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Vermögen in Europa Spanier reicher als Deutsche

In den Euro-Krisenländern Spanien und Italien liegen unangetastete große Privatvermögen - während die Staaten deutsche Steuerhilfe erhalten. In Deutschland dagegen fallen die Vermögen der privaten Haushalte kleiner aus.

Leben wo andere Urlaub machen - Strand von Arenal auf Mallorca: Die Spanier haben nicht nur schöneres Wetter, sondern auch mehr Vermögen als die Deutschen. Foto: dpa

Demnach liegt das mittlere Haushaltsvermögen (Median) bei 51.400 Euro. In Frankreich ist das Vermögen mehr als doppelt, in Spanien und Italien mehr als dreimal so hoch. Immobilienbesitz ist mit eingerechnet.

Die Bundesbank hat für die repräsentative Untersuchung knapp 3.600 Haushalte in den Jahren 2010 und 2011 interviewen lassen. Ähnliche Studien führten die Notenbanken auch in den anderen Euro-Ländern durch. Veröffentlicht sind sie bisher nur für einige wenige Staaten, was auch an der politischen Brisanz der Daten liegen mag. Deutlich wird, dass in Krisenländern, die sich wie Spanien auch auf deutsches Steuergeld stützen, große Vermögen liegen. Selbst wesentlich ärmere Euro-Länder wie die Slowakei oder Estland treten in Haftung für Nationen mit höherem Wohlstand.

Aber auch für die innerdeutsche Debatte über die zunehmende Spaltung der Gesellschaft liefert die Studie wichtige Erkenntnisse. Die Bundesbank ermittelte das Vermögen des durchschnittlichen Deutschen. Dafür stellen die Statistiker gedanklich alle Haushalte von ganz arm bis superreich in einer Reihe auf und wählen genau den in der Mitte heraus (das ist der sogenannte Median). Das Vermögen dieses Durchschnittshaushaltes ist deutlich geringer als das Durchschnittsvermögen. Das liegt fast viermal so hoch bei 195.200 Euro. Dieser Nettowert berücksichtigt die Schulden.

Der Osten als Armenhaus

Das klingt nach viel, wenn man bedenkt, dass ein Haushalt im Mittel aus gerade einmal zwei Personen besteht. Und doch haben große Teile der Bevölkerung von dem Reichtum wenig oder nichts. Der Durchschnitt werde von den Vermögenswerten einer relativ kleinen Zahl reicher Haushalte nach oben gezogen, stellt die Bundesbank fest. Sie selbst bezeichnet die Verteilung in Deutschland als rechtsschief, weil die wenigen oberhalb des Mittels so viel haben. Die Abstände sind spürbar größer als in den anderen Euro-Ländern, für die Daten vorliegen.

Dies zeigt auch der Gini-Index an, ein übliches Maß für die Ungleichheit einer Gesellschaft. Er beträgt null Prozent bei vollkommen gleicher Verteilung und 100 Prozent bei maximal ungleicher Verteilung. Bei den laufenden Einkünften liegt er in Deutschland bei 42,8 Prozent, bei den Nettovermögen bei 75,8 Prozent. „Das Vermögen ist also ungleicher verteilt als das Einkommen“, betont die Bundesbank. Den reichsten zehn Prozent der Haushalte gehören nach ihrer Erhebung 59,2 Prozent des gesamten Nettovermögens.

Auch regional zeigen sich gewaltige Unterschiede. Im Osten (einschließlich Berlin) kommt der Durchschnittshaushalt auf ein Vermögen von 21.400 Euro. Im Westen kann er auf 78.900 Euro zurückgreifen.

Wichtigste Anlageform ist die eigene Immobilie. Entsprechend sind Hauseigentümer spürbar reicher. Der Mieterhaushalt in der Mitte der Gesellschaft hat nicht mehr als 10.300 Euro auf der hohen Kante. Nur 44,2 Prozent der hiesigen Haushalte wohnen im eigenen Heim. In Frankreich sind es 58 Prozent, in Italien 69 Prozent und in Spanien sogar 83 Prozent.

Fast alle Haushalte haben ein Girokonto (99 Prozent), die meisten Sparguthaben (78 Prozent). Mit Abstand folgen kapitalbildende Lebensversicherungen (40 Prozent) und Bausparverträge (36 Prozent). Mindestens einen Vertrag zur privaten Altersvorsorge haben 31 Prozent abgeschlossen.

Die Zahlen der Bundesbank berücksichtigen nicht die Ansprüche gegenüber gesetzlichen Sozialversicherungen. Weil Arbeitnehmer ohne großes Aktiendepot im Alter Leistungen aus der Rentenkasse zu erwarten haben, könnte die tatsächliche Ungleichverteilung geringer ausfallen. Eingehen soll die deutsche Studie in einen Überblick der Europäischen Zentralbank (EZB) über den Reichtum in der Währungsunion insgesamt. Diesen will die EZB erst später präsentieren. Ihre Fachleute benötigten Zeit, um die nationalen Daten zu prüfen und vergleichbar zu machen, heißt es bei der EZB.

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