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Wirtschaft zur Wahl Wir sagen danke!

Börsianer und Analysten feiern den schwarz-gelben Sieg. Sie setzen darauf, dass vor allem die Gewinne von Banken und Energieversorgern profitieren, aber auch von Pharma-Titeln und Zeitarbeitsfirmen. Die FR erklärt warum.

28.09.2009 19:09
Börsianer feiern das neue Spitzenduo: Guido Westerwelle und Angela Merkel. Der Dax legte gestern stärker zu als die europäischen Indizes und überwand locker 5700 Punkten. Foto: Boeckheler

Energie

Was ist am Markt passiert? Die Aktien von Eon (plus 4,4 Prozent) und RWE (plus 3,6 Prozent) waren gestern die Spitzenreiter im Dax. Die Papiere von Solarunternehmen wie Conergy, Q-Cells oder Solarworld hingegen zählten zu den größten Verlierern im Frankfurter Handel.

Warum? Eon und RWE werden unter Börsianern als die großen Profiteure des Regierungswechsels in Berlin betrachtet. Die Aktienprofis gehen davon aus, dass sich die schwarz-gelbe Koalition auf eine Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke einigen wird. Das bringt riesige Extragewinne für die beiden Energieriesen. Die Analysten der Privatbank Sal. Oppenheim gehen davon aus, dass der "faire Wert" pro RWE -Aktie dadurch um neun Euro steigt, für Eon wird ein Zuwachs von vier Euro eingerechnet. Die Konzerne haben einen doppelten Vorteil. Atomkraftwerke produzieren billigen Strom. Und die längeren Laufzeiten bedeuten, dass die Firmen um immense Investitionen für neue Kraftwerke mit anderen Technologien, Gas oder Kohle, herum kommen. Zugleich wird unter Analysten gemutmaßt, dass die neue Regierung Einspeisevergütungen für erneuerbare Energie deutlich senkt - das würde die Gewinne vor allem in der Solarbranche schmälern.

Josef Auer, Energieexperte bei Deutsche Bank Research, hält es für möglich, dass Schwarz-Gelb auf Kernenergie und die Erneuerbaren setzt - auch wegen des Klimaschutzes. "Das würde dann aber auch bedeuten,dass es für die Kohle schwerer wird." Auer zieht daraus den Schluss, dass dann die Technologie für die Kohlendioxod-Abscheidung stärker vorangetrieben werden muss.

Wie reagieren die Verbände? Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BdEW) gibt sich diplomatisch. Die Kernkraft wird nicht ausdrücklich erwähnt. Aber der BdEW betont: Nur ein breiter Energiemix sei in der Lage "eine sichere und nachhaltige Versorgung zu bezahlbaren Preisen zu gewährleisten". Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) gibt sich gelassen. Die Einspeisevergütungen für regenerativen Strom seien erst Anfang dieses Jahres angepasst worden. Die nächste Runde stehe deshalb wohl erst 2011 an. Dann müsse man sich die Effizienzfortschritte, etwa bei Solaranlagen, aufgrund fundierter Zahlen genau anschauen, um die Sätze anzupassen, sagt ein BEE -Sprecher, der zudem darauf verweist, dass CDU und FDP sich ausdrücklich zu den Erneuerbaren bekannt hätten. (fw )

Banken

Was ist am Markt passiert? Am Montag konnten fast alle deutschen Banken ein ordentliches Plus verbuchen, so dass sich die einheimische Branche im europäischen Vergleich als klarer Gewinner präsentierte.

Warum? Die durch die Wählergunst extrem erstarkten Liberalen vertrauen seit jeher dem freien Spiel der Kräfte auf den Märkten. So spekuliert das Bankhaus Sal. Oppenheim auf eine ungleich mildere Reglementierung der Finanzmärkte unter Schwarz-Gelb als unter einer Großen Koalition - vor allem in Sachen Boni. Die Analysten der französischen Investmentbank Natixis erwarten, dass die in den vergangenen Wochen diskutierte Einführung einer Börsenumsatzsteuer ausbleibt. Zocken bleibt also attraktiv.

Was sagt der Verband? Der Bundesverband deutscher Banken fordert "die Umsetzung der G20-Beschlüsse" und mehr "demografiefeste soziale Sicherungssysteme", sprich private Altersvorsorge. (jes)

Gesundheit

Was ist am Markt passiert? Deutsche Unternehmen, die mit der Gesundheit ihr Geld verdienen, können sich über steigende Kurse freuen. So legte der Sektor Health Care im Deutschen Aktienindex um 1,11 Prozent zu, die Papiere des privaten Krankenhausbetreibers Rhön-Klinikum stiegen sogar um mehr als zwei Prozent. Der europäische Index verbuchte dagegen nur ein Plus von 0,41 Prozent.

Warum? Die Gesundheitsbranche wittert Morgenluft - ob es um weitere Klinikprivatisierungen, die Abschaffung des Gesundheitsfonds oder das Aufleben des Generikamarktes geht. Analysten erwarten, dass sich der Staat auf Druck der FDP nun weiter aus dem Gesundheitssektor zurückzieht und privatwirtschaftlichen Lösungen den Vorrang gibt.

Was sagen die Verbände? Der Bundesverband deutscher Privatkliniken würde eine Privatisierungswelle begrüßen. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen pocht auf Solidarität. (jes)

Staatsbetriebe

Was ist am Markt passiert? Die Deutsche Post und die Deutsche Telekom - an beiden Konzernen hält der Staat noch große Anteilspakete - haben gestern zugelegt. Das Plus bei der Post lag bis zum Nachmittag in etwa auf dem Niveau des Dax.

Warum? Postchef Frank Appel, hat in einem Interview angekündigt, vor allem in der Briefsparte die Kosten drücken zu wollen. Matthias Jörss, Analyst der Privatbank Sal. Oppenheim, wertet dies als Anzeichen dafür, dass bei der Post, aber auch bei der Telekom "weitere Restrukturierungsmaßnahmen" folgen könnten, die womöglich für die Zeit nach der Wahl aufgeschoben wurden.

Beobachter erwarten zudem, dass sich bei der Bahn einiges tun wird. FDP-Verkehrsexperte Patrick Döring geht denn auch davon aus, dass der Fahrbetrieb privatisiert und von der Infrastruktur abgetrennt werden wird. Zudem deutet er an, dass Aufsichtsratschef Werner Müller abgelöst werden soll. (fw )

Zeitarbeit

Was ist am Markt passiert? Marktführer in der deutschen Zeitarbeitsbranche ist die niederländische Randstad. Die Aktienkurse stiegen in Amsterdam bis zum Nachmittag um 2,6 Prozent. Die Kurse der Nummer zwei in Deutschland, der Schweizer Adecco, sanken zunächst und drehten dann ins Plus.

Warum? Beide Firmen sind international tätig, Deutschland ist nur einer von vielen Märkten. Deshalb sollte man die Wahl für die Kursentwicklung nicht überschätzen. Anaysten meinen aber, dass etwa Adecco profitieren dürfte, wenn die FDP eine noch stärkere Liberalisierung der Zeitarbeit verlangt.

Was sagt der Verband? "Wir freuen uns über das Wahlergebnis", erklärte Volker Enkters, Präsident des Bundesverbands Zeitarbeit. Denn CDU und FDP wollten die Branche fördern, die anderen Parteien hätten dagegen weitere Regulierungen angekündigt. So plädierte die SPD für eine gleiche Bezahlung von Leiharbeiter und Festangestellten. (rt)

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