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Wohlstandsindex Geht’s uns gut?

Laut aktuellem Wohlstandsindex geht es den Deutschen besser als vor fünf Jahren. Doch die Studie ist wenig aussagekräftig - vor allem aus einem Grund.

Eisessen
Foto: afp

Den Deutschen geht es besser als noch vor fünf Jahren. Sie fühlen sich zumindest so. Sie sorgen sich weniger um ihre Finanzen, sehen den Umweltschutz auf gutem Wege und schätzen den eigenen wie den gesamtgesellschaftlichen Wohlstand heute höher ein als noch im Frühjahr 2012.

Die zentralen Ergebnisse des Wohlstandsindexes, den das Meinungsforschungsunternehmen Ipsos seit 2012 einmal pro Jahr erstellt, zeugen von einem Land mit zufriedener Bevölkerung.
Bleibt die Frage, was die Ergebnisse taugen.

Das sagen die Autoren

Die Autoren, der Zukunftsforscher Horst Opaschowski und Ipsos-Meinungsforscher Hans-Peter Drews, betonen die hohe Aussagekraft ihrer Umfragen, für die seit 2012 insgesamt 40.000 Interviews mit inländischen Personen ab 14 Jahren geführt wurden: Anders als das üblicherweise zur Wohlstandsmessung herangezogene Bruttoinlandsprodukt, bilde der Wohlstandsindex nicht allein die ökonomische Entwicklung ab, sondern erfasse auch soziale, gesamtgesellschaftliche und ökologische Faktoren. So fragten die Forscher nach Reisewünschen und Zukunftsängsten, finanziellen Sorgen und Meinungsfreiheit, medizinischer Versorgung und erneuerbaren Energien, Arbeitsplatzsicherheit und Eigentum.

Ohne Zweifel bietet eine umfassende, über rein wirtschaftliche Aspekte hinausgehende Wohlstandsmessung Vorteile. So können Opaschowski und Drews anhand der viermal jährlich durchgeführten Umfragen zeigen, wie sehr internationale Krisen und deren Auswirkungen auf Deutschland das Befinden der Menschen prägen. Nach 2012 stiegen die Werte in allen vier Wohlstandskategorien zunächst an. Als Mitte 2015 immer mehr Flüchtlinge nach Deutschland gelangten, kippte die Stimmung. Der gefühlte Wohlstandsanstieg kam zum Stillstand. Offenbar überwogen die mit dem Flüchtlingszuzug verknüpften Befürchtungen die positive ökonomische Entwicklung. Denn tatsächlich stiegen die Realeinkommen weiter an, während die Arbeitslosigkeit weiter zurückging.

Hier wird die Schwäche der Erhebung deutlich: Sie erfasst nicht faktenbasiert die Lage von Mensch, Umwelt und Gesellschaft, sondern Befindlichkeiten. Und sie läuft damit Gefahr, wenig plausible Ergebnisse zu produzieren, wie auch der Wohlstandsvergleich der Bundesländer im Index zeigt.

Dabei überrascht weniger der Sieger Hamburg mit einem Wert von 65,7, sondern der Verlierer: Baden-Württemberg bildet mit 43,6 Punkten das Schlusslicht, noch hinter den nordostdeutschen Bundesländern Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern (44,5). Das neben Bayern reichste Bundesland mit der vermutlich besten deutschen Regionalküche und beneidenswert viel Sonnenschein beherbergt Menschen im Wohlstandskeller der Republik?

Sonderlich plausibel erscheint das nicht. Opaschowskis Erklärungsversuch „Geld allein macht eben nicht glücklich“ überzeugt auch nicht wirklich. Zumal im „Glücksatlas“, den die Deutsche Post ebenfalls umfragebasiert regelmäßig veröffentlicht, der Landesteil Baden auf Platz vier landet und Württemberg die neunte von 19 Großregionen ist. Bayern wiederum, das im Wohlstandsindex Platz zwei belegt, kommt im Glücksatlas nur auf Rang acht. Was sagt das? Die Ergebnisse sind nicht tragfähig. Man kann eigentlich nichts mit ihnen anfangen. Man sollte es einfach bleiben lassen.

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