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WGZ und DZ Bank Vollendete Genossen

Der Weg für die Bildung eines gemeinsamen Zentralinstituts für alle Volks- und Raiffeisenbanken in Deutschland ist frei.

Nach den Anteilseignern der WGZ Bank aus Düsseldorf am Dienstag billigten am Mittwoch auch die der DZ Bank aus Frankfurt die Bankenfusion, die größte seit der Übernahme der Postbank im Jahr 2011. Zum 1. August entsteht damit ein Geldhaus, das nach Deutscher Bank, Commerzbank und KfW-Bankengruppe Platz vier in Deutschland belegt.

Während bei den Sparkassen die Konsolidierung der Landesbanken nur langsam vorankommt, ist sie im genossenschaftlichen Sektor nun abgeschlossen. Ursprünglich hatte es einmal mehr als 50 genossenschaftliche Zentralinstitute in Deutschland gegeben. Mehrere Anläufe zur Fusion waren in den vergangenen Jahren an persönlichen Eitelkeiten oder wirtschaftlichen Risiken gescheitert. Jetzt lief die Verschmelzung weitgehend reibungslos. „Beide Häuser haben sich in den letzten Jahren behutsam einander angenähert“, sagte DZ-Bank-Vorstandschef Wolfgang Kirsch, der das Spitzeninstitut für die noch rund 1000 genossenschaftlichen Banken in Deutschland auch künftig führen wird.

Neben der zunehmenden Regulierung der Banken und den niedrigen Zinsen macht auch die fortschreitende Digitalisierung in der Branche es den zum Teil sehr kleinen Volksbanken schwer, am Markt zu bestehen. Kirsch nannte die Fusion auf der Hauptversammlung einen „Schritt zur Sicherstellung der Wettbewerbsfähigkeit der genossenschaftlichen Finanzgruppe“. Er versprach den Volksbanken vor Ort effizientere Refinanzierungsmöglichkeiten und auch neue Geschäftsmöglichkeiten in der Finanzierung von Firmenkunden. Die möglichen Kreditvolumina, die man vergeben könne, würden größer.

Bis Ende 2018 soll die WGZ, die bislang die 180 Volks- und Raiffeisenbanken im Rheinland und in Westfalen betreute, vollständig in der DZ Bank aufgegangen sein. 100 bis 150 Millionen Euro an Einsparungen und Mehreinnahmen versprechen sich beide Seiten von der Fusion jährlich, die zunächst etwa 250 Millionen Euro kosten wird. Der Abbau von Doppelstrukturen wird auch Jobs treffen. Von rund 700 Vollzeitstellen ist die Rede. Aktuell beschäftigen beide Häuser zusammen 5600 Mitarbeiter.

Strafzins für geparktes Geld

Langfristig soll die DZ-Bank-Gruppe zu einer Holding umgebaut werden, unter deren Dach auch die Tochtergesellschaften versammelt werden. Dazu gehören etwa die Bausparkasse Schwäbisch Hall, die Fondsgesellschaft Union Investment, der Versicherer R+V und die Pfandbriefbanken DG Hyp und WL Bank.

2015 hat die DZ Bank mit 2,45 Milliarden Euro vor Steuern ihr zweitbestes Ergebnis abgeliefert. Angesichts der niedrigen Zinsen im Euroraum wird dieses Niveau nicht zu halten sein. Bankchef Kirsch rechnet für die nächsten Jahre für den fusionierten Konzern mit Gewinnen zwischen 1,8 bis 2,1 Milliarden Euro vor Steuern. Eine Belastung ist vor allem der Strafzins von 0,4 Prozent, den die DZ Bank der Europäischen Zentralbank für Einlagen zahlen muss. Dabei handelt es sich auch um Gelder, die die Volksbanken aus der Provinz bei ihr „parken“. Bislang gilt bei den Genossen dafür ein Nullzins. Doch DZ-Chef Kirsch will ab dem 1. August eine solidarische Lastenteilung. Also werden auch Volksbanken demnächst wohl Strafzinsen zahlen.

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