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Wie krank sind deutsche Banken?

Die Institute ächzen seit langem unter dem Niedrigzins, aufatmen können sie nicht. Einige wollen sich unter anderem über Gebührenerhöhungen gesundstoßen. Ob das klappt?

Altes Verwaltungsgebäude der Deutschen Bundesbank
Altehrwürdig: die Hauptverwaltung der Bundesbank, wo die Umfrageergebnisse vorgestellt wurden. Foto: dpa

Der Patient ist zwar nicht tot, muss aber seine Lebensweise ändern. So könnte man eine Umfrage von Bundesbank und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) unter 1500 kleineren Instituten zusammenfassen. Noch immer ist die Branche zu stark vom Zinsgeschäft abhängig: 75 Prozent ihrer Erträge kommt davon. Dass die Institute die Ertragseinbußen wegen des Niedrigzinskurses der Europäischen Zentralbank (EZB) durch das sogenannte Provisionsgeschäft nahezu ausgleichen können, halten die Aufseher für „Wunschdenken“.

Einige Banken und Sparkassen wollen sich unter anderem über Gebührenerhöhungen gesundstoßen. Das scheint zu klappen, denn die Institute, die dies bereits getan hätten, hätten „nicht signifikant Kunden verloren“, stellte Raimund Röseler, Bafin-Exekutivdirektor für Bankenaufsicht, fest. Eins scheint aber klar zu sein: Einige Institute werden die nächsten Jahre nicht überleben, denn der Branchentrend zur Konsolidierung sei „eindeutig“, so die Aufseher.

„Die durch niedrige Zinsen verursachte Durststrecke ist noch längst nicht überstanden“, sagte Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret am Mittwoch in Frankfurt. Bis 2021 erwarten die befragten Institute, dass ihre Gesamtkapitalrentabilität, also der Jahresüberschuss vor Steuern im Verhältnis zur Bilanzsumme, um 16 Prozent schrumpfen wird. Bei der letzten Umfrage vor zwei Jahren waren Banken und Sparkassen noch von einem Rückgang von 25 Prozent ausgegangen. Sie machen immerhin 88 Prozent aller deutschen Institute aus oder 41 Prozent in Bilanzsumme, sprich: drei Billionen Euro. Die Branchenschwergewichte überwacht die EZB.

„Geldhäuser erwarten Verschärfung des Wettbewerbs“

„Zwar planen die deutschen Kreditinstitute wieder etwas optimistischer, allerdings bedeutet dieses Ergebnis nur, dass sich die Ertragslage - ausgehend von einem niedrigeren Niveau - weniger schnell verschlechtert, als noch vor zwei Jahren angenommen“, sagte Dombret. „Die gute Kapitalausstattung der meisten Institute hilft dabei, die Effekte aus dem Niedrigzinsumfeld abzufedern“, fügte Röseler hinzu. Allerdings geht ein Drittel der Institute für die kommenden fünf Jahre von einem Rückgang der harten Kernkapitalquote, also weniger Puffer, aus. „Das ist ein Frühwarnsystem für eine erhöhte Risikobereitschaft der Institute“, sagte Dombret.

Und: „Die Geldhäuser erwarten eine Verschärfung des Wettbewerbs, nicht nur durch Fintechs, sondern auch durch andere Institute“, so der Bundesbank-Vorstand. Fast die Hälfte aller Institute kann sich daher eine Fusion in den nächsten fünf Jahren vorstellen, wobei mehr bereit sind, ein anderes Institut zu schlucken. Die Aufsicht geht deshalb davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Fusionen kleiner sein wird. Jedes zehnte Institut gab an, sich in einem Fusionsprozess zu befinden oder eine Fusion konkret zu beabsichtigen.

„Wir sehen eine Fusion nicht als Allheilmittel“, sagte Dombret. Minus mal minus ergebe in der Mathematik zwar plus, ein schlechtes Institut werde durch eine Fusion aber nicht zu einem guten.

Abermals war ein Stresstest Teil der Umfrage. Einen plötzlichen Anstieg des Leitzinses würden 68 Banken und Sparkassen nicht überleben, weil sie dann ihre Kapitalanforderungen nicht mehr erfüllen könnten. „Wir wissen auch, wer die Institute sind, daher sitzen wir hier noch relativ entspannt“, sagte Röseler. „Eine IKB ist nicht dabei.“ Sie stand vor etwa zehn Jahren vor der Pleite.

Beim Wohnimmobilienstresstest zeigten sich die Institute zwar anfällig, aber gewappnet. „Wir sehen aktuell keine Immobilienblase, die uns Sorgen bereiten müsste“, sagte Dombret. Die Bausparkassen erwarten mittelfristig eine Erholung ihrer Rentabilität. Auch ihre Ertragslage ist durch den Niedrigzins unter Druck geraten. Die Nachfrage nach Bausparverträgen habe trotz Niedrigzins aber nicht nachgelassen, so die Aufseher.

Zusammenfassend rät Dombret den Instituten, Vorsorge zu betreiben: „Das funktioniert immer noch am besten.“

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