Lade Inhalte...

Wegen Brexit Die Deutsche Bank kehrt heim

Die Deutsche Bank erwägt laut Berichten, wichtige Geschäftsteile von London nach Frankfurt zu verlagern. Betroffen sind offenbar hunderte Händler.

John Cryan
Sieht die Deutsche Bank nicht als Frankfurter Bank: Vorstandschef John Cryan. Foto: dpa

Nachdem die Deutsche Bank jahrelang oberhalb ihrer Gewichtsklasse geboxt und sich eine blutige Nase geholt hat, besinnt sich das Geldhaus wieder auf seine Wurzeln. Durch den „Brexit“ wird diese Tendenz noch verstärkt. Denn wichtige Geschäftsteile sollen Medienberichten zufolge von London nach Frankfurt verlagert werden. Ist das nun der Rückzug aus der britischen Hauptstadt, wird die Deutsche Bank zur Frankfurter Bank – und was bedeutet das für die Mainmetropole?

Bei der Jahresmedienkonferenz im Februar wiegelte Vorstandschef John Cryan noch ab. „Wir sind eine deutsche Bank und keine Frankfurter Bank“, antwortete er auf Fragen nach möglichen Konsequenzen des Brexits auch für den Standort am Main. Interpretiert wurde das damals von einigen als Absage an Frankfurt, naheliegender erscheint, dass Cryan sein Institut als ein in Deutschland beheimatetes verstanden wissen wollte.

Nun scheinen die „Brexit“-Pläne konkreter zu werden. Der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge will die Deutsche Bank große Teile des Handelsgeschäfts und des Investmentbankings von London nach Frankfurt verlagern. Die Arbeitsplätze von Hunderten von Händlern und bis zu 20 000 Kundenkonten dürften von der Verlagerung betroffen sein, wie es in dem Bericht unter Berufung auf Insider hieß. Die Strategie, Frankfurt zum Buchungszentrum zu machen, sei Teil eines zweijährigen Brexit-Projekts und solle in den kommenden 18 Monaten umgesetzt werden. Endgültig sei aber noch nichts, je nach Brexit-Szenario könne die Strategie noch entsprechend angepasst werden.

Die Deutsche Bank wollte den Bericht nicht kommentieren. Die Pläne sind aber plausibel. Zumal Regulierungsvorständin Sylvie Matherat bereits im April bei einer Finanzkonferenz in Frankfurt gesagt hatte, dass die Bank wegen des Brexits die Verlagerung von Geschäften mit EU-Kunden überdenke. Die Zahl von 2 000 bis 4 000 Mitarbeitern stand im Raum. Bloomberg berichtete nun von womöglich 2 000 betroffenen Stellen im sogenannten Backoffice, also in der Verwaltung, und von 2 000 im Frontoffice. Das könnte zahlenmäßig also hinkommen.

Allerdings hatte die „Financial Times“ im März berichtet, die Deutsche Bank suche ein neues Hauptquartier für ihre gut 5 000 Beschäftigten an der Themse, 9 000 sind es in ganz Großbritannien. Der für das Jahr 2023 geplante Umzug unterstreiche die Verbundenheit der Bank zur britischen Hauptstadt, zitierte die Zeitung damals Großbritannien-Chef Garth Ritchie.
Ob diese Pläne nun auf Eis gelegt werden, wollte die Deutsche Bank nicht kommentieren. Vorstellbar ist aber, dass sie zunächst nichts unternimmt, zumal ein Zusammenziehen von verbleibenden Geschäftsbereichen auch in Frage käme und vor allem die künftigen Vorschriften für Finanzgeschäfte immer noch unklar sind.

Entsprechend steht die Deutsche Bank mit ihren Brexit-Überlegungen auch nicht alleine da. Zahlreiche internationale Banken stellen Gedankenspiele an, wie sie auf den Verlust des sogenannten „EU-Passes“ reagieren wollen, der es ihnen bislang erlaubt hat, von Großbritannien aus Geschäfte mit Kunden in anderen EU-Staaten zu betreiben.

Frankfurt hat bei der Standortfrage die besten Karten. Standard Chartered, Nomura, Sumitomo Mitsui und Daiwa haben sich zuletzt für die Mainmetropole entschieden, Goldman Sachs will seine Mitarbeiterzahl in Frankfurt voraussichtlich auf 400 verdoppeln. Die Citigroup könnte bereits kommende Woche ihre Brexit-Pläne konkretisieren. Als künftigen Standort für das Broker-Dealer-Geschäft könnte sie Kreisen zufolge Frankfurt wählen.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen