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Vuitton, Gucci und Chanel Französische Luxus-Marken boomen

In den Pariser Nobelboutiquen klingelt die Kasse. Louis Vuitton und Gucci, Hermès und Chanel fahren immer höhere Gewinne ein. Die Rivalität zweier grauer Eminenzen beflügelt den Markt

Gucci
Ein bisschen verrückt sieht das ja schon aus – aber Luxuskonsumenten lieben die Kreationen von Gucci. Foto: rtr

Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste, Größte und Rentabelste im Land? Diese Frage geistert momentan durch den französischen Luxusmarkt, dessen Zuwachsraten in den Himmel wachsen wie das Ego seiner Exponenten. Die französischen Luxusgüterkonzerne stellen heute gut ein Viertel des weltweiten Branchenumsatzes. Marktführer Louis Vuitton hat im letzten Jahr allein in seinem Kernmetier Lederkoffer und -taschen einen Absatz von 9,3 Milliarden Euro erzielt. Damit verhilft er dem Stammhaus LVMH (70 Marken) zur größten Börsenkapitalisierung Frankreichs.

„Vuitton“, wie man unter Insidern sagt, kriegt nun aber Konkurrenz: Gucci will nach eigenen Angaben schon in zwei Jahren zehn Milliarden Euro Umsatz einfahren. Die flamboyant-barocke, zum französischen Konzern Kering gehörige Italomarke kam im letzten Geschäftsjahr erst auf 6,2 Milliarden Euro Umsatz. Sie registrierte dabei aber ein Wachstum von 42 Prozent, das Keringchef François-Henri Pinault nicht zu Unrecht als „phänomenal“ bezeichnet. Der Ehemann der Schauspielerin Salma Hayek verstärkt den Online-Auftritt von Gucci und zieht damit die begehrten „Millenials“ von den USA bis Fernost an, also die um die Jahrtausendwende geborenen Jungkonsumenten. Für sie soll Luxus kein Luxus mehr sein.

Das Duell der beiden Marktführer Vuitton und Gucci beschwingt nicht nur ihre beiden Mutterkonzerne LVMH und Kering, die Luxus-Nummern eins und zwei. In Kombination mit dem Millionärsboom verhilft es auch der gesamten Branche zu einem noch nie da gewesenen Wachstumsschub, den das Beraterbüro Bain & Co. weltweit auf sieben Prozent im Jahr beziffert.

Der Motor hinter dem Zweikampf Vuitton vs. Gucci ist allerdings weder Geld noch Glamour. Dass Gucci gerade seinen Rivalen zum Maßstab nimmt, hat seinen tieferen Grund im Führungsanspruch zweier unscheinbarer, mittlerweile grau melierter Geschäftsherren. LVMH mit Vuitton gehört Bernard Arnault, dem reichsten Franzosen mit 73 Milliarden Euro Privatvermögen. Kering mit Gucci wird von François Pinault – dem Vater von François-Henri – kontrolliert, der laut der Pariser Zeitschrift „Challenges“ 31 Milliarden Euro auf die Geldwaage bringt.

Die beiden Luxusmagnate sehen sich nicht nur ähnlich: Beide führen Dutzende von Marken in ihrem Luxussortiment, und beide stecken ihre Profite in zeitgenössische Kunst, teils sogar in die gleichen Künstler wie etwa den Amerikaner Jeff Koons. Arnault stellt seine Meisterwerke der zeitgenössischen Kunst in der spektakulären, 2014 eröffneten „Fondation Louis Vuitton“ im Pariser Stadtwald aus; Pinault hat sein Museum 2005 in Venedig im berühmten Palazzo Grassi eingerichtet.

Die Rivalität der zwei alten Egos sitzt offenbar tief. Sie haben sich zwar schon gegenseitig durch ihre imposanten Kunstsammlungen geführt, um das Branchengerede über ihr peinliches Spiegelgefecht zum Verstummen zu bringen; doch wenn es ums Geschäft geht, lassen sie ihre wichtigsten Marken Vuitton und Gucci wie Rennpferde gegeneinander los.

Jetzt mischt sich allerdings ein dritter Goldesel in das Rennen ein. Chanel, ein Familienunternehmen in dritter Generation, das auf die exzentrische Modeschöpferin Coco Chanel zurückgeht, hat im Juni aus dem Nichts Geschäftszahlen vorgelegt. Die beiden bald 70-jährigen Besitzer Alain und Gérard Wertheimer – deren Vermögen laut Challenges je 20 Milliarden Euro beträgt – hatten jahrzehntelang jeden Einblick in ihre Geschäftsbilanz verweigert. Nicht Zahlen sollten ihrer Meinung nach Chanel ausmachen, sondern mythische Produkte wie das Parfüm „No. 5“, das Marilyn Monroe nach eigener Aussage als einziges Nachtgewand trug. Oder wie das „kleine Schwarze“, das Coco Chanel erfunden hatte, – oder natürlich wie die Kreationen von Karl Lagerfeld, dem langjährigen

Chanel-Schöpfer.

Chanel mischt auch mit

Und siehe da, das so diskrete Markenunternehmen überraschte die Finanzwelt gleich mit einem Umsatz von 8,6 Milliarden Euro, einem Wachstum von elf Prozent und einem Gewinn von 1,5 Milliarden Euro. Wohlgemerkt ohne Börsennotierung, auch ohne Internetauftritt für wichtige Sparten wie Mode und Lederwaren. Chanel will exklusiv bleiben, nicht reißerisch wie Gucci oder klotzend wie Vuitton. 

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