Lade Inhalte...

Zukunft der Smartphones „Nur kopiert, nicht weiterentwickelt“

Computer-Pionier Hartmut Esslinger hat zusammen mit Steve Jobs Computer entwickelt. Im Interview spricht er über langweilige Smartphones, ihre Zukunft und Nachhaltigkeit.

iPhone der ersten Generation.
„Es gab mit dem ersten iPhone ein grundsätzlich revolutionäres Konzept, aber dies ist im Laufe der Jahre nur kopiert und nicht weiterentwickelt worden“, sagt Esslinger. Foto: imago

Herr Esslinger, Sie haben schon vor fast 40 Jahren zusammen mit Steve Jobs Computer entwickelt. Haben Sie da geahnt, dass große Rechner mal von viel kleineren Geräten abgelöst werden?
Ja, das konnte und musste man wissen. Bei Apple war ein Tablett-Macintosh schon in der Projektion, es gab auch Studien für mobile Telefone als Computer. Als Designer ist man seiner Zeit immer um zehn bis zwanzig Jahre voraus. 
 
Wie gefallen Ihnen denn die Smartphones, die in den vergangenen zehn Jahren auf den Markt gekommen sind?
Inzwischen sind die leider langweilig. Es gab mit dem ersten iPhone ein grundsätzlich revolutionäres Konzept, aber dies ist im Laufe der Jahre nur kopiert und nicht weiterentwickelt worden. Außerdem sind diese kleinen Geräte nicht sehr angenehm zu halten – fast schon glitschig. 

Kommen wir zur Zukunft: Was wird aus dem Smartphone?
Es gibt in der Produktwelt immer drei Zyklen: Die Innovationsphase, die Wachstumsphase und die Sättigungsphase. Das Smartphone hat die dritte Stufe erreicht. Verfeinerungen sind nun der Fokus. Das Konzept der kleinen Schiefertafel wird sklavisch beibehalten, egal welche Marke. Die Geräte kommen auch prinzipiell aus drei bis vier Fabriken in China.

Es wird nun immer mehr Technik reingepackt, die den Nutzern durchaus mehr Service bietet. Umwelt, Gesundheit, Ernährung – das werden drei wichtigen Bereiche sein. Mit neuen Funktionen und Sensoren werden wir mit dem Smartphone prüfen können, ob uns Gammelfleisch angeboten wird, bei Diabetikern der Zuckerspiegel in Ordnung ist und der Grad der Luftverschmutzung nicht bedrohlich ist. Und noch viel mehr. 

 
Gefällt Ihnen das?
Im Design wird dies nicht sichtbar und die User-Interface wird immer verwirrender. Aber das Hauptproblem ist ein ganz anderes. Es werden jedes Jahr über eine Milliarde Smartphones und andere Tech-Produkte produziert. Zur gleichen Zeit werden dann ähnlich viele Geräte ausrangiert und auf den Müll geschmissen, obwohl sie noch voll funktionsfähig sind – sie sind eben nur nicht mit dem neuesten Prozessor ausgestattet. Und auch nicht recycelbar. Das macht sie zu technischen Dinosauriern.

Die sind ausgestorben.
Auch diese Art von Smartphones ist auf Dauer nicht nachhaltig. Berge von Mineralien wie Seltene Erden für Displays oder Kupfer oder Kautschuk und so weiter werden für die Herstellung benötigt. Wahnsinn, was alles in so einem Gerät steckt und auf absurde Weise verschwendet wird. Wenn man von Peking Richtung Mongolei fliegt, sieht man die Riesenkrater, in denen Seltene Erden abgebaut wurden – diese Ressourcen gehen auch mal zu Ende. 

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum