Lade Inhalte...

Wohnungsbau Zu wenige und zu teure Wohnungen

In Großstädten und an Universitätsstandorten steigen die Mieten so eklatant, dass selbst Durchschnittsverdiener Probleme haben die Mietkosten aufzubringen. Der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen sieht darin sozialen Sprengstoff.

Bezahlbarer Wohnraum wird knapp. Foto: dpa

In Großstädten und an Universitätsstandorten steigen die Mieten so eklatant, dass selbst Durchschnittsverdiener Probleme haben die Mietkosten aufzubringen. Der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen sieht darin sozialen Sprengstoff.

Bezahlbarer Wohnraum wird knapp. In den meisten Metropolen und Universitätsstädten steigen die Mieten seit Jahren kräftig. Das bekommen längst nicht mehr nur Menschen mit kleinen Einkommen zu spüren, auch Durchschnittverdiener stöhnen unter der Last der Wohnkosten. Nach Auskunft des Deutschen Mieterbundes geben Mittelschichthaushalte inzwischen fast die Hälfte ihres verfügbaren Einkommens für Miet- und Nebenkosten aus. Viele Wohnlagen in München, Hamburg oder Frankfurt am Main sind selbst für Gutverdiener zu teuer. Der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) spricht angesichts des eklatanten Mangels an bezahlbarem Wohnraum gar von „sozialem Sprengstoff“.

Der Mangel hat Ursachen. Zum einen nahm die Zahl der Haushalte in Deutschland durch immer mehr Singles zwischen 2002 und 2010 von 38,7 auf 40,3 Millionen zu. Bis 2030 werden es Prognosen zufolge rund 41,4 Millionen sein – trotz sinkender Gesamtbevölkerung. Um den Bedarf zu decken, müssten in den Ballungsräumen jährlich 250.000 neue Wohnungen entstehen. Zudem werden bis 2020 drei Millionen altengerechte Wohneinheiten benötigt, durch Neu- oder Umbau.

Politische Schützenhilfe gefordert

Auch die Landflucht verschärft den Wohnungsmangel in den Großstädten. Während es auf dem Land insbesondere im Osten viel Leerstand gibt, platzen die Metropol-Regionen aus allen Nähten. Dabei hat der Run auf innerstädtische Bereiche auch finanzielle Gründe, etwa die extrem gestiegenen Pendlerkosten, die den Vorteil günstiger Mieten vielerorts zunichte gemacht haben. Auf der Angebotsseite tut sich dagegen recht wenig. Von vier Millionen Sozialwohnungen im Jahr 1989 sind heute nur mehr 1,4 Millionen übrig. Nur Nordrhein-Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg und Hamburg betreiben noch aktive Sozialwohnungsbaupolitik. Private Investoren schließen die Lücke ebenfalls nicht.

Die Zahl der neu gebauten Wohnungen stieg zwar zuletzt von 160.000 im vorletzten Jahr auf 210.000 im vergangenen. Gleichwohl wurde der errechnete Bedarf von 250.000 neuen Wohnungen erneut verfehlt, zwischen 2009 und 2012 wurden rund 400.000 Wohnungen weniger fertiggestellt als benötigt. Der GdW begründet die Zurückhaltung mit höheren Grunderwerbsteuern, wachsenden Anforderungen durch das Energieeinsparungsgesetz (Enev) sowie gestiegenen Energiekosten. Der Bau neuer Wohnungen rechne sich trotz rekordverdächtig niedriger Zinsen erst, wenn Mieten von 8,50 Euro und mehr pro Quadratmeter erzielt würden. Folge: Wohnraum für den Mittelstand mit Quadratmeter-Mieten zwischen sechs und neun Euro wird kaum noch gebaut.

Um die Lage zu entschärfen, fordert ein Bündnis aus Wohnbaubranche, Immobilienverband, Mieterbund und IG Bau politische Schützenhilfe: Der Bund solle die Enev-Auflagen einfrieren, die Abschreibung auf vier Prozent verdoppeln und die Mittel für energetische Sanierungen von 1,8 auf drei Milliarden Euro sowie für Städtebauförderung von 455 auf 700 Millionen Euro pro Jahr anheben. Zudem müsse es 100 Millionen Euro zur Wohnbauförderung speziell für Mittelschichthaushalte geben.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum