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Weltwirtschaftsforum in Davos Oxfam kritisiert Ungleichheit

Vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos kritisiert Oxfam die zunehmende Ungleichheit. Während ein Prozent der Menschheit über fast die Hälfte des globalen Reichtums verfügen, müssen sich die übrigen 99 Prozent mit der anderen Hälfte begnügen. Und die Unterschiede zwischen den Reichen und dem Rest wachsen.

Die Jacht des Milliardärs Roman Abramowitsch: 80 Menschen besitzen so viel wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung. Foto: REUTERS

Das Weltwirtschaftsforum in Davos gilt als eine Art planetarisches Jahrestreffen der Reichen und Mächtigen. Konzernvertreter, Politiker, Banker, Wirtschaftsexperten und Wissenschaftler kommen regelmäßig Ende Januar in dem Schweizer Skiort zusammen, um Themen rund ums Geld zu diskutieren. Die diesjährige Zusammenkunft, die vom Mittwoch bis zum Samstag stattfindet, setzt mehrere Schwerpunkte: Es geht um „Innovation und Industrie“, um „Wachstum und Stabilität“, „Gesellschaft und Sicherheit“ sowie um „Krise und Zusammenarbeit“.

Passend zu diesem umfangreichen Spektrum legt die britische Hilfsorganisation Oxfam, die erstmals am Weltwirtschaftsforum teilnimmt, eine bemerkenswerte Studie zur Verteilung der Besitztümer dieser Welt vor. Demnach verfügt ein Prozent der Menschheit über fast die Hälfte des globalen Reichtums, während sich die übrigen 99 Prozent mit der anderen Hälfte begnügen müssen. Tendenziell haben sich die Unterschiede zwischen den Reichsten und dem großen Rest in den vergangenen Jahrzehnten nicht verringert, sie sind gewachsen.

Schere öffnet sich schneller

Nach dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise 2008 sind Arm und Reich laut Oxfam sogar noch schneller auseinandergedriftet. 2009 besaß das reichste Hundertstel der Weltbevölkerung demnach „nur“ 44 Prozent des globalen Reichtums, 2014 waren es schon 48 Prozent und 2016 werden es wohl mehr als 50 Prozent sein.

Diese Entwicklung führt nicht nur zu extrem ungerecht verteilten Lebens- und Entwicklungschancen – sie ist nach Ansicht von Oxfam-Direktorin Winnie Byanyima auch gefährlich: Wachsende Ungleichheit destabilisiere Regierungen, konzentriere wirtschaftliche Macht, bremse das Wirtschaftswachstum und dränge das Gros der Menschen und ihre Interessen an den Rand. „Das ist die Botschaft der Menschen in den armen Ländern dieser Welt, die wir in Davos überbringen wollen“, sagt die 56-jährige Uganderin, die persönlich am Weltwirtschaftsforum teilnehmen wird.

Bereits im vergangenen Jahr hatte Oxfam im Umfeld des Forums mit schockierenden Daten zur globalen Verteilung Schlagzeilen produziert: 2013 besaßen demnach die weltweit 85 reichsten Personen ebenso viel, wie die ärmere, 3,5 Milliarden Individuen zählende Hälfte der Menschheit. 2014 hat sich dieses Verhältnis laut Oxfam noch weiter zugunsten der Superreichen verschoben. Im vergangenen Jahr hätten nur mehr 80 Multimilliardäre ihre Besitztümer zusammenlegen müssen, um die Habseligkeiten von 3,5 Milliarden Menschen aufzuwiegen. 2010 hätte es hierzu noch der 388 reichsten Menschen des Planeten bedurft.

Politik soll gegensteuern

Dass Ungleichheit nicht nur die ärmsten Länder betrifft, sondern auch wohlhabende Gesellschaften, zeigen Daten aus europäischen Ländern. In Großbritannien beispielsweise besitzen 30 Prozent der Gesamtbevölkerung ebenso viel wie die 100 reichsten Familien der Insel. Letztere mehrten ihr Vermögen allein im Jahr 2008 um 15 Milliarden britische Pfund. Auch in Deutschland sind die Unterschiede enorm. Laut dem vierten Armuts- und Reichtums-Bericht der Bundesregierung besitzen die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung mehr als die Hälfte des privaten Nettovermögens. Die weniger betuchte Bevölkerungshälfte dagegen verfügt gerade über ein Prozent.

Dass eine solche Verteilung mit der Vorstellung einer gerechten, auf Leistungsbereitschaft und Solidarität beruhenden Gesellschaft nicht überein zu bringen ist, haben Wissenschaftler wie der französische Ökonom Thomas Piketty zeigen können. Doch auch unter volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten sind allzu krasse Unterschiede zwischen Arm und Reich nicht förderlich. Im Dezember stellte die OECD eine Untersuchung vor, die die konjunkturschädlichen Wirkungen der zunehmenden Ungleichheit in Deutschland bezifferte.

Oxfam-Direktorin Byanyima hat nun im britischen „Guardian“ eine These formuliert, die sich wie ein Arbeitsauftrag für das Weltwirtschaftsforum liest: „Extreme Ungleichheit ist nicht das Ergebnis eines Zufalls oder wirtschaftlicher Naturgesetze, sondern Resultat politischer Entscheidungen – und somit sind es auch politische Entscheidungen, die Ungleichheit verringern können.“

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