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Wohnungsmarkt „Mit 100 Leuten Schlange stehen – ein Alptraum“

Michael Bütter, Geschäftsführer bei Immobilienscout24, spricht im FR-Interview über Kundendaten, einen heißen Markt und die Wohnungssuche der Zukunft.

Michael Bütter
Michael Bütter (47), Geschäftsführer von Immobilienscout24. Foto: Gerd Engelsmann

Der Wohnungsmarkt spielt verrückt. Auch Michael Bütter kritisiert Auswüchse – wie etwa Immobilien, die zu reinen Spekulationsobjekten geworden sind. Zugleich setzt der Chef von Immobilienscout24 auf die weitere Digitalisierung der Immobilienbranche. Sein Versprechen: Mit Technologien wie Virtual Reality soll es für Nutzer einfacher werden, ein neues Heim zu finden. 

Herr Bütter, die Immobilienbranche erlebt einen langanhaltenden Boom, auch das Internet wächst immer weiter. Erleben Sie den immerwährenden Frühling?
In der Immobilienbranche hält sich das Hoch. Die Unternehmen sind zufrieden und erzielen gute Ergebnisse. Aber irgendwann beginnt mit Sicherheit ein neuer Zyklus. Aber solange die Zinsen niedrig bleiben, wird das der Branche noch einigen Spaß bringen.
 
Der Spaß treibt merkwürdige Blüten: Investoren kaufen etwa in Frankfurt Wohnungen blind über das Internet, also ohne jemals in Frankfurt gewesen zu sein. Finden Sie das gut?
Das ist keine gesunde Entwicklung und dem hohen Nachfragedruck geschuldet. Privatpersonen kann ich das nicht empfehlen. Da sind schon einige reingefallen. Institutionelle Investoren haben das Knowhow dafür. Private Investoren sollten sich aber sehr gut auch an Ort und Stelle informieren, nicht nur im Internet. 
 
Ein anderer Auswuchs ist, dass Wohnungen nicht mehr gekauft werden, um sie zu bewohnen, sondern als Kapitalanlage oder Spekulationsobjekt. Sie stehen dann leer, weil der Eigner keinen Ärger mit Mietern will. Darf es so weit kommen?
Wir haben einen Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Kein Wunder, dass Politiker und Bürger es kritisch sehen, wenn Wohnungen als Investitionsobjekt durchgereicht werden. Das können Sie letztlich aber nicht gänzlich verhindern. Aus Sicht dieser Wohnungseigentümer sind Anlagealternativen oft nicht gegeben. 

Welche Rolle spielt in dieser Situation das Internet?
Wir wollen als Betreiber eines Marktplatzes die Immobilienwelt und das Internet zusammenzubringen. Wir wollen die Branche in das digitale Zeitalter bringen, die Brücke schlagen zwischen Immobilien und der digitalen Welt. Dabei kommen wir immer stärker von der reinen Auflistung von Angeboten weg und entwickeln uns zu einem Marktnetzwerk. Wir bieten weitere Dienstleistungen an und ermöglichen Kommunikation zwischen Marktteilnehmern. Das macht die Sache dynamischer. Dabei setzen wir auf neue Technologien, um die Erfahrungen der Nutzer mit unseren Angeboten zu verbessern, zum Beispiel 360-Grad-Rundgänge. So können Suchende bereits am Bildschirm einen realistischen Eindruck von der Immobilie bekommen und entscheiden, ob sich eine Besichtigung lohnt. Denn mit 100 Leuten vor einer Wohnung Schlange stehen ist ja für die meisten ein Alptraum. 

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