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Wohnung Vermietung Zu Gast bei Fremden

Private Eigentümer vermieten ihre Wohnungen gerne an Städtereisende. Das ist ein lukratives Geschäft und etwa in Frankfurt am Main auch nicht verboten. Doch es verknappt das Wohnungsangebot zusätzlich.

04.11.2013 11:03
Georgia Hädicke
Immer mehr Eigentümer vermieten ihre Wohnung kurzfristig an Urlauber. Das sorgt für Probleme auf dem vielerorts ohnehin angespannten Wohnungsmarkt. Foto: dpa/Symbolbild

Private Eigentümer vermieten ihre Wohnungen gerne an Städtereisende. Das ist ein lukratives Geschäft und etwa in Frankfurt am Main auch nicht verboten. Doch es verknappt das Wohnungsangebot zusätzlich.

"Skyline-Studio“ ab 49 Euro pro Nacht. „Mitten in Frankfurt, ruhig und grün“ ab 47 Euro pro Nacht, oder „Zentral im Nordend“ für 30 Euro die Nacht. Bei diesen Anzeigen handelt es sich nicht etwa um Angebote professioneller Hotels oder Wohnungsgesellschaften. Stattdessen sind es private Vermieter, die ein Zimmer oder gar eine ganze Wohnung über das Onlineportal Airbnb in der Mainmetropole an Reisende untervermieten.

In vielen deutschen Großstädten sorgen Angebote wie diese derzeit für mehr Gesprächsstoff denn je. Mieterverbände sind besorgt, dass das ohnehin schon knappe Wohnungsangebot in innerstädtischen Lagen durch die steigende Zahl an Ferienwohnungen noch weiter schrumpft. Hotellerie und Gaststättenverbände sorgen sich wegen der Konkurrenz durch Privatleute. Anwohner sorgen sich um ihren Nachtschlaf, Politiker um ihre Mandate.

Doch das scheint bislang weder private Vermieter noch städtereisende Mieter in großem Maße abzuschrecken. Laut einer Studie der Beratungsgesellschaft Dicon werden allein über Airbnb deutschlandweit rund 12 400 Wohnungen von Privatleuten angeboten, die geschätzte Dunkelziffer liegt deutlich höher. Ein Großteil der Angebote entfällt auf Berlin, Hamburg, München und Frankfurt.

Für Wohnungseigentümer ist eine zeitweise Vermietung der Stadtwohnung als Feriendomizil durchaus lukrativ, wie eine Beispielrechnung des Anbieters FeWo für die Hauptstadt Berlin zeigt. Nach den aktuellen Durchschnittswerten des Portals liegt der ungefähre Wochenmietpreis für eine 97 Quadratmeter große Ferienwohnung in einer städtischen Lage bei rund 960 Euro. Bei normaler, sprich langfristiger, Vermietung liegt der Mietpreis für die gleiche Wohnung durchschnittlich nur bei 860 Euro – für den gesamten Monat. Aufs Jahr gerechnet brächten städtische Ferienwohnungen also fast doppelt so viel an Bruttomieteinnahmen wie reguläre Mietwohnungen, lautet das Resümee des Portals FeWo.

Unterschiedliche Portale haben unterschiedliche Schwerpunkte: Bei WG-gesucht tummeln sich zumeist Studenten, Praktikanten oder Pendler mit der Suche oder dem Angebot einer längerfristigen Unterbringung. Bei Portalen wie Airbnb oder Wimdu geht es eher um die kurzzeitige Vermietung von Apartments oder einzelnen Zimmern an Touristen, die sich von der Unterkunft auch etwas Kontakt mit Einheimischen erhoffen.

Bei FeWo-direkt stehen noch immer Feriendomizile in klassischen Urlaubsregionen im Mittelpunkt, allerdings hat man im Zusammenhang mit Städtetrips einen besonderen Trend ausgemacht: „Da Ferienimmobilien in erster Linie die Bedürfnisse von Familien ansprechen, sind ruhige Außenbezirke mit viel Grün in Kombination mit Großstadtnähe stark im Kommen“, heißt es bei Homeaway.

Rechtliche Fallstricke

Wer plant, Wohnung oder Zimmer an Kurzzeitgäste unterzuvermieten, sollte sich zunächst über den rechtlichen Rahmen im Klaren sein. Eigentümer dürfen in der Regel selbst entscheiden, wie sie ihre Wohnungen nutzen wollen. Wer allerdings beispielsweise einer Eigentümergemeinschaft angehört, sollte sein Vorhaben dort auch zur Sprache bringen, um spätere Streitigkeiten oder gar gerichtliche Auseinandersetzungen zu vermeiden.

„Wer selbst Mieter ist, muss sich zunächst die Einwilligung seines Vermieters holen – am besten schriftlich“, erklärt Christopher Oster, Deutschland-Chef und Mitbegründer beim Onlineportal Wimdu. Jeder Vermieter habe auch Sorge zu tragen, dass keine baunutzungsrechtlichen Bestimmungen verletzt werden. „Gegebenenfalls muss er auch darauf achten, die Zusatzeinnahmen aus der Vermietung entsprechend zu versteuern“, sagt Oster.

Größere Schwierigkeiten drohen in Städten oder Vierteln, wo der Wohnungsmangel mittlerweile zum Politikum geworden ist. In einigen deutschen Kommunen gibt es bereits Zweckentfremdungsverbote für Wohnraum, wonach in bestimmten Vierteln die Vermietung von Ferienwohnungen nur noch gegen Genehmigung möglich ist. Hat ein Vermieter diese nicht, droht ihm eine Geldstrafe. Entscheidend dabei ist meist, ob jemand regelmäßig Feriendomizile anbietet oder dies nur ab und zu tut. In Frankfurt gibt es seit 2004 kein Zweckentfremdungsverbot mehr, auch wenn Mietervereine wiederholt für die Wiedereinführung plädiert haben.

Doch selbst wenn einem der Gesetzgeber keine Steine in den Weg legt, muss sich ein Vermieter sicher sein, dass er der Rolle als Privathotelier auch gewachsen ist. Ein guter Gastgeber zeichnet sich laut Oster vor allem durch Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit aus. „Dazu gehört beispielsweise, dass man bei Fragen erreichbar ist, oder dass man die Schlüsselübergabe entsprechend organisiert, falls man bei der Ankunft des Gastes selbst nicht zu Hause ist.“

Darüber hinaus sollte das online eingestellte Angebot möglichst detailliert und bebildert sein. Einige Portale helfen auf Anfrage auch mit dem Anzeigentext, schicken einen professionellen Fotografen und geben Tipps, wenn es um die Festsetzung des Preises geht.

Die finanziellen Anreize sollten nach dem Idealbild der Portalbetreiber allerdings nicht der einzige Grund für eine Zimmervermietung sein – auch wenn die hohen Renditen locken. „Uns liegt darüber hinaus das Thema Aufgeschlossenheit im Umgang mit internationalen Gästen persönlich sehr am Herzen – eine offene, freundliche Art ist hierbei sehr hilfreich“, sagt Oster. Denn: Städtereisende wollen sich als Teil der Metropole fühlen. So sagt Oster: „Das bedeutet, dass sich zwischen Gastgeber und Gast oftmals ein persönlicher Kontakt entwickelt – als Gastgeber gibt man beispielsweise Tipps für ein gutes Restaurant oder eine nette Bar um die Ecke.“

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