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Unitymedia und Kabel Baden-Württemberg Erfolgreich verkabelt

Die Fusion der Kabelanbieter Unitymedia und Kabel Baden-Württemberg ist genehmigt worden. Nun gibt es nur noch zwei große Anbieter auf dem deutschen Kabelmarkt. Wettbewerbshüter rechnen dennoch mit sinkenden Preisen für die Kunden.

Der Fusion zwischen Unitymedia und Kabel Baden-Württemberg steht nichts mehr im Weg. Foto: dpa

Nach einem monatelangen zähen Ringen hat das Kartellamt die Fusion von Kabel Baden-Württemberg (Kabel BW) mit Unitymedia genehmigt. Das bedeutet: Künftig gibt es in Deutschland nur noch zwei statt bisher drei große Anbieter für das Fernsehen, Internetsurfen und Telefonieren über das TV-Kabel. Genau genommen darf die Unity-Mutter, der US-Konzern Liberty Global, das Unternehmen im Südwesten schlucken.

Unter dem Liberty-Dach formiert sich nun ein Unternehmen, das in Hessen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg knapp sieben Millionen Haushalte beliefert. In den übrigen Regionen der Republik ist Kabel Deutschland mit rund 8,7 Millionen Kunden unterwegs.

Es handelt sich um einen der größten Deals in der Telekommunikationsbranche der vergangenen Jahre hierzulande. Liberty übernimmt für 3,2 Milliarden Euro das baden-württembergische Unternehmen vom Finanzinvestor EQT. Für die Kunden wird sich zunächst nichts ändern. Die Wettbewerbshüter hoffen aber, dass der Deal letztlich zu mehr Wettbewerb führt, was sinkende Preise und ein besseres Angebot für die Kunden mit sich bringen könnte.

Wie ist das in Anbetracht der Fusion von zwei Firmen möglich, die den Kabelmarkt in ihren Regionen ohnehin schon ganz klar dominieren?

Andreas Mundt, Präsident des Kartellamts, sprach am Donnerstag von „weitreichenden Zusagen“, die seine Behörde Liberty abgerungen habe. Sowohl Unity als auch Kabel BW haben mit großen Wohnungsbaugesellschaften „Gestattungsverträge“ abgeschlossen, die in der Regel über zehn oder 15 Jahre laufen. Darin wird festgeschrieben, dass den Mietern bei TV via Kabel ausschließlich die Dienste der beiden Firmen angeboten werden. Über diesen Weg wurden natürlich auch viele Telefon- und Internetkunden gewonnen. Als Gegenleistung haben die Kabelfirmen in den Gebäuden Strippen gezogen und teils weit verzweigte Leitungsnetze aufgebaut. Diese monopolartigen Strukturen sollen aufgebrochen werden, und zwar für die besonders interessanten Verträge mit mehr als 800 Wohneinheiten und Restlaufzeiten mit mehr als drei Jahren.

Kabelnetze werden für Konkurrenten geöffnet

Wohnungsgesellschaften haben hier ein Sonderkündigungsrecht. Sie können sich also einen neuen Anbieter suchen, etwa die Telekom oder Vodafone. Diese Konkurrenten können künftig die digitalen Signale für die beliebtesten TV-Sender von Unity und Kabel BW quasi im Großhandel einkaufen und an die Nutzer weiterveräußern. Denn das Kartellamt hat auch festgelegt, dass die Verschlüsselung für diese Programme aufgehoben wird. Außerdem gibt Liberty „Exklusivitäts- und Eigentumsklauseln“ auf. Dabei geht es um die Leitungsnetze in den Miethäusern. Diese blieben bislang auch nach Ablauf der Gestattungsverträge im Besitz der Kabelfirmen. Wollte ein Konkurrent TV-Signale liefern, hätte er also ein neues Netz bauen müssen. Nun fallen nach Ablauf der Verträge die Strippen in den Besitz der Wohnungsgesellschaften, andere Anbieter können sie also nutzen.

Auch Justus Haucap, Vorsitzender der Monopolkommission, sprach von einer „vernünftigen Entscheidung“. Die Kommission hält es für sinnvoll, Kabelnetze nicht nur in Liberty-Regionen, sondern überall im Land für die Konkurrenten zu öffnen. Das müsse mit dem Abschaffen von Privilegien der Kabler einhergehen, etwa dem „Nebenkostenprivileg“. Vermieter dürfen bislang Aufwendungen für den Kabelanschluss über die Nebenkosten bei den Vermietern einkassieren.

Unitymedia begrüßte in einer ersten Reaktion „die Akquisition von Kabel BW durch Liberty Global“. Der Wettbewerb mit Telekommunikationsfirmen werde nun „noch effektiver gestaltet“.

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