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Volkswagen Neuer Chef, neue Struktur

Herbert Diess wird neuer Volkswagen-Chef. Der Konzern steht vor dem größten Umbau seiner Geschichte - auch weitere Vorstände verlieren offenbar ihren Job.

Volkswagen
Der VW-Konzern ist zurzeit eine Mega-Baustelle: das Wolfsburger VW-Werk und die Autostadt aus der Vogelperspektive. Foto: Stratenschulte (dpa)

Plötzlich ging alles ganz schnell: Der Aufsichtsrat von Volkswagen hat überraschend schon am Donnerstag getagt, um über die Zukunft des Konzerns zu entscheiden. Nun ist klar, Herbert Diess wird der neue starke Mann an der Spitze. Die FR erläutert, mit welchen Baustellen er es zu tun bekommt und wie die Erfolgsaussichten sind.

Warum kam der Aufsichtsrat früher als geplant zusammen?

Mit einer Ad-hoc-Mitteilung vom Dienstag, die mögliche Veränderungen im Vorstand ankündigte, hat Volkswagen für enorme Irritationen und Spekulationen gesorgt. Mit der Vorverlegung der Sitzung von Freitag auf Donnerstag wollte der Aufsichtsrat so schnell wie möglich Klarheit schaffen.

Was ist die wichtigste Personalentscheidung?

Matthias Müller ist mit sofortiger Wirkung nicht mehr Vorstandschef. Sein Vertrag wird laut „Handelsblatt“ aber bis 2020 weiterlaufen. „Eine Vertragsaufhebung würde keinen Sinn machen, da die Abfindung genauso hoch sein würde wie der laufende Vertrag“, sagte eine involvierte Person dem Blatt. Im vergangenen Jahr hatte Müller mehr als 10,1 Millionen Euro eingestrichen.

Müllers Nachfolger ist Herbert Diess, der Mitte des Jahres 2015 von BMW zu den Wolfsburgern gekommen war, um sich um die Kernmarke VW zu kümmern. Er soll nun mit mehr Macht als sein Vorgänger ausgestattet werden und in einer Doppelfunktion aktiv sein – als VW-Markenchef und als Vorstandsvorsitzender. 

Welche Personalien gibt es noch? Porsche-Chef Oliver Blume rückt in den Konzernvorstand auf. Einkaufschef Javier Garcia Sanz geht angeblich auf eigenen Wunsch. Er stand in der Kritik, weil er Firmenjets sehr ausgiebig genutzt hatte und weil er es zuließ, dass sich der Konzern vom Zulieferer Prevent abhängig machte, was zu Lieferausfällen führte. Den Einkauf im Konzern soll kommissarisch Ralf Brandstätter verantworten, der dafür bereits bei der Marke VW zuständig war. Gunnar Kilian wird Personalvorstand. 

Was bedeutet der neue Personalvorstand für das Machtgefüge im Konzern?

Damit wird die Position des ohnehin schon mächtigen Betriebsratschefs Bernd Osterloh gestärkt. Kilian ist seit vielen Jahren ein Weggefährte Osterlohs, er gilt als dessen engster Vertrauter. Kilian war zuletzt Generalsekretär des Gesamtbetriebsrats. Das Duo will den neuen Vorstandsvorsitzenden Diess in Schach halten, der sich in der Vergangenheit mehrfach mit Osterloh angelegt hatte. Diess wollte in deutschen Volkswagenwerken Stellen streichen, Osterloh verhinderte dies. Das Thema Jobabbau wird aber in nächster Zeit mit der Umstellung auf Elektromobilität garantiert wieder akut werden. Bei Volkswagen arbeiten weltweit rund 640 000 Menschen. Deutlich mehr als bei allen anderen großen Autobauern.

Geht mit den Umbesetzungen auch ein Umbau der Konzernstrukturen einher?

Volkswagen will mit seiner Nutzfahrzeugsparte künftig ein großes Rad drehen. Dazu vereinbarte die Lkw-Tochter mit dem japanischen Hersteller Hino Motors, der mehrheitlich Toyota gehört, eine langfristige strategische Partnerschaft. Die Sparte soll in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden, eigenständig arbeiten und im ersten Quartal 2019 an die Börse gehen. Das soll Geld für weitere Beteiligungen bringen. So soll ein „Global Champion der Transportbranche“ entstehen, wie Volkswagen mitteilte.

Gibt es auch Veränderungen im Pkw-Geschäft?

Ja. Die acht Pkw-Marken werden in drei Gruppen gebündelt: Massenmarktautos (VW, Skoda, Seat), Premium (Audi, Bentley) und Sportwagen (Porsche, Lamborghini, Bugatti). Das soll eine größere Beweglichkeit bei der Entwicklung neuer Modelle und neuer Vermarktungsstrategien ermöglichen. Die für die Markengruppen Verantwortlichen übernehmen zusätzlich Konzernführungsaufgaben. Der neue Vorstandschef Diess verantwortet demnach die Konzernentwicklung- und Forschung, Audi-Chef Rupert Stadler den Konzernvertrieb und Porsche-Chef Oliver Blume die Konzernproduktion.

Wie sinnvoll ist die Gruppenbildung?

Vor vielen Jahren waren die Marken in einer anderen Konstellation schon einmal als Gruppen sortiert. Das Konzept wurde aufgegeben, weil sich die Segmentierung als eher bremsend erwies. Generell spricht gegen dieses Konzept, dass der Konzern bislang massiv von seinem Baukastenprinzip profitierte. Über die Marken hinweg werden bei vielen Modellen die gleichen Komponenten und Baugruppen eingesetzt. Das drückt die Kosten massiv. So wird etwa eine Variante des sogenannten modularen Längsbaukastens bei einem Großteil der Audis, aber auch bei den SUV von VW, Porsche und beim neuen Pseudogeländewagen Urus von Lamborghini eingesetzt.

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