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Alter Hundert ist das neue 80

Wissenschaftler gehen Klischees auf den Grund: Ein sehr hohes Alter geht nicht automatisch mit vielen Erkrankungen einher.

Seniorinnen im Altersheim
Viele Menschen assoziieren ein hohes Alter mit der Zunahme von Gebrechen und Krankheiten. Foto: afp

Wollen wir das wirklich, hundert Jahre alt werden? Galt vor 40 Jahren noch, dass in den Industrienationen nur etwa ein Mensch von 10.000 dieses biblische Alter erlangte, so geht man heute davon aus, dass in diesem Jahrhundert jedes zweite Kind diese Marke erreichen oder gar überschreiten kann. Doch zu welchem Preis? Viele Menschen assoziieren ein hohes Alter mit der Zunahme von Gebrechen und Krankheiten, dem Verlust geistiger Fähigkeiten, fürchten sich davor, auf andere angewiesen zu sein und ihr Leben in dieser Phase in einem Pflegeheim verbringen zu müssen.

Sind das alles nur Negativklischees oder sind solche Sorgen berechtigt? Wissenschaftler der Charité-Universitätsmedizin Berlin sind dem auf den Grund gegangen und haben Krankheitsverläufe bei Hundertjährigen untersucht. Das Ergebnis überrascht: Denn es zeigte sich, dass die Anzahl der Erkrankungen bei Menschen, die im Alter von hundert Jahren oder älter verstarben, niedriger war als bei denjenigen, die mit 90 bis 99 Jahren oder mit 80 bis 89 Jahren starben. Ihre Studie haben die Forscher im Fachmagazin „The Journal of Gerontology: Medical Sciences“ veröffentlicht.

Die Wissenschaftler analysierten für ihre Arbeit Routinedaten der Kranken- und Pflegekasse Knappschaft über Diagnosen und Gesundheitsversorgung von rund 1400 hochaltrigen Frauen und Männern aus den letzten sechs Jahren vor deren Tod. Zu diesem Zweck wurden sie in drei Gruppen eingeteilt: Diejenigen die als Hundertjährige starben, verglichen die Forscher mit Zufallsstichproben von Menschen, die in ihren 80er und 90er Jahren starben. Menschen, die zu Hause lebten und Bewohner von Pflegeeinrichtungen wurden gleichermaßen berücksichtigt. 

Seltener Bluthochdruck, häufiger Demenz

Für die Auswertung der Daten waren vor allem jene Erkrankungen ausschlaggebend, die „gewöhnlich mit einem Versterben während eines Krankenhausaufenthalt verbunden sind“, wie es in einer Mitteilung der Charité heißt. „Im Quartal vor dem Tod weisen Menschen, die als Hundertjährige verstarben, im Durchschnitt 3,3 Erkrankungen auf, im Vergleich zu durchschnittlich 4,6 Erkrankungen bei denjenigen, die als Achtzigjährige starben“, erklärt Paul Gellert vom Institut für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft der Charité.

„Unsere Ergebnisse zeigen auch, dass der Zuwachs an Erkrankungen in den letzten Jahren vor dem Tod bei hochaltrigen Menschen geringer ausfiel im Vergleich zu denjenigen, die mit 90 bis 99 Jahren oder 80 bis 89 Jahren starben.“

So machten den Hundertjährigen seltener als den 80- bis 99-Jährigen Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Niereninsuffizienz und chronische Erkrankungen zu schaffen. Ähnlich häufig waren Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems anzutreffen. Allerdings litten die Hundertjährigen häufiger unter Herzinsuffizienz und Demenz-Erkrankungen. 

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