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Verluste Deutsche Bank glänzt nicht

Der einstige Branchenprimus steckt nach wie vor in der Krise. Bankchef John Cryan muss sich rechtfertigen, weil Mitarbeiter trotz eines Verlusts wieder Boni kassieren.

Bilanz Deutsche Bank
Der Deutsche-Bank-Chef John Cryan sieht „ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2018“, sagte er bei der Bilanzvorlage am Freitag in Frankfurt. Foto: dpa

Ist das jetzt schlichtweg Desinteresse, Resignation – oder liegt es einfach daran, dass es am Freitag in Frankfurt kalt und verregnet ist und selbst noch so wütende Bürger einfach möglichst nicht vor die Tür gehen möchten? Vor den Türmen der Deutschen Bank in der Frankfurter Taunusanlage findet sich jedenfalls am Tag der jährlichen Bilanzpressekonferenz nicht ein einziger Demonstrant, der rufend und Plakate mit Aufschriften wie „Kapitalvernichter“ oder „Betrüger“ emporstreckend seinem Ärger Luft macht. Das war noch vor kurzer Zeit anders. Es steht auch nur ein einziger Übertragungswagen eines Fernsehsenders vor dem Gebäude – früher waren es zu diesem Anlass immer mindestens eine Handvoll.

Vielen scheint die wie auch immer geartete Leidenschaft für die Deutsche Bank wohl einfach verloren gegangen zu sein. Immerhin: Journalisten sind zuhauf gekommen, um sich anzuhören, was Deutsche-Bank-Chef John Cryan über das abgelaufene Geschäftsjahr und die Zukunft des Instituts zu sagen hat. Und der redet nicht um den heißen Brei herum. „Lassen Sie mich direkt zum Punkt kommen: Wir haben auch 2017 unter dem Strich einen Verlust zu verzeichnen. Ja, es ist der dritte Verlust in Folge“, beginnt der Brite seine Rede, die er in sehr gut verständlichem Deutsch hält. Knapp 500 Millionen Euro hat die Bank im vergangenen Jahr verbrannt. Aber, führt Cryan fort, vor Steuern habe die Bank erstmals seit 2014 wieder schwarze Zahlen geschrieben, insgesamt 1,3 Milliarden Euro. Und nach Steuern hätte es auch fast einen Gewinn von knapp einer Milliarde Euro gegeben, so Cryan – aber eben leider nur fast. Dann nämlich kam die US-Steuerreform. Von der wird die Bank zwar langfristig profitieren. Nur: Kurzfristig hat sie den Gewinn der Bank von 2017 aufgefressen.

Überhaupt führen Cryan und seine Vorstandskollegen auf dem Podium viele einmalige Sonderfaktoren auf, die das Ergebnis von Deutschlands größtem Geldhaus im vergangenen Jahr negativ beeinflusst haben. Und die klingen auch alle plausibel. Das Problem ist nur: In den vergangenen Jahren haben immer wieder ganz unterschiedliche Sonderfaktoren der Bank das Ergebnis verhagelt. Gefühlt folgt einfach Sonderfaktor auf Sonderfaktor.

Andere Banken schreiben Gewinne

Und: Andere große Banken, sei es in den USA – mit einem zugegeben profitableren Bankenmarkt –, aber auch in Europa, haben ebenfalls eine Finanzkrise, teils hohe Rechtskosten und Umstrukturierungen hinter sich und die US-Steuerreform zu verdauen und schreiben dennoch längst wieder Millionen- oder Milliardengewinne. Nur die Deutsche Bank scheint nicht in die Puschen zu kommen.

Am Freitag gibt sich Bankchef Cryan dennoch optimistisch. 25 Minuten lang erzählt er den Journalisten hauptsächlich, was sich in der Bank in den vergangenen Monaten alles zum Positiven verändert hat – wie etwa Rechtsrisiken und andere Altlasten abgebaut, Kontroll- und IT-Systeme verbessert, Kosten gesenkt und Geschäftsbereiche neu ausgerichtet wurden. „Sind wir in die richtige Richtung unterwegs? Ja!“, sagt er.

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