoren, die älteren Menschen mit kognitiven Verlusten bei der Orientierung helfen, smarte Rollatoren oder Roboter, die einen alten Menschen begleiten und verhindern sollen, dass man stürzt. Auf diesem Wege kann man Autonomie erhalten, auch bei Menschen, die sehr krank oder in ihren Kompetenzen sehr beeinträchtigt sind. In Häusern und Wohnungen wird es in Zukunft viele technische Unterstützungen geben, und sie werden auch immer billiger werden. Bedacht werden muss allerdings, was mit den vielen Daten geschieht. Das wird eine große Herausforderung. Aber insgesamt sehe ich darin eher eine enorme Chance.

Lassen Sie uns noch einmal über die allerletzte Lebensphase sprechen. Einer Studie zufolge sind die heute 75-Jährigen zwar so fit wie noch vor wenigen Jahrzehnten die 60-Jährigen. Zwischen 80 und 85 soll dann aber ein Bruch kommen und danach eine rasante Verschlechterung einsetzen. Wie lässt es sich erklären, dass es nach so vielen guten Jahren dann so plötzlich abwärts geht?
Das ist eine Paradoxie: Wir erkaufen uns den sehr großen Erfolg eines langen Lebens auch mit einer Schattenseite, denn indem wir immer älter werden, reizen wir die Möglichkeiten des psycho-bio-sozialen Systems Mensch immer mehr aus und kommen dadurch irgendwann auch in eine sehr fragile Phase, die von der Evolution so nicht vorgesehen war. Leider ist es nur in Einzelfällen möglich, das Leben so zu stabil zu gestalten, dass es bis zum Tod im hohen Alter ohne bedeutsame Verluste gelebt werden kann. In der Alternsforschung gibt es die sehr positiv getönte Theorie, dass vor allem durch Vorsorgeverhalten Krankheiten wie von einer Planierraupe immer mehr ans Lebensende gedrängt werden. Am Ende käme dann eine kurze Phase extremer Krankheit. Das dürfte bislang nur bedingt zutreffen. Denn es verhält sich zum Beispiel durchaus so, dass heute auch viele Menschen mit bestimmten Anfälligkeiten, etwa chronischen Erkrankungen, ein hohes Alter erreichen, die früher schon längst gestorben wären. Spät im Leben massieren sich dann sämtliche Risiken. In den letzten vier bis fünf Jahren vor dem Tod kommt es statistisch gesehen gewissermaßen zu einem „Point of no return“, wo bei den meisten Menschen ein massiver Abfall stattfindet, der auch mit emotionalen Veränderungen verbunden ist. Diese letzte, sehr verletzliche Phase gut zu gestalten, darin ist unsere Gesellschaft bislang noch nicht sehr gut aufgestellt. Es wird eine große Aufgabe sein, eine neue Sterbekultur zu entwickeln.

Sie sprechen von einem „Point of no return“, einem „Punkt ohne Wiederkehr“. Was ist darunter zu verstehen?
In diesem Zeitintervall werden bei vielen Menschen verschiedene Funktionen und auch das Wohlbefinden in beschleunigtem Tempo instabiler. Aber es gibt auch einige wenige, die bis zum Tod gut leben, bei denen einfach irgendwann die Uhr stehen bleibt. Im Allgemeinen aber tritt der Tod nicht ab einem bestimmten Punkt ein, er ist ein Prozess. Die dahinter stehende „ Distanz-vom-Tod-Forschung“ könnte man so auf den Punkt bringen: Unsere Sterben beginnt bereits einige Jahre vor dem eigentlichen Tod.

Gilt das, was Sie schildern, eigentlich nur für Menschen, die sehr alt werden, oder auch für jemand, der mit 70 Jahren an Krebs stirbt?
Wir sehen diese Dynamik vor allem im hohen Alter, im Einzelfall kann sie aber auch bereits zwischen 66 und 70 ablaufen, wenn jemand früh schwer krank wird.

Sie machen in Ihrem Buch viel an den verschiedenen Phasen fest. Nach jüngeren Erkenntnissen sollen Menschen aber doch sehr unterschiedlich altern.
Das ist ein bedeutsamer Aspekt. Aber die Wissenschaft versucht immer, Haupttendenzen zu beschreiben, und das tue ich in meinem Buch. Auf die große Heterogenität des Älterwerdens wäre noch einmal ein neuer Scheinwerfer zu richten. Viele Daten zeigen in der Tat, dass ältere Menschen so unterschiedlich sind wie keine andere Altersgruppe.

Interview: Pamela Dörhöfer

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