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Volkswagen 44 Milliarden Euro für E-Mobilität

Volkswagen legt gigantisches Zukunftsprogramm auf. Konzernchef Diess: „Wir setzen neue Zeichen“.

Volkswagen
Einblick in die Produktion des E-Golf von Volkswagen in der Gläsernen Manufaktur in Dresden. Foto: rtr

Der Volkswagen-Konzern hat die Weichen für den wohl größten Umbau seiner Unternehmensgeschichte gestellt. In den nächsten fünf Jahren sollen 44 Milliarden Euro in die Umstellung auf Elektromobilität und die Vernetzung der Fahrzeuge investiert werden. Das entspricht einem Drittel der gesamten Investitionen von VW in diesem Zeitraum. Für die Mitarbeiter hat das weitreichende Folgen: Weitere Werke werden komplett auf die Fertigung von E-Autos umgestellt, der Arbeitsbedarf wird dadurch deutlich sinken. Dennoch bleibt der Konzern bei seinen Beschäftigungsgarantien: Stellen sollen weiter „entlang der demographischen Kurve“, also ohne Entlassungen abgebaut werden.

„Wir setzen neue Zeichen“, sagte Konzernchef Herbert Diess nach einer Aufsichtsratssitzung am Freitag in Wolfsburg. Die Aufseher beraten jedes Jahr im November die mittelfristige Planung des Autobauers, und diese „Planungsrunde 67“ soll ein neues Autozeitalter einläuten.

„VW will weltweit führender Anbieter nachhaltiger Mobilität werden und bleiben“, sagte Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch. „Es geht um die Zukunftsfähigkeit des Konzerns.“ MInisterpräsident Stephan Weil (SPD), der das Land Niedersachsen als VW-Großaktionär im Aufsichtsrat vertritt, zeigte sich zufrieden mit den intern lange diskutierten Plänen: „Niedersachsen übernimmt in Deutschland eine Vorreiterrolle beim Umbau der Automobilindustrie.“

Für die Arbeitnehmerseite sei es ein Erfolg, dass vor allem in den deutschen Werken in die neuen Technologien investiert werde, sagte Betriebsratschef Bernd Osterloh. VW werde aber dennoch Arbeitsplätze abbauen müssen, weil die künftigen E-Autos schon wegen des Motors sehr viel einfacher zu bauen sind als bisher. „Niemand verliert seine Beschäftigung“, betonte Osterloh. Mit diesem Weg setze der Konzern „ein Zeichen für die ganze Industrie“.

VW hat schon in den vergangenen Jahren Elektro-Offensiven angekündigt und begonnen, sie sind aber mittlerweile in neue Dimensionen gewachsen. Aus heute sechs Elektro-Modellen im Programm sollen bis zum Jahr 2025 mehr als 50 werden. Das erste Modell auf Basis einer neuen, MEB genannten Plattform soll 2020 auf den Markt kommen. Es wird in Zwickau gebaut, dem ersten reinen Elektrowerk des Konzerns. Der verspricht für den VW I.D. bis zu 550 Kilometer Reichweite und will ihn als „CO2 -neutral“ vermarkten. So weit das technisch in der Produktion nicht möglich ist, sollen Emissionszertifikate zum Ausgleich gekauft werden.

Schon im ersten Jahr sollen nach Informationen aus Konzernkreisen insgesamt rund 150.000 Elektroautos verkauft werden. Allerdings wird es noch eine Weile dauern, bis die Mehrheit der Neuwagen elektrisch angetrieben wird: Intern rechnet man in Europa mit einem Anteil von 70 Prozent im Jahr 2040. Wichtiger Teil der Wachstumspläne ist auch ein künftiges Elektro-Einstiegsmodell, dass weniger als 20.000 Euro kosten soll.

Auf dem Weg ins Elektrozeitalter wird die Produktion komplett umstrukturiert. So wird das VW-Werk in Emden ganz auf Elektromodelle umgestellt, weil sich der dort hergestellte VW Passat immer schlechter verkauft. Er wird allerdings nicht eingestellt, sondern soll von 2023 an zusammen mit dem Skoda Superb in Tschechien gebaut werden.

Auch aus dem Transporterwerk in Hannover wird zusätzlich ein Elektromobil kommen. Ein neues Werk ist für Osteuropa geplant. Ob der Konzern auch selbst oder zusammen mit Partnern Batteriezellen produzieren wird, ist dagegen weiter offen. Die Frage werde aber geprüft, sagte Diess, und zwar „sehr viel konkreter“ als bisher. Weil machte klar, dass er eine solche Produktion in Niedersachsen erwarte.

VW steht seit dem Diesel-Skandal unter massivem Veränderungsdruck. Die Verkäufe von Dieselautos sind in wichtigen Märkten eingebrochen, die ab 2020 geltenden Emissionsvorschriften sind mit dem aktuellen Modellmix nicht zu schaffen. Gleichzeitig steht der Konzern trotz milliardenhoher Strafen und teurer Umrüstaktionen aber wirtschaftlich sehr gut da und hat sich deshalb entschieden, den Hebel jetzt radikal umzulegen.

Betriebsratschef Osterloh sagte, der Konzern unternehme riesige Anstrengungen auf dem Weg zur Elektromobilität, „aber wir brauchen jetzt auch die Politik“: Sie müsse mit dafür sorgen, dass E-Auto-Käufer genug Ladesäulen vorfinden und eine Fertigung von Batteriezellen in Deutschland rentabel möglich ist.

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