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Versicherungen Was von der Lebensversicherung bleibt

Versicherungsnehmer müssen ihre Erträge mindestens zur Hälfte versteuern. Es gibt aber auch Ausnahmen

Steuern
Der Fiskus greift bei vielen Policen zu. Foto: Moritz Wienert

Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik wurde eine Frau Regierungschefin. Deutschland bekam einen, seinen Papst. Die Rechtschreibreform trat in Kraft. 2005 scheint lange her. Und doch ist der 1. Januar 2005 für Millionen Deutsche ein wichtiges Datum, das bis heute über die Höhe ihrer Einkommen im Alter mitentscheidet. Wer vorher seine Lebensversicherung abgeschlossen hat, wird noch nach dem alten Recht besteuert. Er oder sie kann unter bestimmten Umständen die Auszahlung komplett für sich behalten, ohne etwas mit dem Finanzamt teilen zu müssen. Alle, die später kamen, müssen ihre Erträge mindestens zur Hälfte oder sogar komplett versteuern.

Früher war also alles besser bei der Kapitallebensversicherung – und das nicht nur, weil die Zinsen lange Zeit viel höher waren. Auch ihre Steuerprivilegien, mit der die Anbieter über Jahrzehnte erfolgreich warben, hat diese Form der Altersvorsorge längst verloren oder zumindest weitgehend eingebüßt. Die Verschärfungen gelten allerdings nicht rückwirkend, so dass der Stichtag 1. Januar 2005 so wichtig ist für die steuerliche Behandlung der Lebensversicherung.

Ertragsanteil ist zu versteuern

Wer bis zum 31. Dezember 2004 von der Versicherung seinen Vertrag ausgestellt bekommen hat, muss nichts an den Fiskus abgeben, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind: Der Betrag wird vollständig auf einen Schlag ausgezahlt. Der Kunde hat seinen Beitrag erstmals bis zum 31. März 2005 überwiesen. Die Police läuft über mindestens zwölf Jahre. Und der Sparer hat mindestens über fünf Jahre tatsächlich auch Beiträge gezahlt. Mit anderen Worten: Eine Versicherung mit zwölf Jahren Laufzeit darf höchstens sieben Jahre beitragsfrei gestellt worden sein.

Wer sich dafür entschieden hat, seine Lebensversicherung als monatliche Rente auszahlen zu lassen, muss den sogenannten Ertragsanteil versteuern. Dieser richtet sich laut dem Verbraucherratgeber Finanztip nach dem Alter, in dem der Einzelne oder die Einzelne den Ruhestand antritt. Wer mit 65 die Rente beginnt, bekommt einen geringeren Ertragsanteil angerechnet als jemand, der direkt nach dem 60. Geburtstag ausscheidet. Die im Einzelfall geltende Höhe teilt die Versicherungsgesellschaft ihren Kunden mit.

Schlechter sieht die Ausgangssituation für die aus, die ihre Unterschrift nach dem 31. Dezember 2004 unter ihre Police gesetzt haben. Grundsätzlich gilt für diesen Personenkreis: Alle Kapitalanlagen, zu denen auch Lebensversicherungen gehören, zählen für den Finanzbeamten zur sogenannten dritten Schicht der Alterseinkünfte. Deren Kapitalerträge müssen komplett versteuert werden. Dies trifft gleichermaßen bei Kapitallebensversicherungen wie bei der Rentenversicherung mit Kapitalwahlrecht sowie bei fondsgebundenen Renten- und Lebensversicherungen zu. Die anderen beiden Säulen bilden übrigens die gesetzlichen und betrieblichen Renten mit eigenen Steuerbestimmungen.

Allerdings gilt auch hier: keine Regel ohne Ausnahme. Denn in manchen Fällen müssen die Inhaber nur die Hälfte ihrer Lebensversicherung versteuern, auch wenn als Datum auf dem Vertrag ein Tag nach Ende 2004 steht. Bedingung ist, dass die Versicherungsleistung in einem Beitrag ausgezahlt wird, dass der Vertrag über mindestens zwölf Jahre läuft und dass der Inhaber bei der Auszahlung mindestens 60 Jahre alt (seit 2012 mindestens 62 Jahre) ist. Zudem muss der Todesfallschutz mindestens die Hälfte der Beitragssumme abdecken.

Der Gesetzgeber hat die Regelungen anschließend aber noch weiter verschärft. Seit dem 31. März müssen folgende Bedingungen erfüllt sein, damit die Erträge der Kapitallebensversicherung zur Hälfte versteuert werden: Die Risikoleistung der Police muss bis zum Ende der Laufzeit mindestens die Hälfte der insgesamt gezahlten Beiträge erreichen. Und die Versicherungsleistung, die vereinbart wurde, muss nach fünf Jahren im Todesfall des Versicherungsnehmers mindestens zehn Prozent über dem Deckungskapital oder Zeitwert des Vertrages liegen.

Wer Steuern sparen möchte, kann bei einer nach dem 31. Dezember 2004 abgeschlossenen Police den Namen eines nahen Verwandten eintragen lassen. Eltern können zum Beispiel den Vertrag auf ihr Kind übertragen, das sich gerade im Studium befindet. Der Sohn oder die Tochter hat dann in aller Regel kein eigenes Einkommen, so dass die Steuerlast für die Familie insgesamt geringer ausfällt. Keine Angst muss man haben, dass in diesem Fall die Mindestvertragsdauer von zwölf Jahren neu berechnet würde. Sie läuft weiter, so dass sich die Steuerzahlung auf die Kapitalerträge nicht verändert.

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