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Weltwirtschaft Die Entwicklungsländer befreien sich

Entwicklungsländer mindern ihre Abhängigkeit von internationalen Banken. Die Weltbank sieht aber auch Risiken - die Analyse.

Entwicklungsländer
Das Geschäft übernehmen zunehmend Banken aus China. Foto: rtr

Diese Konsequenz aus der Finanzkrise zählt zu den erfreulichen Folgen. Jedenfalls auf den ersten Blick erscheint sie uneingeschränkt positiv. Die Entwicklungsländer haben es geschafft, ihre Abhängigkeit von den internationalen Banken ein Stück weit zu mindern. Der Zusammenbruch der globalen Kapitalmärkte brachte 2007 den jahrzehntelangen Aufschwung in der Globalisierung der Finanzwirtschaft und der grenzüberschreitenden Kreditvergabe zu einem Halt, stellt die Weltbank in einem neuen Bericht fest.

Vielfach gelang es den Konkurrenten aus Afrika, Lateinamerika oder anderen Regionen des sogenannten Südens die Lücke zu füllen. Zwar hielten die großen Banken aus dem reichen Norden noch immer 89 Prozent des Auslandsvermögens, das die Institute weltweit besaßen.

Doch das waren sechs Prozentpunkte weniger als vor der Krise. Diese Verschiebung steht laut Weltbank für zwei wichtige Trends: Die Kreditvergabe vom Süden an den Süden gewinnt an Bedeutung; entsprechend sinken die Anteile von Nord-Süd. Und die Regionalisierung greift um sich. Mehr Darlehen werden von Banken vor Ort oder von Unternehmen aus den Nachbarstaaten vergeben.

Dieser Befund deckt sich mit der Analyse, die das Beratungsunternehmen McKinsey im vergangenen Jahr vorlegte. Demnach sind die internationalen Kapitalströme seit 2007 um fast zwei Drittel geschrumpft – von 12,4 Billionen Dollar auf 4,3 Billionen Dollar pro Jahr. Die Hälfte des Einbruchs geht auf das Konto der Banken. Führend bei diesem Rückzug waren die europäischen Geldhäuser.

Das Geschäft übernahmen teilweise Anbieter aus Japan, Kanada und zunehmend aus China. Doch in voller Höhe konnten sie den Ausfall nicht kompensieren. Doch anders als die Weltbank hütet sich McKinsey davor, das Ende der Globalisierung im Finanzsektor auszurufen. Die Globalisierung habe lediglich ihr Gesicht verändert, schreite aber unvermindert voran. Seit dem Kollaps des Bankensystems 2007 sind demnach die Direktinvestitionen deutlich gewachsen, nämlich um rund ein Drittel auf 132 Billionen Dollar. Dies heißt: Die ausländischen Investoren brauchen immer weniger Banken als Vermittler. Sie kaufen direkt Aktien oder andere Wertpapiere von Unternehmen aus anderen Regionen oder bauen dort sogar selbst Firmen auf.

Dies kann das Risiko für die Entwicklungsländer senken, weil solche Engagements weniger schwankungsanfällig sind als die Kreditvergabe von außen. Allerdings kann keine Volkswirtschaft ohne Darlehen auskommen. Wenn nun die Süd-Süd-Finanzierung voranschreitet, bringt dies neben vielen Vorteilen neue Gefahren, wie die Weltbank betont. Eine regionale Krise wird so noch brisanter, wenn sie neben der realen Wirtschaft auch die heimischen Banken trifft.

Die Finanzkonzerne in den USA oder Europa spüren es dagegen kaum, wenn in Afrika oder in Südasien ein wirtschaftlicher Einbruch Schockwellen aussendet. Zudem unterliegen die Südbanken oft einer weniger strengen oder zumindest weniger etablierten Aufsicht. Ihre Heimatländer haben zudem weniger Ressourcen, um sie im Notfall zu stützen. Die Kunst für die Entwicklungsländer dürfte daher darin liegen, mit der richtigen Regulierung die Abhängigkeit von den Banken des Nordens zu senken, ohne sich in neue Gefahren von heimischen Instituten zu begeben.

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