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Zara Was die Spanier besser machen

Während viele deutsche Modeunternehmen ums Überleben kämpfen, vermeldet der Konzern Inditex - zu dem etwa Zara gehört - große Erfolge. Sein Vorsprung liegt in der Schnelligkeit.

Zara
Die Kunden mögen den Style von Zara-Kleidung und -Accessoires. Foto: afp

Kleider, Schuhe und Taschen von Zara treffen weiterhin den Geschmack der Kundinnen. Während zahlreiche hiesige Modemarken ums Überleben kämpfen, reißt sich die Kundschaft um die Mode der Spanier. Der Zara-Eigentümer Inditex vermeldete am Mittwoch einen Rekordgewinn. Doch die aktuellen Geschäftszahlen zeigen auch, dass die Firma Industria de Diseno Textil nicht unverwundbar ist.

Das Geschäft mit der Mode ist schwierig. Die Konkurrenz durch Online-Händler wie Amazon, Zalando und Co. wird stärker, zehn von 100 Euro werden derzeit schon über E-Commerce eingenommen. Tendenz steigend. Darunter leidet der stationäre Textilhandel, dessen Umsätze nach Berechnungen der Unternehmensberatung A.T. Kearney seit 2012 jährlich um knapp ein halbes Prozent geschrumpft sind, obwohl die Verbraucher insgesamt mehr Geld ausgegeben haben. Der Anteil von Bekleidung und Schuhen an den jährlichen Konsumausgaben ist von 5,8 Prozent im Jahr 1994 auf aktuell 4,8 Prozent geschrumpft.

Wetterkapriolen machen den Verkauf schwierig

Hinzu kommt, dass Wetterkapriolen das Verkaufen immer schwieriger machen. Nach dem verregneten Sommer 2017 lähmte die Hitzewelle in diesem Jahr die geschäftliche Tätigkeit. Allenthalben wurden Rabattaktionen gestartet, um die Lager für die Winterware zu räumen. Die Inditex-Marken Zara, Massimo Dutti oder Bershka machten da nicht mit. Das bremste das Umsatzwachstum. Im bisherigen Geschäftsjahr (Februar bis Oktober) kam ein Plus von „nur“ drei Prozent auf 18,4 Milliarden Euro zusammen, wobei auch ungünstige Währungskonstellationen durchschlugen. Inditex-Chef Pablo Isla hat indes eine Steigerung von mindestens vier Prozent versprochen – deshalb die langen Gesichter bei den Börsianern.

Aber der Konzern konnte seinen Gewinn in den neun Monaten auf 2,4 Milliarden Euro (plus vier Prozent) steigern. Eine neue Bestmarke. Und die in der Branche viel beachtete Bruttomarge (Umsatz minus der unmittelbaren Kosten der Betriebstätigkeit) kletterte auf 58 Prozent. Zum Erfolgsgeheimnis der Spanier gehört, dass sie im Online-Geschäft relativ stark sind. Noch wichtiger ist aber, dass der Konzern schneller als die Konkurrenz auf modische Trends reagieren kann. Vom Laufsteg bis zum Schaufenster braucht es höchstens drei Wochen – dank einer intelligenten IT und Fertigung in Europa.

Fast Fashion wächst schnell

Die sogenannte Fast Fashion mit ihren günstigen Preisen ist der Sektor in der Modebranche, der schnell wächst. Laut A.T.-Kearney-Experte Mirko Warschun verschärft sich die „Polarisierung“. Neben der Abteilung „Schnell und Billig“ geht es bei den Luxus-Marken nach oben. Der Textilhandel entfernt sich damit immer mehr von einer Bedarfsdeckung zu einem Lifestyle-Geschäft. Darunter leidet das mittlere Segment heftig, wo „nur die Kosten, nicht aber die Umsätze steigen“, so Warschun. Und genau dort sind viele deutsche Modefirmen unterwegs.

Denen wird von Experten vorgeworfen, zu bieder und langweilig zu sein. Die Liste der Firmen, die Rückschläge erlitten haben oder in ernsthafte finanzielle Schieflagen geraten sind, ist lang. Bench, Roeckl, Gardeur, Hugo Boss, Esprit. Zuletzt hat es den Damen-Ausstatter Gerry Weber erwischt: Es geht ums Überleben. Gläubiger haben ihre Forderungen bis Ende Januar gestundet. Bis dahin muss ein Sanierungsprogramm gezimmert werden.

Nils Kuhlwein von A.T Kearney ist sich sicher, dass mit weiteren Insolvenzen gerechnet werden muss. Viele Unternehmen seien sehr „fragil aufgestellt“. Ein warmer Sommer oder steigende Zinsen reichten oftmals, um Notsituationen auszulösen. Derzeit sieht es so aus, dass Inditex Profiteur dieser Entwicklung werden könnte. Schon heute ist der Konzern in den Innenstädten omnipräsent. Mit dem Ausscheiden von Rivalen könnten Marktanteile ausgebaut werden.

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