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Utz Claassen vs. Solar Millenium Claassen behält Antrittsprämie

Neun Millionen Euro für 74 Tage: Die Erlanger Pleitefirma Solar Millennium einigt sich per Vergleich mit ihrem früherem Vorstandschef Utz Claasen nach einem spektakulären Streit.

Utz Claassen, Kurzzeit-Chef von Solar Millenium. Foto: dpa/Uli Deck

Die Erlanger Pleitefirma Solar Millennium und ihr kurzzeitiger Vorstandschef Utz Claassen haben ihren spektakulären Streit um Schadenersatz in Millionenhöhe per Vergleich beendet. Beide Seiten erklären ihre wechselseitigen Forderungen für erledigt, gab Volker Böhm als Insolvenzverwalter der Ende 2011 zahlungsunfähig gewordenen Solarfirma bekannt. Ursprünglich hatte er von Claassen dessen gut neun Millionen Euro Antrittprämie wiederhaben wollen, die der schillernde Manager für nur 74 Tage an der Spitze des Unternehmens kassiert hatte. Dieser wiederum sah sich vom Pleiteunternehmen getäuscht und diffamiert, was er mit gut 200 Millionen Euro Schadenersatz in Rechnung stellte.

Nun verzichten beide Seiten auf ihre Regressansprüche. Claassens Kündigung sei rechtmäßig gewesen, erkennt Böhm an. „Bei realistischer Einschätzung bestand keine Aussicht, den Rechtsstreit zu gewinnen“, räumt er ein. Claassen wiederum verzichtet auf seine Forderung gegenüber der deutschen Solar Millennium-Mutter. Eine weitere Klage über 265 Millionen Dollar gegen deren US-Töchter hält der Energiemanager, früher Vorstandschef beim baden-württembergischen Energieversorger EnBW, dagegen aufrecht. Sollte er vor US-Gerichten siegen, profitieren davon auch die 16000 Anleihe-Gläubiger und 14000 Aktionäre von Solar Millennium. Denn Claassen hat sich gegenüber Böhm jetzt verpflichtet, ein Viertel einer eventuell erstrittenen Summe an ihn abzutreten und damit die Gläubigerquote noch zu erhöhen.

Größte Anlegerpleite der letzten Jahre

Der Fall von Solar Millennium gilt als eine der größten Anlegerpleiten der letzten Jahre, obwohl das Unternehmen mit vor der Pleite 300 Beschäftigten und zuletzt elf Millionen Euro Jahresumsatz ein Zwerg war. Anleihegläubiger und Aktionäre haben beim Zusammenbruch schätzungsweise 230 Millionen Euro verloren. Etwa ein Fünftel ihres Einsatzes könnten die Gläubiger nach der jetzigen Einigung mit Claassen wiedersehen, schätzte ein Insider. Dazu kommt der Hoffnungswert von Claassens US-Klage.

Solar Millennium war die erste bekannte Solarfirma, die im Zuge der tobenden Branchenkrise kollabierte. Als Opfer der Umstände darf man die Erlanger aber nur sehr bedingt sehen. Bis zuletzt haben sich hartnäckig Betrugsvorwürfe an die Adresse früherer Aufsichtsräte und Unternehmensgründer gehalten.

Der Vergleich zwischen Claassen und Böhm nährt entsprechende Spekulationen. Man habe sich darauf verständigt, dass Claassen die Insolvenzverwaltung umfassend „bei der möglichen Geltendmachung etwaiger Schadenersatzansprüche gegenüber ehemaligen Aufsichtsratsmitgliedern der Solar Millennium AG unterstützen wird“, erklärte Böhm. Details dazu wollte der Insolvenzverwalter nicht nennen. Regressklagen seien ernsthaft in Prüfung, will dagegen ein Insider wissen.

Solar Millennium wollte unter anderem in den USA das weltgrößte Solarthermiekraftwerk mit 2,25 Gigawatt Leistung bauen. Die Pleitefirma war an der Börse einmal mit einer halben Milliarde Euro bewertet worden.

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