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Welthandel China sichert sich Macht über Rohstoffe

Das Riesenreich hat die Welt der Rohstoffe verändert. China sichert sich mit viel Geld den Zugang zu Afrikas Reichtum. Die Spielregeln gehorchen längst nicht mehr nur Angebot und Nachfrage. Auch westliche profitieren davon.

So geht Rohstoffsicherung: Empfang eines chinesisch-afrikanischen Gipfels in Peking. Foto: dapd

Es gebe „Öl bis zum Ertrinken“, prophezeite der britische Economist auf einem seiner Titelblätter im Jahr 1999. Im dazugehörigen Artikel wurden dauerhaft niedrige Preise vorhergesagt. Auch bei anderen Rohstoffen ging man davon aus, dass sie auf lange Zeit fast unbegrenzt und günstig zu haben sein werden. Doch die Jahrtausendwende war auch die Rohstoffwende: Im vergangenen Jahrzehnt ist die Nachfrage nach Ressourcen weltweit stark gestiegen, viel stärker als die Produktion. Grund dafür ist der Aufstieg von Hunderten Millionen Menschen in die globale Mittelschicht und der damit einhergehende Ressourcenhunger.

Die Rohstoffmärkte erleben das, was Experten einen Superzyklus nennen, einen langfristigen, starken Preisanstieg. Mit etwas Verzögerung hat das auch zu einer Änderung der Rohstoffpolitik vieler Länder geführt. Die USA dominierten viele Jahrzehnte lang auch mit ihrer Militärmacht den globalen Wettbewerb um Ressourcen. Ihre Maxime ist die der freien Märkte: Rohstoffreiche Länder sollen sich öffnen, damit Investoren – am besten natürlich US-Firmen – ins Land kommen und nach Rohstoffen graben. Der Preis wird an den globalen Handelsplätzen durch Angebot und Nachfrage gebildet, die Politik hat damit nichts zu tun.

Es ist die Idee eines weitgehend transparenten Spiels, dessen Blaupause für weite Teile des globalen Rohstoffhandels nach wie vor gilt. Doch angesichts steigender Preise und teils dramatisch enger Versorgungslagen hat sich ein konkurrierendes Modell ausgebreitet: Der Rohstoff-Protektionismus, also die Absicherung von Lieferungen und Preisen über bilaterale und von der Politik gestützte Abkommen.

Unabhängig vom Preis

Hauptprotagonist ist China, aus zwei Gründen. Der erste ist naheliegend: 1,3 Milliarden Chinesen, ein schnelles Wirtschaftswachstum gepaart mit enormen Investitionen in die Infrastruktur. Der zweite Grund ist politisch: Im chinesischen Staatskapitalismus sind Politik und Wirtschaft noch enger verschmolzen als im Westen. Chinesische Staatsunternehmen sichern sich – häufig für viel Geld und gegen aufwendige Entwicklungshilfe – den Zugriff auf Rohstoffe. Im Mittelpunkt steht das Ziel, die Wirtschaft unabhängiger von den Schwankungen der Weltmarktpreise zu machen und für den Fall einer weiteren Verknappung auf der sicheren Seite zu sein.

Andersherum hat China die Spielregeln verändert, indem eigene Rohstoffe dem Weltmarkt entzogen wurden. Beim Schürfen sogenannter Seltener Erden baute das Land ein Weltmonopol auf. Elemente wie Yttrium, Neodym und Cer, für viele High-Tech-Produkte unabdingbar, werden zu mehr als neunzig Prozent in China gewonnen, nachdem die umweltschädliche und aufwendige Produktion in Zeiten niedriger Preise fast überall sonst auf der Welt eingestellt wurde.

Australische Firmen profitieren

China nutzt seine Machtstellung aus: Die an den Weltmarkt abgegebenen Mengen an Seltenen Erden wurden immer weiter verknappt, die einheimische Industrie erhielt privilegierten Zugang. Aber auch in Ländern, die traditionell für offene Märkte stehen, sind in den vergangenen Jahren Konzentrationsprozesse zu beobachten. Die drei größten Eisenerzproduzenten der Welt, von denen zwei aus Australien kommen, konnten durch ihr Oligopol Preissteigerungen und kürzer laufende Lieferverträge durchsetzen.

Die Machtballung aufseiten der Rohstoffproduzenten versetzt Abnehmer weltweit in Alarmstimmung. Japan verstärkte seine Bemühungen, staatlich gestützten Rohstoffeinkaufsgemeinschaften mehr Durchschlagskraft zu verleihen. Die EU-Kommission untersucht mittels Sondergremien ebenfalls die Frage, wie der Bezug knapper Rohstoffe gesichert werden kann. Und auch die Bundesregierung hat Rohstoffpartnerschaften mit Kasachstan und der Mongolei geschlossen, um die Versorgung mit Metallen und Mineralien zu sichern. Unter dem Dach des BDI wurde zudem die sogenannte Allianz zur Rohstoffsicherung gebildet.

Das Vorgehen ähnelt dem Chinas: Der direkte Zugriff auf Ressourcen soll unabhängiger vom Weltmarkt machen. Doch will man sich bei diesem Unterfangen möglichst wenig kontrollieren lassen. Auch beim Thema Transparenz ist China im Wettstreit um Rohstoffe offenbar Vorbild.

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