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Zehn Jahre Euro Euro oder Teuro?

Seit zehn Jahren gibt es den Euro. Viele Menschen beschimpfen ihn als Teuro und wünschen sich die D-Mark zurück. Dabei sagen die Statistiker, dass die Inflation kaum zu messen sei. Woran liegt das?

13.12.2011 18:42
Evelyn Binder
Der Preis für Dieselkraftstoff ist seit der Euroeinführung innerhalb von zehn Jahren um 85,3 Prozent gestiegen. Foto: dpa

Nein, der Euro ist kein Teuro. Diese Aussage wird das Statistische Bundesamt nicht müde zu betonen. Und es hat auch Zahlen parat, die die ersten zehn Jahre des Euro-Bargeldes in Deutschland glänzend dastehen lassen. Denn die durchschnittliche jährliche Inflationsrate lag mit 1,6 Prozent (gerechnet von November 2001 bis heute) deutlich niedriger als in den letzten zehn Jahren mit der D-Mark (2,2 Prozent) und erst recht niedriger als in den fast 50 Jahren, in denen die Bundesbank die Verantwortung für die Inflation alleine besaß (2,9 Prozent). Also Freispruch erster Klasse!

Für viele Bürger fühlt sich der Euro nach Teuro an

Doch für viele Bundesbürger fühlt es sich anders an. Sie spüren es in ihrem Geldbeutel: In der Summe ist das Leben teurer geworden. Sie können sich heute weniger leisten als vor zehn Jahren. Woran liegt das?

Das liegt zum einen an den privaten Warenkörben, die wenig mit dem durchschnittlichen zu tun haben müssen. Das liegt zum anderen an den Löhnen. Wenn man weniger verdient, kann man sich auch weniger leisten, selbst wenn die Produkte gar nicht teurer geworden sind. In der Summe sind die Lebenshaltungskosten in den vergangenen zehn Jahren nach Angaben des Statistischen Bundesamts um 17,7 Prozent gestiegen. Die 17,7 Prozent errechnen sich aus den jährlichen durchschnittlichen Preissteigerungen von je 1,6 Prozent.

Doch die Lohneinkommen haben mit dieser Entwicklung nicht Schritt gehalten. Die durchschnittliche jährliche Veränderung der Nettolöhne und -gehälter lag im gleichen Zeitraum mit mickrigen 0,79 Prozent nur halb so hoch, wie die Statistiker berechnet haben. Im Jahrzehnt zuvor waren es immerhin im Schnitt 2,18 Prozent. Da tun auch kleine Preissteigerungen weh – zumal dann, wenn sie fast sämtliche Bereiche des Lebens betreffen.

Preistreiber Steuern

Zu den größten Preistreibern gehörte in den vergangenen Jahren zweifelsohne der Staat, der so versucht hat, seine Verschuldung in den Griff zu bekommen: Die Ökologische Steuerreform beispielsweise, mehrere Tabaksteuererhöhungen und nicht zuletzt die Erhöhung der Mehrwertsteuer von 16 auf 19 Prozent im Jahr 2007 haben dem Fiskus ordentlich Zusatzeinnahmen verschafft. Hinzu kamen die Gesundheitsreformen. Statistiker sprechen von administrierten Preiserhöhungen, die sich nicht durch die Notenbank steuern lassen.

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