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Verbraucherschutz Wie fair ist die faire Milch?

Verbraucherschützer und Wettbewerbszentrale kritisieren: Faire Milch ist weniger regional als behauptet. Nun steht sogar eine Klage an. Von Stephan Börnecke

Milchbauernprotest in Plöner See mit "Faironka", der Faire-Milch-Kuh. Foto: dpa

Sie soll Milch-Bauern einen gerechten Milchpreis garantieren und Umwelt wie Verbrauchern durch ihre Produktionsweise und besonderen Inhaltsstoffe von Nutzen sein: die faire Milch. Doch Verbraucherschützer und die Wettbewerbszentrale kratzen am Image des vom Bundesverband Deutscher Milchviehalter BDM konzipierten Produkts. Sie sei weniger regional als behauptet und nicht "fair" erzeugt.

Die Wettbewerbszentrale hat sogar eine Klage gegen den Namen "Die faire Milch" vor dem Landgericht Landshut für die kommende Woche angekündigt. Rechtsanwältin Christiane Köber, Mitglied der Geschäftsleitung, sagt der FR, die faire Milch mit der in Deutschland-Farben gehaltenen Kuh Faironika auf der Tüte erwecke den Eindruck, als sei dies die einzige fair erzeugte. Dieses Alleinstellungsmerkmal könne die BDM-Milch für sich nicht beanspruchen. "Da gibt es andere, die mithalten können", meint Köber unter Hinweis etwa auf Milch des Biohandelshauses Alnatura.

So könnte am Ende sogar der Begriff "fair", wie er auch auf vielen anderen Handels-Produkten verwendet wird, angefochten werden. Denn ein Gerichtsverfahren könnte Kriterien liefern, um die Verwendung des Begriffes abzugrenzen, bestätigt Köber.

"Zu keinem Kompromiss bereit"

Doch die in Freising ansässige Milchvermarktungsgesellschaft MVS, bei der der BDM Gesellschafter ist, gibt gerade in diesem Punkt nicht klein bei: Müsste MVS mit seinen 130 zertifizierten Fair-Milchbauern den Titel "Die faire Milch" von der Tüte kippen, würde das "an die Substanz gehen", betont Geschäftfsfüher Jakob Niedermaier. "Da sind wir zu keinem Kompromiss bereit."

In anderen Punkten haben die Milchbauern nachgeben müssen und Unterlassungen zugestanden: So hatte die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg Angaben, die Milch stamme "aus Ihrer Region" und "die heimische Produktion spart unnötige Transportwege", gerügt. Dies träfe nicht zu, so Verbraucherschützer Eckhard Benner. Milch der MVS, die in Stuttgart verkauft wird, stamme nicht aus derRegion, sondern von Höfen aus dem Allgäu, sagt Benner. Zur Abfüllung werde sie zudem ins osthessische Schlüchtern transportiert. Einfache Strecke: knapp 400 Kilometer. Auf dem Weg zum Supermarkt könne daraus leicht das Doppelte an Transportkilometern werden. Die Wettbewerbszentrale wiederum hatte Milch ausfindig gemacht, die vorgab, aus Bayern zu stammen, tatsächlich aber in Hessen gemolken wurde.

Niedermeier weiß um diese Schwäche: Es sei bisher nicht gelungen, Molkereien in Regionen zu finden, die die faire Milch verarbeiten. Daran aber arbeite man mit Hochdruck. Verloren gehe bei der Kritik der Hauptvorzug der fairen Milch: Die Bauern bekämen statt der üblichen 27 Cent bei MVS 40 Cent. Der Aufpreis halte extensiv und ohne Gentechnik arbeitende Bauern in der Region.

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