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Weltgesundheitsorganisation WHO steht am Scheideweg

Aufgrund ihrer ungesicherten Finanzierung gerät die Weltgesundheitsorganisation mehr und mehr in Abhängigkeit von kommerziellen Interessen.

Der Druck auf die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wächst. Um 40 Prozent will Donald Trump die Beiträge der USA für die internationalen Organisationen, so auch die WHO, kürzen. Einschnitte seien unvermeidlich, ergänzt das britische Kabinett, sollte sich die Weltgesundheitsorganisation nicht rasch „reformieren“. Solche Drohungen sind ernst zu nehmen. Würden sie wahr werden, hieße das nichts anderes als das Ende jener Einrichtung, die 1949, noch unter dem Eindruck der Verheerungen des zweiten Weltkrieges, zur Verwirklichung des Menschenrechts auf Gesundheit gegründet wurde.

Die Weltgesundheitsorganisation steht heute am Scheideweg. Aufgrund ihrer ungesicherten Finanzierung gerät sie mehr und mehr in die Abhängigkeit von kommerziellen Interessen. Schon jetzt sind die finanziellen Probleme enorm. Mit einem Jahresetat von gerade einmal 4,3 Milliarden Dollar (das ist in etwa so viel, wie Dänemark für sein Militär aufwendet) ist eine angemessene Antwort auf die großen gesundheitlichen Herausforderungen nicht möglich.

Weil die Pflichtbeiträge der Mitgliedsländer seit Jahren stagnieren, finanziert sich die WHO zu 80 Prozent über freiwillige Zuwendungen. Über deren Verwendung aber entscheidet nicht die WHO, sondern der jeweilige Geldgeber – und das sichert Einfluss und untergräbt die Integrität der Organisation.

So ist die Weltgesundheitsorganisation inzwischen auf die Zuwendungen der Bill Gates Stiftung angewiesen, die nach den USA der zweitgrößte Geldgeber ist. Eine höchst prekäre Abhängigkeit, denn die Mittel, die Gates so großzügig spendet, stammen nicht zuletzt aus Erträgen von Investitionen in jene globale Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie, die im Ruf steht, maßgeblich zur weltweiten Ausbreitung von Diabetes, Fettleibigkeit und anderer nicht übertragbarer Krankheiten beizutragen.

Wer solche Absurditäten verhindern will, muss einerseits für höhere Pflichtbeiträge sorgen und zugleich auf eine Demokratisierung der Weltgesundheitsorganisation drängen.

Ohne eine maßgebliche Beteiligung derjenigen, um deren Gesundheit es geht, ohne Mitwirkung sogenannter „grass-root“-Initiativen, von sozialen Bewegungen und Verbänden, die Gesundheit als öffentliches Gut und nicht als ein Business betrachten, wird es nicht gehen.

 

Der Autor ist Geschäftsführer der Hilfs- und Menschenrechtsorganisation Medico International.

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