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Verhandlungen gescheitert Argentinien ist pleite

Argentinien ist zahlungsunfähig - schuld ist ein Rechtsstreit mit US-Hedgefonds. Für deutsche Sparer gibt es keinen Grund zur Sorge. Für normale Argentinier ist das hingegen eine schlechte Nachricht.

30.07.2014 16:38
Argentinische Präsidentin Cristina Kirchner. Foto: dpa

Die zweitgrößte südamerikanische Volkswirtschaft Argentinien ist in die Staatspleite gerutscht. Die Last-Minute-Verhandlungen im Schuldenstreit zwischen Argentien und US-Hedgefonds scheiterten am Mittwoch (Ortszeit) in New York. In der Nacht zum Donnerstag lief zudem die Frist für eine Verhandlungslösung aus. Die Auswirkungen auf die internationalen Finanzmärkte dürften gering sein, deutsche Sparer müssen nach Einschätzung von Experten nicht beunruhigt sein.

«Unglücklicherweise konnte keine Einigung erzielt werden, und die Republik Argentinien steht vor dem Zahlungsausfall», hatte der gerichtlich bestellte Schlichter in dem Streit, Daniel Pollack, nach mehrstündigen Gesprächen erklärt. Argentiniens Wirtschaftsminister Axel Kicillof hatte die Verhandlungen kurz zuvor als gescheitert bezeichnet. «Die Geierfonds haben unser Angebot nicht akzeptiert.»

Argentinien und die Hedgefonds, die sich nicht an dem auf die Staatspleite von 2001 folgenden Schuldenschnitt beteiligt haben, streiten über die Rückzahlung alter Anleiheschulden. Solange Argentinien den Fonds NML Capital und Aurelius Forderungen über 1,5 Milliarden Dollar nicht bezahlt, darf es laut einem Richterspruch auch andere Anleihen nicht bedienen. Bis Donnerstag musste eine Einigung her, damit Argentinien nicht als säumiger Schuldner bewertet wird.

Zugang zu Kapitalmärkten wird erschwert

Die US-Ratingagentur Standard & Poor's wartete aber gar nicht erst ab, bis die Verhandlungen offiziell für gescheitert erklärt wurden - sie senkte die Kreditwürdigkeit Argentiniens schon vor Ende des Treffens mit den Hedgefonds auf «teilweisen Zahlungsausfall». Damit wird das Land nun als Pleitefall eingestuft. Die anderen beiden großen Ratingagenturen Fitch und Moody's dürften dem Schritt folgen.

Allerdings handelt es sich bei den Kreditbewertungen der Agenturen eher um technische Vorgänge, da Argentinien eigentlich das Geld in der Staatskasse hätte, seine Schulden zu begleichen. Die Auswirkungen auf das öffentliche Leben in dem Land werden als begrenzt eingeschätzt. Trotzdem dürfte Argentiniens Zugang zu den Kapitalmärkten weiter erschwert werden.

Minister Kicillof versuchte die Argentinier zu beruhigen: «Morgen wird ein anderer Tag sein, und die Welt geht weiter.» Schlichter Pollack warnte indes, die Folgen zu verharmlosen. Der Zahlungsausfall sei «ein ziemlich reales und schmerzvolles Ereignis, das (...) Menschen wehtun wird.»

Ökonom Christian Schulz von der Berenberg Bank sagt: «Die Pleite wird der argentinischen Wirtschaft schaden.» Das Land ist im letzten Quartal ohnehin schon in die Rezession gerutscht und kämpft mit chronisch hoher Inflation. Er rechnet jedoch nicht damit, dass die Zahlungsunfähigkeit starke Auswirkungen an den internationalen Finanzmärkten haben wird. «Die Folgen dürften begrenzt sein.»

Deutsche Sparer müssen sich wohl keine Sorgen machen. Anders als Argentinien hätten die Länder der Eurozone nach den Verwerfungen durch den griechischen Schuldenschnitt ihre Lektion gelernt, so Schulz. Sie setzten nun bei Krisenfällen auf Reformen, statt Gläubiger zum Forderungsverzicht zu drängen. Griechenland hatte auf dem Höhepunkt der Eurokrise eine massive Umschuldung vorgenommen, danach war das Vertrauen der Anleger drastisch gesunken. (dpa)

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