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W-Lan in der Bahn Schneller Zug, langsames Internet

Wer in den Fernverkehrszügen der Deutschen Bahn surfen will, wird noch oft enttäuscht.

Deutsche Bahn
Die Verbindung ins bordeigene WLAN klappt - aber dann ... Foto: imago

Ob vor Hamburg, auf dem Weg nach Berlin oder zwischen Freiburg und der Schweiz: Wenn Friederike Roth auf ihren Reisen im ICE per WLAN ins Internet gehen will, funktioniert es oft nicht. Ein Ärgernis. Denn seit die Deutsche Bahn dafür wirbt, dass man auch an Bord ihrer Fernverkehrszüge einfach ins Internet kommen soll („WLAN für alle und überall“), hat die 35-jährige Ökonomin die Erwartung, unterwegs ihre Geldanlagen regeln oder E-Mails beantworten zu können. Das würde ihr als beruflich Vielreisender das Leben sehr erleichtern, denn sie hat wenig Zeit zu Hause und viel Zeit im Zug. Doch oft klappt nur das Einloggen ins bordeigene WLAN-Netz, nicht aber die Verbindung weiter ins Internet. Und selbst wenn, ist das Netz so langsam, dass sich kaum eine Webseite in erträglicher Zeit laden lässt. Vor allem, wenn der Zug voll ist.

Es fehlen Mobilfunknetze

Auch der Fahrgastverband Pro Bahn ist noch nicht zufrieden mit dem WLAN-Angebot der DB. Der Ehrenvorsitzende Karl-Peter Naumann sieht die Schuld allerdings weniger bei der Bahn als bei den Funknetzbetreibern. „Außerhalb von Ballungsräumen ist die Netzabdeckung meist relativ dürftig“, sagt Naumann der Frankfurter Rundschau. „Und wenn Sie kein Netz haben, können Sie innerhalb des Zuges so viel verstärken, wie Sie wollen.“

Dabei hat die DB schon einiges für ihre Smartphone-bewaffneten Fahrgäste getan. Zum Jahreswechsel 2016/17 hat sie ihre gesamte ICE-Flotte mit einem leistungsfähigeren System ausgestattet. Seitdem bietet sie auch in der 2. Klasse kostenloses WLAN an. Die neue Technik nutzt nicht mehr nur das Telekom-Netz, sondern bündelt die Kapazitäten mehrerer Funkbetreiber. Rund 100 Millionen Euro wurden dafür investiert. Für weitere 80 Millionen, so  die Deutsche Bahn, „wird bis Ende 2018 schrittweise auch die Technik zum Telefonieren an Bord auf den modernsten Stand gebracht“. Zusätzlich entstehen auch bei einigen Regionalverbindungen nach und nach kostenfreie WLAN-Zugänge.

Das verbesserte Angebot „kommt bei unseren Kunden mehrheitlich gut an“, berichtet eine Konzernsprecherin auf Anfrage. Die Nutzung steige kontinuierlich und erreiche Größenordnungen von 40 Prozent der Reisenden pro Zug. Aber die Sprecherin räumt auch ein: „Insbesondere an Gleisstrecken durch ländliche Gebiete und an tunnelreichen Strecken ist die Versorgungsqualität der Mobilfunknetze zum Teil eher schwach, teilweise gibt es Ausleuchtungslücken.“

„Weitere Verbesserungen“ in dieser Hinsicht erhofft sich der Verkehrskonzern von einer Anordnung der Bundesnetzagentur: Sie hat bei der Versteigerung der LTE-Frequenzen 2015 den drei erfolgreichen Bietern (Telefonica, Telekom und Vodafone) die Auflage gemacht, bis Ende 2019 die Netzversorgung der Hauptverkehrswege sicherzustellen. Und damit sind nicht nur Autobahnen, sondern auch ICE-Strecken gemeint, wie ein Behördensprecher bestätigt.

Aus Sicht von „Pro Bahn“ reicht das aber noch nicht. Sprecher Naumann fordert weitere „dirigistische Eingriffe“ des Staates: Nicht nur an ICE-Linien, sondern auch an wichtigen Regionalstrecken müssten die Netzanbieter zu einer „vernünftigen Abdeckung“ verpflichtet werden – zum Beispiel zwischen Berlin und Rostock oder Hamburg und Westerland. Pro Strecke müsse mindestens ein Netz verfügbar sein. Bei der Deutschen Post habe der Staat ja auch Auflagen gemacht: Sie müsse Briefe überall hin liefern – „auch zur Freundin auf der Hallig Nordstrandischmoor“.

Große Herausforderungen

Aber selbst wenn das Funknetz noch weiter ausgebaut würde: So störungsfrei wie zu Hause werden Bahnreisende wohl auch in Zukunft nicht im Internet surfen oder per Handy telefonieren können. Denn die technischen Herausforderungen sind enorm. Die Züge durchqueren eine Funkzelle nach der anderen, und jedes Mal muss eine neue Verbindung aufgebaut werden. Außerdem dämpfen die beschichteten ICE-Fenster und die Außenhülle des Zuges den Empfang erheblich. Deshalb hat die Bahn bereits sogenannte Repeater eingebaut: Sie geben die Signale, die über Dachantennen empfangen werden, in den Fahrgastraum weiter.

Dort müssen sich die Passagiere die Empfangs- und Sendekapazitäten teilen. Ein DB-Sprecher erläutert das so: „Die zur Verfügung stehende Bandbreite, die wiederum von der Mobilfunkversorgung abhängt, wird gleichmäßig auf alle das WLAN nutzende Fahrgäste verteilt. Steigt die Anzahl der Nutzer und deren Datenverbrauch, kann entsprechend die pro Nutzer zur Verfügung stehende Bandbreite zurückgehen.“ Anders ausgedrückt: In vollen Zügen ist schlecht surfen – eine Erfahrung, die auch Vielfahrerin Roth immer wieder macht.  (mit dba)

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