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Aarhus Stadt mit hyggeliger Atmosphäre

Sophie Andres ist als deutsche Austauschstudentin in Aarhus, Dänemarks zweitgrößter Metropole. Ein Erfahrungsbericht.

Aarhus
Gemütliche Atmosphäre direkt am Meer: Aarhus ist in diesem Jahr zur Kulturhauptstadt Europas gekürt worden. Foto: Sophie Andres

Für mich stand nach einem Auslandsjahr fest, dass ich für mein Studium nicht in Deutschland bleiben werde. Dabei wollte ich meine Erfahrungen nutzen und das internationale Umfeld beibehalten, jedoch nicht tausende Kilometer von zu Hause entfernt sein.

Meine Wahl fiel letztlich auf Dänemark, das „glücklichste“ Land der Welt direkt am Meer. Ich habe mich nicht für Kopenhagen, sondern die zweitgrößte Stadt Aarhus mit rund 265 000 Einwohnern entschieden, welche dieses Jahr zur Kulturhauptstadt gekrönt wurde. Nun sitze ich hier auf dem Balkon meiner Wohngemeinschaft auf der neuen Insel der Stadt mit Blick auf das Meer.

Kleine Klassen, andere Notenskala

Im vergangenen Jahr September habe ich meinen Bachelor in „Economics and Business Administration“ an der Aarhus University, der staatlichen Universität der Stadt, angefangen. Dieser ist vergleichbar mit dem BWL-Studium in Deutschland, enthält jedoch auch Aspekte der Volkswirtschaft. Das Studium besteht aus Vorlesungen und Kursen in kleineren Klassen. Die Noten-skala reicht von -2 bis 12 Punkten und ist leider nicht vergleichbar mit der deutschen Noten-skala. Die Professoren sind meist international und außerordentlich hilfsbereit. Erstaunlich ist zudem, dass die Professoren in Dänemark geduzt und mit Vornamen angesprochen werden.

Eine Besonderheit des Studiums in Dänemark ist die sogenannte Statens Uddannelsesstøtte (zu Deutsch: staatliche Ausbildungsförderung), welche dem Bafög-Prinzip entspricht, jedoch weder zurück gezahlt wird noch vom Gehalt der Eltern abhängig ist. Somit wird jeder Student monatlich mit 5900 Dänischen Kronen (umgerechnet rund 790 Euro) unterstützt. Als internationaler Student empfängt man diese Unterstützung, sobald man einen Studentenjob mit mehr als 44 Stunden pro Monat hat. Der Lohn aus dem Studentenjobs wird in Dänemark mit 38 Prozent versteuert.

Von dieser Unterstützung profitieren etwa 486.000 Studenten – der dänische Staat investiert dafür jährlich rund 20 Billionen Dänische Kronen (2,7 Billionen Euro), dies entspricht circa einem Prozent des Bruttoinhaltsprodukts.

Zehn Regeln

Diese Unterstützung hat es mir ermöglicht, mein Studium zu finanzieren und trotz der vergleichbar hohen Preise, das Studium voll auszuleben. Mein studienrelevanter Job bei Trendhim, einem internationalen Online-Shop für Herren-Accessoires, ist ein guter und erster Einblick in die dänische Arbeitswelt. Dabei gilt hier das Gleiche wie an der Universität: es gibt keine formelle Hierarchie, und der eigene Schreibtisch steht direkt neben dem des Chefs.

Bei der Jobsuche ist Deutsch als Muttersprache immer ein großer Vorteil und ein gern gesehenes Plus. Die flachen Hierarchien sind dabei ein bedeutender Bestandteil der dänischen Kultur, welche auf der Gelassenheit und dem Jante Law beruht. Das Jante Law sind zehn Regeln, welcher jeder Däne sich bemüht zu befolgen. Dabei beschreibt die erste Regel die Lebensweise der Dänen sehr gut: „Du solltest nicht denken, du seist etwas Besonderes.“ In Aarhus werden diese Regeln noch treu befolgt. In Kopenhagen wird das Ganze schon etwas lockerer betrachtet, was in den anderen Teilen Dänemarks gerne als arrogante Haltung der Hauptstädter abgestempelt wird.

Bei Wein und Kerzenschein

Die meisten Leute auf den Straßen in Aarhus begegnet man mit einem entspannten Lächeln auf den Lippen und keinerlei Sorgenfalten auf der Stirn. Hygge – so lautet das dänische Rezept zum Glück. Kerzenschein, ein Glas Wein und die beste Freunde auf dem Sofa bei einem guten Film: Das ist alles, was der Däne braucht, um ein hyggeligen Abend zu haben, besonders wichtig in den kalten und dunklen Wintermonaten Kommen die Dänen jedoch mal aus ihrer hyggeligen Hochburg heraus, bleibt es meist nicht bei einem Bier, und die eigentlich so zurückhaltenden Dänen zeigen bis dahin unentdeckte Seiten.

Obwohl Aarhus die zweitgrößte Stadt in Dänemark und dieses Jahr die Kulturhauptstadt Europas ist, werden Wald, Strand und Stadt geboten – und alles ist gut mit dem Fahrrad erreichbar. Für mich ist Aarhus die perfekte Studentenstadt mit ausreichendem Angebot und persönlicher Atmosphäre.

Kite-Surfing, Standup-Paddling und Beachvolleyball in der Strandbar sind ideale Möglichkeiten, um den Sommer in Aarhus zu erleben. Nach meinem ersten Jahr in Dänemark bin ich langsam angekommen und genieße die entspannte Atmosphäre. Jeder Besucher aus der Heimat ist begeistert von der Stadt und der hyggeligen Atmosphäre.

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