Lade Inhalte...

Affenbrotbaum Baobab Das Ende der alten Riesen

Die ältesten Affenbrotbäume sind abgestorben. Ursache könnte der Klimawandel sein.

Africa, Botswana, baobab tree
Die Affenbrotbäume sind fast ausschließlich in Trockengebieten vorzufinden. Foto: Cezary Wojtkowski (dpa)

Er ist ein Wesen der Superlative – der merkwürdigste, dickste, älteste und gesündeste Baum der Welt. Einige der noch heute lebenden Exemplare des Affenbrotbaums standen bereits zur Zeit der Gründung des Römischen Reichs in der afrikanischen Savanne.

Aber nun scheint selbst der Methusalem der Pflanzenwelt von den Machenschaften der Menschen bedroht zu sein. Wissenschaftler, die in den vergangenen Jahren die ungewöhnliche Struktur des mächtigen Baobab untersuchten, mussten bestürzt feststellen, dass ausgerechnet die außergewöhnlichsten Spezimen ihrer Forschung dahingerafft werden: Neun der 13 ältesten und fünf der sechs umfangreichsten Affenbrotbäume sind in den vergangenen zwölf Jahren verendet.
Darunter auch der „Sunland Baobab“ in der südafrikanischen Limpopo-Provinz, der zeitweise dickste Affenbrotbaum des Kontinents. Im Innenraum seines hohlen Stammes, der fast 22 Meter hoch war und einen Umfang von mehr als 33 Metern hatte, war eine Bar untergebracht, in der 15 Personen Platz finden konnten: Bis der majestätische „Adansonia digitata“ nach weit über 1000 Lebensjahren vor gut einem Jahr zusammenbrach.

Der südafrikanische Farmer und Barbesitzer machte für den Tod seines Wahrzeichens zu viel Regen verantwortlich und organisierte ein letztes Grillfest. Nicht wissend, dass auch andere hölzernen Berühmtheiten wie der 2500 Jahre alte simbabwische „Panke Baum“ und der 30 Meter hohe „Holboom“ in Namibia nur wenige Jahre zuvor hinweggerafft wurden.

Kein Zufall

Das Baobab-Sterben könne unmöglich eine Zufälligkeit sein, meint der wissenschaftliche Leiter der Studie, der rumänische Biochemiker Adrian Patrut. Statistisch gesehen sei es „praktisch ausgeschlossen“, dass so viele uralte Bäume in vergleichsweise kürzester Zeit einer nach dem anderen „aus natürlichen Gründen“ sterben. Der Universitätsprofessor schreibt in seiner vom Magazin „Nature Plants“ veröffentlichten Studie von einer „dramatischen und schockierenden“ Erfahrung: Das Baobab-Sterben sei ein „Ereignis von beispiellosem Ausmaß“.

Über dessen Gründe gibt es noch keine gesicherten Erkenntnisse. Doch Patrut geht davon aus, dass die Klimaveränderung zumindest eine wesentliche Rolle spielt. Im südlichen Afrika, wo die meisten der hölzernen Giganten stehen, seien die Auswirkungen der Erderwärmung bereits deutlicher als anderswo zu beobachten: „Diese Bäume stehen wegen der erhöhten Temperaturen und der zunehmenden Dürren unter besonderem Stress“, sagt der Wissenschaftler.

Affenbrotbäume leben fast ausschließlich in Trockengebieten: Mit ihren tiefen Wurzeln und voluminösen Stämmen, in denen sie Wasser speichern, haben sie sich über Jahrtausende an ihre Umwelt angepasst. Bei der Bevölkerung sind Baobab-Bäume äußerst beliebt: Ihre jungen Blätter kann man als Spinat verspeisen und aus den weißen Kernen in ihrem „Affenbrot“, den Brotlaib großen Früchten, Säfte kredenzen. Baobab-Kerne enthalten offenbar ein Vielfaches des Vitamin-C-Gehalts einer Orange, aus der Frucht werden auch traditionelle Medikamente gewonnen. Die Frucht ist wegen ihrer Wirkung als Antioxidationsmittel auch international begehrt. Sie wird zunehmend in Kosmetik- und Gesundheitsprodukten verwendet.

Eine bedeutende Rolle kommt dem Affenbrotbaum auch in der afrikanischen Mythologie zu. Sein seltsames Aussehen wird damit erklärt, dass der wütende Schöpfergott den Baum aus dem Boden gerissen und umgekehrt wieder hineingesteckt habe. Deshalb sehen seine krackseligen Äste wie Wurzeln aus. Die göttliche Wut hatte sich übrigens am Stolz der Baobabs entzündet: Sie hatten sich ihres Umfangs wegen für etwas Besseres gehalten. Noch heute finden wichtige Versammlungen afrikanischer Dorfbewohner vorzugsweise unter dem Affenbrotbaum statt: Wie lange das noch so sein wird, ist nun allerdings fraglich.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen