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Zahnzusatzversicherung Gold im Mund

Zahnersatz ist teuer. Um böse Überraschungen zu vermeiden, kann eine Zusatz-Versicherung sinnvoll sein. Da die Leistungen höchst unterschiedlich sind, lohnt sich ein Vergleich.

Zahnersatz ist teuer: eine Zusatzversicherung kann sinnvoll sein. Foto: imago

Zahnersatz ist teuer. Um böse Überraschungen zu vermeiden, kann eine Zusatz-Versicherung sinnvoll sein. Da die Leistungen höchst unterschiedlich sind, lohnt sich ein Vergleich.

Der finanzielle Schock kam per Post von ihrem Zahnarzt: Fast 7000 Euro sollte Anke Schneider (Name geändert) für die aufwendige Reparatur ihrer Zähne bezahlen. Das entnahm sie dem Heil und Kostenplan. Ihre gesetzliche Krankenkasse würde sich mit nicht einmal 1000 Euro an diesen Kosten beteiligen. Den Rest sollte sie aus ihrer eigenen Tasche finanzieren. Doch woher diesen Riesenbetrag hernehmen? Es blieb Anke Schneider nichts anderes übrig, als einen Kredit bei ihrer Bank aufzunehmen, den sie jetzt monatlich abstottert.

Um solch böse Überraschungen zu vermeiden, können gesetzlich Versicherte eine Zahnersatz-Zusatzversicherung abschließen. Denn aus Sicht der gesetzlichen Kassen sind die meisten Zahnersatzleistungen reiner Luxus, für den die Patienten doch bitte schön selbst aufkommen sollen.

Zwar übernimmt die gesetzliche Krankenkasse einen Kostenanteil von 50 Prozent, der sich sogar auf 65 Prozent erhöht, wenn der Patient über einen Zeitraum von zehn Jahren alle empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen absolviert hat und dies per Bonusheft nachweisen kann. Doch faktisch fällt der Kassenanteil in den allermeisten Fällen deutlich geringer aus. Denn der Kassenanteil bezieht sich nur auf die Kosten für die billigste medizinische Lösung. Die allerdings ist aus Sicht der Zahnärzte oft völlig unzureichend. Deswegen empfehlen sie meist Behandlungen, die ein Mehrfaches dessen kosten, was als gesetzliche Leistung definiert wird.

„Eine Zahnzusatzversicherung ist eine Investition in die Zukunft“, sagt Dörte Elß, Gesundheitsexpertin bei der Verbraucherzentrale Berlin. Wer in absehbarer Zukunft mit einem größeren Eingriff rechnet – etwa das Anbringen von Kronen, Brücken oder Implantaten – sollte eine private Zahn-Zusatzversicherung abschließen. Die erstattet zwar in der Regel auch nicht alle Kosten, aber immerhin einen hohen Anteil. Über 13 Millionen Bundesbürger verfügen bereits über eine solche Versicherung.

Frauen zahlen mehr

Vor Beginn der Behandlung sollte unbedingt der Heil- und Kostenplan des Zahnarztes eingereicht werden. Wie hoch genau die Erstattung ausfällt, hängt vom Anbieter und vom jeweiligen Tarif ab. Die Unterschiede können gewaltig sein: So erstatten manche Tarife 80 Prozent des Rechnungsbetrages, andere nur 50 Prozent. Abgezogen wird in der Regel noch der Anteil, den die gesetzliche Kasse übernimmt. Andere Anbieter stocken den von der gesetzlichen Krankenkasse geleisteten Betrag auf einen bestimmten Prozentsatz – zum Beispiel 80 Prozent – des Rechnungsbetrages auf. Der Anteil der gesetzlichen Kasse spielt hier also keine Rolle, der Patient muss den vereinbarten verbleibenden Prozentsatz selbst zahlen.

Erstattet werden die Kosten sowohl für die zahntechnischen Leistungen als auch die damit zusammenhängende zahnärztliche Behandlung. Doch auch hier kann es Unterschiede geben: So übernehmen manche Anbieter zum Beispiel 75 Prozent der Kosten für die Zahnbehandlung, aber nur 50 Prozent der Zahnersatz-Kosten. Grundsätzlich aber gilt: Je höher der Versicherungsbeitrag, desto höher auch die Kostenübernahme, wenn eine Zahnersatz-Leistung fällig wird.

„Es lohnt sich auf jeden Fall, verschiedene Angebote miteinander zu vergleichen“, empfiehlt Jens Wegner vom Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV). Die Höhe des Versicherungsbeitrages wiederum hängt aber nicht nur von der Qualität der Leistung ab, sondern auch vom Alter des Kunden: Je älter er bei Vertragsbeginn ist, desto höher ist in der Regel der Beitrag.

Zudem müssen Frauen meist höhere Beiträge zahlen als Männer. Zum Ende des Jahres werden die Versicherer aber verpflichtet, nur noch sogenannte Unisex-Tarife anzubieten – also Frauen und Männer bei den Konditionen gleichzustellen. Das dürfte in neuen Verträgen zu niedrigeren Beiträgen für Frauen, dafür aber zu höheren Beiträgen für Männer führen. Experten empfehlen Männern deshalb, einen Vertrag noch vor Inkrafttreten der neuen Regelung abzuschließen, um noch von den für sie günstigeren Konditionen zu profitieren.

Billiganbieter als Alternative

Wichtig ist allerdings zu wissen, dass die Beträge, die die private Zusatzversicherung übernimmt, in den ersten Jahren begrenzt sind. Damit wollen die Versicherer verhindern, dass Kunden nur deshalb eine Zahn-Zusatzversicherung abschließen, weil sie wissen, dass bei ihnen in naher Zukunft eine kostspielige Behandlung ansteht oder sogar schon unmittelbar notwendig ist. „Schließlich versichert auch keiner ein brennendes Haus“, erklärt PKV-Vertreter Wegner.

Deshalb haben viele Anbieter eine Staffel eingeführt: So übernehmen sie beispielsweise bis zu einem Jahr nach Vertragsbeginn nur maximal 500 Euro, im nächsten Jahr maximal 1000 Euro, im dritten Jahr 1500 Euro, im vierten 2000 Euro und erst ab dem fünften Jahr die volle Summe. Darüber hinaus muss der Versicherungsvertrag in der Regel schon mindestens sechs oder acht Monate bestehen, ehe überhaupt Leistungen gewährt werden.

Für Patienten, bei denen eine teure Behandlung bereits ansteht, ist es für den Abschluss einer Versicherung also zu spät. Sie können nur versuchen, die Kosten gering zu halten: „Auf jeden Fall ist es sinnvoll, sich eine Zweitmeinung von einem anderen Zahnarzt einzuholen“, sagt Verbraucherschützerin Elß. „Unter Umständen macht der ein viel kostengünstigeres Angebot, das qualitativ gleichwertig ist.“

Auch Zahnersatz von einem ausländischen Labor könne eine kostengünstige Alternative sein, so Elß. Denn Zahnersatz, der in der Türkei oder in China hergestellt wird, ist viel billiger. „Die handwerkliche Qualität muss der Zahnarzt beurteilen“, sagt Elß. Falls es Probleme gebe, könne sich das aber als Nachteil erweisen, wenn die Ware ins Ausland zurückgeschickt werden muss. Das kann dann längere Wartezeiten und damit Verzögerungen bei der Behandlung zur Folge haben“, warnt die Verbraucherschützerin. Manche Hersteller hätten für solche Nachbesserungen aber auch Labore in Deutschland.

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