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Versicherungskonzern Die Allianz baut ab

Der Versicherer streicht 700 Stellen. Wahrscheinlich ist das aber erst der Anfang. Verdie befürchtet gar, dass bis zu drei Viertel der Stellen bei Allianz auf Dauer wegfallen werden.

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Allianz Foto: dpa

D er Versicherungsriese Allianz steht am Beginn eines möglicherweise massiven Kahlschlags beim Personal. Schon sicher ist, dass die Münchner deutschlandweit bis Ende 2020 rund 700 ihrer 29.000 Beschäftigten in der Allianz Deutschland AG abbauen. Diese Zahl bestätigte ein Allianz-Sprecher auf Anfrage.

Rund 500 Jobs habe die deutsche Tochter des global tätigen Versicherers dieses Jahr zudem bereits sozialverträglich gestrichen. Man sei zuversichtlich, auch beim nun anstehenden Abbau ohne betriebsbedingte Kündigungen auszukommen. Das könnte dieses Mal noch gelingen, sagt die bei der Allianz aktive Gewerkschaft Verdi.

„Das ist definitiv nicht das Ende der Fahnenstange“, sondern erst der Anfang, unkt eine Gewerkschafterin mit Blick auf den Grund für die Rotstiftpläne. Ursache ist die Digitalisierung, die nun auch in der Assekuranz immer schneller um sich greift.

Kunden versichern sich online selbst und brauchen keinen Berater mehr. Schäden melden sie per Smartphone an einen Computer und die Risikoanalyse übernimmt ein Algorithmus. „Eine Reduktion von Stellen ist nicht das Ziel, aber eine der Konsequenzen dieser Veränderungen, die sich nicht vermeiden lassen“, räumte Allianz Deutschland-Vorstand Ruedi Kubat konzernintern ein. Konzernchef Oliver Bäte hatte dagegen die personellen Folgen der Digitalisierung für die Allianz öffentlich zuletzt stets verharmlost.

Verdi dagegen verweist auf Studien, die der Assekuranz digitalisierungsbedingt einen Stellenschwund von der Hälfte bis zu drei Vierteln des Personals vorhersagen. Die Unternehmensberatung McKinsey rechnet damit, dass in der Branche binnen zehn Jahren vier von zehn Arbeitsplätzen verschwinden. Das könne auch bei der Allianz so kommen, betont eine Verdi-Gewerkschafterin. Die jetzige Ankündigung sei nur die erste Scheibe eines langen und für das Personal schmerzhaften Prozesses.

„Die Digitalisierung wird die Branche auch weiter beschäftigen“, sagte ein Allianz-Sprecher zur Befürchtung weiterer Abbaurunden. Es würden aber auch gleichzeitig neue Arbeitsplätze geschaffen.

So mache die Digitalisierung bei der Allianz Deutschland nach jetziger Kalkulation eigentlich knapp 1300 Stellen überflüssig. Rund 600 Jobs würden aber neu geschaffen, so dass 700 Arbeitsplätze zum Abbau übrig blieben.

In der Unfallversicherung fallen die Standorte Stuttgart, Leipzig und Hamburg weg. In der Krankenversicherung der Standort Berlin zum größten Teil. Weitere, ungenannte Standorte sind in der Kfz- und Lebensversicherung betroffen. Wo wie viele Stellen betroffen sind, verschweigt die Allianz vorerst und verweist auf nun beginnende Verhandlungen mit Betriebsräten und Verdi. Viele Allianzer müssten zudem umschulen, betonte ein Sprecher. „Wer vorher Unfall gemacht hat, macht künftig Kfz“, erklärt er beispielhaft.

Abgebaut wird aber nicht nur bei der Allianz Deutschland. Im internationalen Industrieversicherungsgeschäft, das im Haus unter dem Kürzel AGCS läuft, werden bis Ende 2018 weltweit rund 500 Jobs abgebaut. Das ist jeder zehnte Job dieser Sparte. 120 Stellen entfallen hier auf Deutschland.

Damit nimmt der Grad an Unruhe bei der Allianz spürbar zu. Zuletzt hatte es schon im Management rumort. Denn die Digitalisierung bringt auch ein größeres Maß an Zentralisierung mit sich. Der eine oder andere Allianz-Regionalfürst verliert dadurch seine Machtbasis. Nun wird es auch für das normale Personal ungemütlich. Insgesamt beschäftigt die Allianz konzernweit rund 140.000 Mitarbeiter. Vor Jahresfrist waren das noch 2000 mehr. Neu ist der Stellenschwund also nicht, er wird nun nur vernehmbarer und trifft auch deutsche Arbeitsplätze.

Wie hoch die Kostenersparnis durch den Personalabbau sein wird, will die Allianz nicht sagen. Das gilt auch für die Frage, ob durch die Einsparungen Policen billiger werden oder Gewinn und Dividenden steigen.

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