Lade Inhalte...

Wohnungseinbruch Sicher vor Langfingern

Der Bund hat die Fördergelder für die Einbruchssicherung von Wohngebäuden erhöht. Die FR erklärt, wie man an eine Förderung kommt.

Wohnungseinbruch
Bei Einbruchsversuchen spielt die Zeit eine entscheidende Rolle: Wer nicht schnell in die Wohnung komme, gebe meist auf, sagt die Polizei und rät deshalb, in Sicherheit zu investieren. Foto: dpa

Bei einem Wohnungseinbruch stehen die Täter unter enormem Zeitdruck. Kommen sie nicht in wenigen Minuten ins Haus, geben sie meist auf. Die Polizei schätzt, dass im vergangenen Jahr rund 45 Prozent aller Einbruchsversuche erfolglos endeten – und empfiehlt wenig aufwendige Maßnahmen, die es den Tätern schwerer machen.

Die große Koalition verabschiedete bereits 2015 Subventionen, die die Zahl der erfolglosen Einbruchsversuche noch steigern soll: Hausbesitzer und Mieter können Zuschüsse bei der staatlichen KfW-Bank beantragen, wenn sie zum Beispiel Fenster verstärken, Türen mit Riegeln versehen oder Kameras installieren. In diesem August beschloss die Regierung außerdem, den Etat von 50 Millionen auf 65 Millionen Euro aufzustocken. Die Frankfurter Rundschau erklärt, welche Präventionsmaßnahmen finanziell gefördert werden und wer die Zuschüsse wie beantragen kann.

Wie viel Geld gibt es?
Die Zuschüsse sind an die Höhe der Investitionskosten gebunden: Wer bis zu 1000 Euro für Maßnahmen zum Einbruchsschutz ausgibt, erhält 20 Prozent Zuschuss. Jeder Euro, der darüber hinausgeht, wird mit weiteren zehn Prozent gefördert. Mindestens müssen 500 Euro ausgegeben werden, die Obergrenze liegt bei 15.000 Euro. Bei dieser Summe würden Antragsteller 1600 Euro bekommen. In der Regel geben die Menschen aber weniger Geld aus: 550 Euro erhalten sie im Schnitt von der KfW dazu, erklärte die Bank auf Anfrage der FR. Viel sei bei den meisten Häusern nämlich gar nicht nötig, um sie sicherer zu machen.

Können nur Hausbesitzer Zuschüsse beantragen?
Nein, das Angebot gilt auch für Mieter. Ihnen empfiehlt die KfW allerdings, sich vorher mit dem Vermieter abzustimmen – und die Abmachung am besten schriftlich festzuhalten, damit es beim Auszug keine Probleme gibt und kein Rückbau gefordert wird. Besitzer können auch die Kosten für mehrere Häuser zur Förderung einreichen.

Und wenn ich umziehe?
Die Förderung ist an die Wohnung gebunden, nicht an den Antragsteller. Bedeutet: Wer bereits Zuschüsse erhalten hat und umzieht, kann sie für die neue Wohnung noch einmal beantragen. Dann wird der Förderbetrag allerdings mit dem zuvor beantragten Betrag addiert – weiterhin gilt die Höchstsumme von 15.000 Euro.

Genügt der Topf?
Im vergangenen Jahr vergab die KfW die 50 Millionen Euro komplett. Rund 65.000 Zusagen für Zuschüsse machte die Bank nach eigenen Angaben – und förderte so die Aufrüstung von rund 80.000 Wohneinheiten. Für 2018 hat die Bundesregierung den Etat aber noch einmal um 15 Millionen Euro erhöht.

Was ist beim Antrag zu beachten?
Der Antrag muss unbedingt gestellt werden, bevor man sich an den Umbau macht. Die Zusage erhalte man in der Regel noch am selben Tag, versichert die KfW. Danach müssen die Rechnungen eingereicht werden. Gefördert wird nicht jede Sicherheitstechnik – die Bank orientiert sich hier an Vorgaben der Polizei. Auf der Homepage der KfW sind die nötigen Mindeststandards für Türen, Garagentore und Nachrüstsysteme mit DIN-Nummern aufgelistet. Der Antrag kann nur online gestellt werden. Wer kein Internet hat oder sich im Umgang damit nicht sicher fühlt, kann ihn auch von einer anderen Person stellen lassen.

Gibt es noch andere Förderangebote?
Die KfW bietet auch einen speziellen Kredit zum Einbruchsschutz an. Bis zu 50.000 Euro Kredit pro Wohnung kann man hier erhalten. Der Antrag wird dann über die Hausbank gestellt und steht zum Beispiel auch Genossenschaften offen. Bei einer Laufzeit von zehn Jahren beträgt der effektive Jahreszins 0,75 Prozent. Menschen, die ihr Haus auch gleich altersgerecht umbauen wollen, können den Antrag mit einem Kredit zur Barrierenreduzierung, die von der KfW ebenfalls gefördert wird, kombinieren.

Was empfiehlt die Polizei?
Haupteinfallstor für Einbrecher sind in den meisten Fällen leicht erreichbare Fenster und Türen, für deren aufhebeln Einbrecher oft nur einfaches Werkzeug benötigen. Aufrüsten kann man leicht und effektiv mit abschließbaren Fenstergriffen und einbruchhemmenden Beschlägen mit spezieller Verriegelung. Bei Fenstern, die häufig gekippt sind, wie zum Beispiel bei Badezimmerfenstern im Erdgeschoss, sind auch Gitter eine gute Idee. Für viele Außentüren benötigen Einbrecher nicht einmal Werkzeug, um sie zu überwinden – etwas Gewalt genüge, warnt die Polizei. Schlösser mit Mehrfachverriegelung, Sperrbügel und Querriegel können das aber ändern. Wichtig ist dabei auch der fachgerechte Einbau. Die Polizei empfiehlt Unternehmen mit einem roten „Keinbruch“-Siegel. Auch die kriminalpolizeilichen Beratungsstellen können Betriebe in der Region weiterempfehlen. Generell ist eine Beratung durch die Polizei kostenfrei möglich, für eine Förderung ist eine solche aber nicht zwingend notwendig.

Wie groß ist die Gefahr in Deutschland?
Laut Kriminalstatistik ist die Zahl der registrierten Wohnungseinbrüche in Deutschland seit 2015 zurückgegangen. Seither gibt es auch die Zuschüsse der KfW, 2017 beschloss die Bundesregierung außerdem eine Verschärfung der Strafen: Beim Einbruch in eine Privatwohnung ist jetzt eine Mindeststrafe von einem Jahr Haft (statt wie zuvor von sechs Monaten) fällig. Die Zahl der Einbrüche sank 2017 um 23 Prozent auf 116.540 Fälle – und war damit so niedrig wie seit den Jahren 2009 und 2010 nicht mehr.

Was hilft noch?
Wer die Tür mit Riegeln ausstattet, sie aber ständig offen stehen lässt, hat wenig von seinem Einbruchschutz. Entscheidend, das sagt auch die Polizei, ist also auch das eigene Verhalten. Fenster sollten selbst bei kurzer Abwesenheit nicht gekippt bleiben, Türen immer zweifach verriegelt werden – und nicht bloß ins Schloss gezogen werden. Rollläden sollten bei Dunkelheit heruntergelassen, aber tagsüber geöffnet bleiben, um potenziellen Einbrechern nicht zu verraten, ob jemand zu Hause ist oder nicht.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen