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VW Mit Vollgas in die E-Mobilität

Deutsche Autobauer investieren massiv in den alternativen Antrieb - vor allem VW. Doch Vorstandschef Matthias Müller gibt auch ein unmissverständliches Bekenntnis zum Diesel ab.

VW
Matthias Müller (r), Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, und Karlheinz Blessing, Vorstand Personal und Organisation, unterhalten sich bei der Jahrespressekonferenz der Volkswagen AG. Foto: dpa

Der Prototyp ist in Tarnfarben lackiert. Durch Genf ist er schon anlässlich des dortigen Autosalons gerollt. Im Sommer soll die Produktion starten, die des Audi E-Tron. Ein SUV mit reinem Elektroantrieb, das 500 Kilometer weit kommt. Das soll der Auftakt einer ganzen Baureihe sein. Das wuchtige Fahrzeug kann aber auch als Vorreiter für die Stromer betrachtet werden, die bald kommen werden. Die deutschen Autobauer strengen sich mächtig an, um die E-Mobilität voranzubringen. Das ist bitter nötig. China führt 2019 Quoten für den alternativen Antrieb ein. Und in der EU muss der CO2-Ausstoß der Neuwagenflotten bis 2020 drastisch gedrückt werden.

Der Volkswagen-Konzern hat die ehrgeizigsten Pläne. Die sogenannte Roadmap E sei das Kernprojekt des Konzerns, sagte Vorstandschef Matthias Müller am Dienstag anlässlich der Präsentation der Geschäftszahlen für das Jahr 2017. Er kündigte an, dass bis Ende 2022 an 16 Standorten weltweit batterieelektrische Fahrzeuge gefertigt werden sollen. Von 2019 an gehe es dann mit der E-Modelloffensive „fast im Monatsrhythmus“ weiter. Das Ziel ist kein geringeres, als „schon in wenigen Jahren die weltweit größte Elektro-Flotte“ auf die Straße zu bringen. 2025 sollen jährlich bis zu drei Millionen E-Autos gebaut werden. 80 elektrifizierte Modelle soll es dann geben. Dafür investiert der Konzern massiv, und zwar vor allem hierzulande. Der Standort Zwickau soll für eine Milliarde zu einem reinen E-Autowerk umgebaut werden. In den Standort Kassel werden 750 Millionen Euro gesteckt, um dort Antriebsstränge für den Stromer zu fertigen.

Neue Abgasgrenzwerte der EU einhalten

Volkswagen steht mit seinen Aktivitäten nicht allein. Das Beratungsunternehmen EY hat bei den drei deutschen Autobauern 15 E-Investitionsprojekte mit einem Volumen von 4,7 Milliarden Euro gezählt, die 2016 und 2017 angekündigt wurden. Knapp 3,2 Milliarden Euro werden hierzulande investiert, heißt es in der gerade vorgelegten Studie. So gibt Daimler eine halbe Milliarde Euro aus, um in Hamburg Komponenten für E-Antriebe zu produzieren. Die gleiche Summe wird in das Werk in Kamenz (Sachsen) gesteckt, das Batterien fertigen soll. BMW will 200 Millionen Euro locker machen, um am Münchner Stammsitz ein „Kompetenzzentrum“ einzurichten, das Akku-Know-how aufbauen soll. Das Gegenstück dazu bei Volkswagen will Müller in Salzgitter einrichten.

In der EY-Aufstellung liegt Deutschland weit vorne. Allerdings konnten die Experten nicht berücksichtigen, was sich in China tut. Dort sind rund 200 Autobauer aktiv. Kaum einer macht seine E-Auto-Pläne publik. Höchstwahrscheinlich wird in der Volksrepublik noch erheblich mehr Kapital bewegt, um künftig erheblich mehr Elektro-Pkw zu fertigen. Denn dort müssen alle größeren Hersteller von 2019 an zehn Prozent ihres Absatzes mit E-Autos bestreiten, ansonsten drohen Strafen. Das ist für Volkswagen von enormer Bedeutung. Der Konzern hat im vorigen Jahr 4,2 Millionen Fahrzeuge dort verkauft, was einem Plus von rund fünf Prozent entspricht und gut 40 Prozent des Gesamtabsatzes ausmacht.

Um auf dem chinesischen Markt – dem größten der Welt – weiter eine Rolle zu spielen zu können, müsse das E-Autoangebot erheblich ausgeweitet werden, betont EY-Autoexperte Peter Fuß. Dies gilt auch für BMW und Daimler, die ebenfalls immense Absatzsteigerungen im fernen Asien erzielt haben. Noch sind die Stückzahlen insgesamt gering. Die Unternehmensberatung McKinsey hat hochgerechnet, dass voriges Jahr erstmals weltweit mehr eine Million Elektro-Pkw verkauft wurden – bei einem Gesamtabsatz von 85,4 Millionen.

Aber: In zwei bis drei Jahren sei mit dem Durchbruch der Elektromobilität zu rechnen, sagt Fuß. Er erwartet, dass es bis dahin deutliche Fortschritte bei den Reichweiten der Batterieelektrischen gibt – die 500 Kilometer des Audi E-Tron gelten als Maßstab. Ein weiterer Faktor ist der Aufbau einer Ladeinfrastruktur. VW-Chef Müller forderte am Dienstag dafür einen europäischen Masterplan. Firmen und Politik müssten ein gemeinsames Konzept entwickeln. Volkswagen gehört indes bereits zum Konsortium Ionity, das entlang der wichtigsten Autobahnen auf dem alten Kontinent ein System von Schnellladern errichten will.

All diese Anstrengungen zielen auch darauf, die neuen Abgasgrenzwerte der EU einzuhalten. Von 2020 an sind für die Neuwagenflotten noch 95 Gramm CO2 pro Kilometer erlaubt. Volkswagen muss bis dahin seine Autos erheblich sauberer machen. Deshalb will Müller genau wie seine Kollegen bei BMW und Daimler auch in die Verbesserung der konventionellen Antriebe investieren – allein 20 Milliarden Euro in diesem Jahr.

Müller bekannte sich auf der Jahrespressekonferenz ausdrücklich zum Diesel. Der Selbstzünder sei Teil der Lösung, nicht das Problem, betonte der Vorstandschef, dessen Unternehmen über Jahre mit Manipulationssoftware für Dieselmotoren Behörden und Kunden betrogen hat.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Abgasskandale

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