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Welthunger-Index Klimawandel treibt den Hunger

Die Welthungerhilfe sieht Erfolge in vielen Regionen auch durch kriegerische Konflikte gefährdet.

Duerre in Somaliland
Somalis verlassen nach mehrjähriger Dürre ihre Weidegründe. Foto: epd

Der Hunger ist längst nicht besiegt. Im Gegenteil: Erstmals seit vielen Jahren nahm die Zahl der weltweit hungernden Menschen 2016 deutlich zu. Nach einem Rückgang von 1,01 Milliarden auf 777 Millionen im Zeitraum zwischen 1990 und 2015 wurden 2016 weltweit rund 815 Millionen Hungernde registriert. Hinzu kommen akute Krisensituationen vor allem in Ost- und Zentralafrika sowie im Jemen, durch die nach Schätzungen der UN die Ernährungssicherheit für 23 Millionen Menschen stark gefährdet ist. Das UN-Ziel, den Hunger bis 2030 weltweit zu besiegen, rückt damit in weite Ferne.

Gleichwohl ging der Welthunger-Index, den das internationale Forschungsinstitut IFPRI und die Welthungerhilfe gemeinsam am Donnerstag in Berlin vorstellten, auch 2016 leicht zurück. Grund sind beträchtliche Fortschritte in der Hungerbekämpfung in anderen Teilen der Welt. Der Index, den die Welthungerhilfe für insgesamt 119 Länder ermittelt, reflektiert nämlich nicht einfach die Zahl der Hungernden. In die Länderwerte fließen neben den von Hunger betroffenen Bevölkerungsanteilen auch die von Auszehrung und Wachstumsverzögerungen betroffenen Kinder sowie die Sterblichkeitsrate von unter Fünfjährigen ein.

Das Bild, das sich hieraus ergibt, ist sehr uneinheitlich. Während der Hungerindex in 14 Staaten, darunter China, Senegal, Brasilien und Peru, seit dem Jahr 2000 um mehr als 50 Prozent abnahm und auch weltweit mit einem Rückgang um 27 Prozent beträchtliche Fortschritte erzielt werden konnten, verbesserte sich die Situation in Teilen Afrikas und Südasiens nur wenig oder gar nicht. Dies trifft insbesondere auf die Zentralafrikanische Republik zu. Mit einem Anteil von 58 Prozent unterernährter Menschen an der Gesamtbevölkerung belegt das Land den untersten Platz im Index. Es ist das einzige, in dem der Indexwert über 50 Punkten liegt, der Nahrungsmangel als „gravierend“ einstuft.

In Tschad, Liberia, Madagaskar, Sierra Leone, Sambia, Sudan und Jemen gilt die Hungersituation 2016 als „sehr ernst“ und auch in diesen Ländern ging der Hunger seit 2000 in geringerem Umfang zurück als in den meisten anderen Regionen der Welt. Hinzu kommen 13 Staaten, für die keine Daten vorliegen und die daher nicht gelistet werden konnten. In neun von ihnen ist die Lage nach Einschätzung der Welthungerhilfe als mindestens ernst zu bezeichnen. Dies gilt etwa für den Südsudan, Somalia, Eritrea, Libyen und Syrien.

Dabei können selbst in Staaten, die den Hunger spürbar zurückdrängen konnten, Millionen Menschen von Unterernährung betroffen sein. Nigeria ist ein Beispiel. Dort sank der Anteil der hungernden Bevölkerung zwischen 1992und 2016 von über 16 auf unter acht Prozent, die Kindersterblichkeit ging deutlich zurück und der Hungerindex für das bevölkerungsreichste Land Afrikas halbierte sich auf einen Wert von 25,5. Gleichwohl sind rund 4,5 Millionen Menschen im Norden des Landes akut von Hunger betroffen, wofür der Terror der islamistischen Boko Haram und deren bewaffnete Auseinandersetzungen mit nigerianischen Streitkräften wesentlich verantwortlich sind.

Unterdrückung von Frauen und Minderheiten

Das nigerianische Beispiel verweist auf wesentliche Ursachen des Hungers weltweit: Kriege, Bürgerkriege und gewaltsame Auseinandersetzungen zählen neben den Folgen des Klimawandels und zunehmender Naturkatastrophen zu den Hauptverursachern des mangelhafter Nahrungsmittelversorgung.

Im aktuellen Hungerindex-Bericht betont die Welthungerhilfe aber vor allem wachsende wirtschaftliche und soziale Ungleichheiten zwischen und innerhalb der Staaten: „Wir sehen eine himmelschreiende Ungleichheit, die für den Hunger ganz wesentlich verantwortlich ist“, sagt Welthungerhilfe-Präsidentin Bärbel Dieckmann. Die betrifft nicht allein die Verteilung der Lebensmittel, deren Menge an sich problemlos zur Ernährung der Welt ausreichen würde. Dieckmann nennt den fehlenden Zugang zu Bildung und Berufsausbildung, die Ausbeutung und Unterdrückung von Frauen, die Diskriminierung ethnischer und anderer Minderheiten sowie die weiter wachsenden Unterschiede zwischen Arm und Reich als Faktoren.

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