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Warenhäuser Klappt der Kaufhaus-Deal?

Karstadt und Kaufhof kommen sich in Fusionsgesprächen näher. Welche Folgen ein Zusammengehen der beiden Häuser für Mitarbeiter und Filialen hätte.

Karstadt/Kaufhof
Wahrscheinlich bald mehr als nur Nachbarn. Foto: dpa

Eine Fusion von Kaufhof und Karstadt wird immer wahrscheinlicher: Berichte, wonach die Mütter beider Unternehmen eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet haben, werden zwar weiter nicht kommentiert. Insider bestätigen aber: Es ist so. In trockenen Tüchern ist aber noch nichts. Denn an diesem Punkt war man schon einmal vor einigen Jahren – und damals platzte der Deal. Dieses Mal könnte es anders sein, da der wirtschaftliche Druck auf die Kaufhof-Mutter HBC aus Kanada gestiegen ist. Die Planungen sind dem Vernehmen nach recht konkret. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

Was ist konkret geplant?
Der österreichische Karstadt-Eigner René Benko will nach Medienberichten für 100 Millionen Euro 51 Prozent des operativen Warenhausgeschäfts von Kaufhof übernehmen, 49 Prozent würde die bisherige Kaufhof-Mutter HBC behalten, die die Bankschulden tragen soll. Experten halten es für sehr wahrscheinlich, dass Karstadt-Chef Stephan Fanderl das Ruder übernehmen wird. Auch über das Europa-Geschäft von HBC wird dem Vernehmen nach verhandelt – also auch die Saks-Off-5th-Häuser und Hudson’s in den Niederlanden. In einem zweiten Deal geht es um die Warenhausimmobilien – 41 Häuser gehören HBS Global Properties von HBC. Für eine 50-Prozent-Beteiligung an der Gesellschaft ist Benko nach Medienberichten offenbar bereit, bis zu 800 Millionen Euro zu zahlen.

Wie viele Filialen könnten geschlossen werden?
Dem Vernehmen nach soll es nicht zu einer Schließungswelle kommen: Ein Großteil der 96 Kaufhof- und 82 Karstadt-Häuser soll nach Benkos Vorstellungen erhalten bleiben. Konkrete Pläne gibt es aber nach Angaben eines Insiders nicht: Man werde sich wahrscheinlich in aller Ruhe alle Warenhäuser anschauen und deren wirtschaftliche Perspektive ausloten. Erst danach entscheide sich, welche Häuser dichtmachen müssen. An vielen Standorten sind beide Marken vertreten. Das könnte – wenn es wirtschaftlich ist – auch so bleiben. Filialen, die auch in absehbarer Zukunft rote Zahlen schreiben werden, könnten dagegen geschlossen werden. An der Zwei-Marken-Strategie soll dem Vernehmen nach zunächst festgehalten werden.

Was wird aus den Zentralen?
Es wird spekuliert, dass die Karstadt-Zentrale in Essen aufgegeben wird und die Verwaltung für beide Warenhäuser dann unter dem Dach der Kölner Kaufhof-Zentrale angesiedelt wird. Das Kaufhof-Gebäude wurde gerade aufwendig zur neuen HBC-Europazentrale ausgebaut.

Was würde der Schritt für die Mitarbeiter bedeuten?
In der Zentrale käme es zweifelsohne zu einem Stellenabbau. Kaufhof ist ohnehin gerade dabei, 400 von 1600 Stellen in der Zentrale abzubauen. Weitere könnten folgen. Wie viele Stellen außerdem in den Warenhäusern wegfallen werden, wird davon abhängen, wie viele Filialen geschlossen werden. Insgesamt arbeiten 37.000 Mitarbeiter für Karstadt und Kaufhof.

Wie laufen die Geschäfte bei Kaufhof und Karstadt?
Die Kaufhof-Umsätze gehen seit Jahren zurück, auch 2017 wurde ein Verlust von 100 Millionen eingefahren. Karstadt macht dagegen nach zwölf Jahren und einem harten Sanierungskurs erstmals wieder Gewinn und eröffnet sogar neue Filialen. Das Warenhausgeschäft wird nach Einschätzung von Experten aber weiter schwierig bleiben: Der Marktanteil liegt aktuell unter drei Prozent. Kunden kommen seltener in die Innenstädte und in die Läden und kaufen dort weniger ein. Dafür wandert immer mehr Umsatz ins Internet ab. Kaufhof und Karstadt verkaufen zwar auch selbst online, haben aber noch deutlichen Nachholbedarf.

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