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USA Trump schießt sich ins eigene Knie

Der von Donald Trump angedrohte Protektionismus würde laut einer Bertelsmann-Studie vor allem den USA selbst schaden. Eine Analyse.

Donald Trump
Setzt US-Präsident Donald Trump sein Credo „America First“ um, verlieren alle – vor allem die USA. Foto: dpa

Bislang ist es nur Gepolter. Das Ende der Globalisierung, wie wir sie kennen, ist derzeit nicht mehr als ein uneingelöstes Wahlkampfversprechen. Ein Schwall trotziger Drohungen, ausgesprochen von einem der mächtigsten Männer dieser Welt. Alles Böse kommt von außen, verkündet Donald Trump in regelmäßigen Abständen. Er könnte kaum falscher liegen, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Setzt der US-Präsident sein Credo „America First“ um, verlieren alle – vor allem die USA. Eine amerikanische Abschottungspolitik würde weltweit zu Einkommensverlusten führen. Besonders betroffen wären die USA selbst. Eine neue Untersuchung des Münchner Ifo-Instituts im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung macht deutlich: Protektionismus ist im internationalen Handel ein Verlustgeschäft und wäre ein amerikanischer Schuss ins eigene Knie.

Die Studie spielt durch, was es für 43 Staaten und den Rest der Welt bedeuten würde, sollten Trumps Parolen Taten folgen. Dafür simuliert sie drei Szenarien: die Auflösung des nordamerikanischen Freihandelsabkommens Nafta, die Einführung einer US-Importsteuer von 20 Prozent bei einer prozentual gleichen Exportsubvention („Border Tax Adjustments“) sowie ein großes Alle-gegen-Alle, einen Handelskrieg, ausgelöst durch die Erhöhung aller US-Zölle um 20 Prozent.

Das Ergebnis: Im Fall eines Handelskriegs würde die jährliche amerikanische Wirtschaftsleistung durch Importzölle und andere Erschwernisse um 2,3 Prozent oder 415 Milliarden US-Dollar zurückgehen. Und das reale Pro-Kopf-Jahreseinkommen würde langfristig um 1300 US-Dollar sinken. Dabei gilt, ganz gleich, welchem der drei Szenarien man folgt: Trumps „America Frist“ wäre wörtlich zu nehmen – und auf die negativen Folgen einer solchen Politik zu beziehen. Die amerikanischen Verbraucher würden die Auswirkungen der Abschottung unmittelbar und als erste spüren. Weil die Preise stiegen, würde die Kaufkraft ihrer Einkommen zwangsläufig sinken.

Dabei war Trumps Idee doch eine andere: Die eigene Wirtschaft abschirmen, das Land verbarrikadieren, um Arbeitsplätze und Einkommen zu sichern. Die Studie zeigt: Funktionieren würde das nicht. Denn eine Abschottung ließe auch die US-Exporte sinken. Machten die USA die Importe aus der ganzen Welt um jeweils 20 Prozent teurer, würden die US-Exporte in die meisten Länder laut Ifo-Berechnungen um 40 bis 50 Prozent zurückgehen. Amerikanische Wirtschaftssektoren, die auf Vorleistungen aus dem Ausland angewiesen sind, wären die Verlierer. Ihre Produktionskosten würden sich erhöhen, sie wären weniger wettbewerbsfähig gegenüber der ausländischen Konkurrenz. Und selbst wenn jene Sektoren profitieren würden, die momentan international nicht mithalten, könnten sie die Einbußen in anderen Sektoren nicht aufwiegen.

Auch deshalb dürften die Szenarien der Studie wohl Gedankenspiele bleiben. Zum Nafta-Abkommen bekannte sich Trump im April. Den Vorschlag, ein „Border Tax Adjustments“ einzuführen, wiesen die Republikaner Ende Juli zurück. Und statt eines globalen Handelskriegs scheinen derzeit US-Maßnahmen gegen einzelne Branchen in China oder Mexiko viel wahrscheinlicher. Womöglich weiß Trump sehr wohl um den möglichen Schaden seiner Abschottungsfantasien. Allem Gepolter zum Trotz.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier USA

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