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Vorwürfe gegen Modekonzern H&M-Zulieferer soll Arbeiter ausbeuten

Das große schwedische Unternehmen macht sich öffentlich für faire Arbeitsbedingungen stark. Doch bei einem seiner Zulieferer in Kambodscha müssen Frauen offenbar unter untragbaren Umständen schuften.

In der Kritik: der schwedische Konzern Hennes&Mauritz. Foto: dpa

Beim dem Hennes&Mauritz-Zulieferer M&V in Kambodscha müssen die Arbeiterinnen bis zu 14 Stunden am Tag arbeiten, sieben Tage die Woche. Das geht aus einem Bericht der ARD-Tagesthemen hervor. Mit dem Niedriglohn von 30 Cent die Stunde können sie kaum überleben. Gewerkschaftsvertreter vor Ort fordern demnach H&M auf, stärker auf die Umsetzung seines Verhaltenskodex' in dem asiatischen Land zu achten.

Hinzu kommt, dass das Klima in der Fabrik, in der 4600 Menschen beschäftigt sind, offenbar die Gesundheit gefährdet. Ende August waren an zwei Tagen insgesamt fast 300 Beschäftigte am Arbeitsplatz zusammengebrochen. Sie mussten ins Krankenhaus gebracht werden.

"Im Verlaufe des Jahres erreichten uns Berichte über derartige beunruhigende Vorfälle aus verschiedenen Fabriken aus ganz Kambodscha, die unterschiedlichste Produkte für verschiedene Marken herstellen", bestätigt H&M. Das Unternehmen habe "unmittelbar Untersuchungen eingeleitet und die Mitarbeiter in Kambodscha haben sofort die betroffenen Fabriken für eine erste Untersuchung und Befragungen der Arbeiter aufgesucht", sagte Sprecher Hendrik Heuermann auf Anfrage der Frankfurter Rundschau. Die Hauptgründe für die Massenohnmachten seien aber nicht leicht auszumachen, weil dafür "eine Vielzahl von Faktoren ausschlaggebend sein" könne. Deshalb werde unter anderem eine gründliche Untersuchung der der Luftqualität und des Umgang mit Chemikalien vorgenommen.

Sabine Ferenschild vom Südwind-Institut ist sich sicher: "Das ist kein Einzelfall, sondern nur die Spitze des Eisbergs." In Ländern wie Kambodscha oder Bangladesch gelten niedrige arbeitsrechtliche Standards, und selbst deren Einhaltung werden oft nicht kontrolliert. "Die Unternehmen, die sich einem Verhaltenskodex verschrieben haben, führen zwar Überprüfungen durch, aber oft nur stichpunktartig und mit Vorankündigung. Auf deren Ergebnisse würde ich nicht viel geben", sagt Ferenschild.

Schlampige Kontrollen

Auch die Kampagne für Saubere Kleidung (CCC) hat sich schon mit H&M beschäftigt. Im März 2010 starben bei einem Brand in einer Zulieferer-Fabrik des Konzerns in Bangladesch 21 Arbeiter. Laut CCC waren Notausgänge blockiert und hochbrennbare Stoffe falsch gelagert worden. Die Organisation warf daraufhin H&M vor, seine Partnerbetriebe zu schlampig zu kontrollieren.

Der Konzern hat sich einen Verhaltenskodex auferlegt, der sich an den Richtlinien der ILO und der UN-Kinderrechtskonvention orientiert und auch für Zulieferer gelten soll. Eigenen Angaben zufolge wird dessen Einhaltung von etwa 70 Vollzeit-Mitarbeitern überprüft. 2010 gab es demnach weltweit fast 2000 angemeldete und unangemeldete Kontrollen. Bei wiederholten Verstößen würden die Verträge mit den entsprechenden Zulieferern aufgelöst.

Doch im Hip&Billig-Wettlauf um die junge Kundschaft setzen die großen Textilkonzerne auf Produktion in Entwicklungs- und Schwellenländern - mit zum Teil fatalen Folgen. Jüngstes Beispiel ist die Modekette Zara, gegen den seit August die wegen des Verdachts auf Zwangsarbeit ermittelt wird. Der Konzern, der auch in Deutschland zahlreiche Läden unterhält, hat offenbar in Brasilien mehr als 50 Menschen wie Sklaven für sich nähen lassen.

Und auch der Massenkollaps von Beschäftigten in Kambodscha ist kein Einzelfall: Erst im Juni hatten bei einem Zulieferer von Puma mehrere hundert Arbeiter über Übelkeit und Benommenheit geklagt. Die Textilindustrie mit 300.000 Beschäftigten ist der wichtigste Wirtschaftszweig in Kambodscha - und eine Boombranche: Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz mit Textil- und Garnexporten laut Handelsministerium um 25 Prozent auf fast 3 Milliarden US-Dollar.

Dass bei der Textilproduktion in Billigländern nicht nur Arbeits-, sondern auch Umweltsstandards unter den Tisch fallen, zeigte die Umweltorganisation Greenpeace vor wenigen Wochen in ihrem Bericht "Schmutzige Wäsche". Darin wurde die Belastung von Markenkleidung mit giftigen Chemikalien belegt. Bei 14 von 15 Herstellern wurde das Gift nachgewiesen - auch in Kleidung von H&M.

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