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Wirtschaftssanktionen Russlands Comeback

Die Sanktionen des Westens fügen Russland kaum Schaden zu – im Gegenteil: Putins Reich erholt sich bereits wieder. Die Analyse.

Wladimir Putin in Sotschi
Leidet weniger unter den Sanktionen als andere Staatenlenker: Kremlchef Putin in Sotschi. Foto: rtr

Russlands Präsident Wladimir Putin hat sich am Donnerstag mit Größen der deutschen Wirtschaft getroffen. Mit dem Ostausschuss der deutschen Wirtschaft und Vertretern von Konzernen wie Siemens und Linde besprach er, wie Handel und Investitionen vorangebracht werden können. Die Wirtschaftssanktionen des Westens gegen Russland – und Russlands Gegensanktionen – bestehen gleichzeitig weiter. Insgesamt jedoch fügen diese Sanktionen der russischen Wirtschaft kaum Schaden zu – sie erholt sich bereits wieder. Für einige EU-Länder sind die Handelsbeschränkungen allerdings teuer.

Nachdem die EU und die USA zur Strafe für die Ukraine-Politik des Kreml Sanktionen beschlossen hatten, rutschte die russische Wirtschaft 2014 in eine Rezession. Auslöser waren allerdings weniger die Sanktionen. Härter traf das Land der sinkende Ölpreis – Öl und Gas sind die Hauptexportprodukte Russlands. Zudem fiel der Wechselkurs des Rubels, was Importe deutlich verteuerte und die Inflation in die Höhe trieb. Die daraus folgenden Reallohnverluste belasteten den privaten Konsum der Russen.

Zypern, Griechenland und Kroatien betroffen

Inzwischen erholt sich die russische Wirtschaft jedoch wieder, unter anderem wegen des Ölpreises, der auf ein Zwei-Jahres-Hoch gestiegen ist. Die Inflation ist mit 3,3 Prozent auf ein Rekordtief im postsowjetischen Russland gefallen. Die Kapitalflucht hat in den vergangenen zwei Jahren stark abgenommen, der Rubel notiert wieder fester. Der Internationale Währungsfonds prognostiziert für dieses und nächstes Jahr ein Wirtschaftswachstum von 1,8 und 1,6 Prozent – nach minus 0,2 Prozent im vergangenen Jahr. „Trotz der westlichen Sanktionspolitik besteht wenig Anlass zur Sorge“, so die Ökonomen der Raiffeisen Capital Management.

Einige EU-Länder haben die Wirtschaftssanktionen allerdings hart getroffen. Zwischen 2014 und 2016 schrumpften die gesamten EU-Exporte nach Russland um jährlich 15,7 Prozent, errechnet das österreichische Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo. In Euro gingen sie von 120 Milliarden auf 72 Milliarden Euro zurück. Laut Wifo sind bis zu 40 Prozent des Rückgangs auf die Sanktionen zurückzuführen. Besonders hart traf es Zypern, das einen sanktionsbedingten Rückgang seiner Exporte von knapp 35 Prozent beklagt. Zu den Hauptleidtragenden gehörten zudem Griechenland (minus 23 Prozent) und Kroatien (minus 21 Prozent).

Die deutschen Exporte nach Russland schrumpften prozentual zwar nicht so stark wie in anderen EU-Ländern. In absoluten Summen jedoch verzeichnet die deutsche Wirtschaft den stärksten Verlust: Die Sanktionen kosteten sie laut Wifo rund elf Milliarden Euro pro Jahr. Damit trage Deutschland etwa ein Drittel der gesamten sanktionsbedingten Exportrückgänge der Europäischen Union. Polen und Großbritannien verloren je drei Milliarden Euro.

Inzwischen geht es mit dem deutsch-russischen Handel jedoch wieder bergauf, trotz Sanktionen. Im vergangenen Jahr belief er sich auf 48 Milliarden Euro und war damit nur noch halb so groß wie wenige Jahre zuvor. Laut dem Ostausschuss der deutschen Wirtschaft kletterte das Handelsvolumen in den ersten fünf Monaten 2017 jedoch um fast ein Drittel. Für das Gesamtjahr rechnet der Ostausschuss wieder mit einem Exportplus von 20 Prozent.

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