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Ungleichheit Die große Spaltung

Die Weltwirtschaft läuft rund - doch von dem Wachstum profitieren vor allem Spitzenverdiener. Eine internationale Studie sieht die zunehmende Privatisierung als Hauptursache.

Mumbai
Manchmal liegen Armut und Reichtum auch sehr nah beieinander, wie hier in Mumbai, Indien. Foto: rtr

Die globale Wirtschaftsleistung wächst, die Welt ist so reich wie nie zuvor. Gleichzeitig verteilen sich die Erträge der Produktion zunehmend ungleich. Während die Ungleichheit zwischen den einzelnen Ländern vor allem dank des Aufschwungs in Asien abgenommen hat, geht die Schere innerhalb fast aller Länder immer weiter auseinander – in Deutschland ist sie mittlerweile wieder so groß wie vor 100 Jahren. Das ist das Ergebnis des ersten Berichts zur weltweiten Ungleichheit. „Hauptursache der ökonomischen Ungleichheit ist die ungleiche Verteilung von Kapital“, erklären die Autoren und warnen: Steuert die Politik nicht gegen, wächst die Kluft immer weiter.

Der Bericht ist das Werk von 100 Wissenschaftlern aus aller Welt. Ihr prominentester Vertreter ist der Franzose Thomas Piketty, der 2014 mit seinem Buch „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ für Furore sorgte. Zwar sind seine Berechnungsmethoden umstritten, die von ihm und seinen Kollegen geführte Datenbank zur globalen Ungleichheit findet jedoch allgemein Anerkennung.

Laut Bericht ist die Einkommensungleichheit weltweit sehr unterschiedlich ausgeprägt, was den Spielraum der Politik bei der Angleichung belege. So betrug 2016 der Anteil der reichsten zehn Prozent der Einkommensbezieher am gesamten Einkommen im Nahen Osten 61 Prozent, in den USA 47 Prozent und in Europa 37 Prozent.

Die Schere geht auseinander

Seit 1980 sei die Schere in fast allen Ländern auseinandergegangen – besonders stark in Nordamerika, China, Indien und Russland. Aber auch in Europa brachten die Achtzigerjahre „das Ende eines egalitären Nachkriegsregimes“, schreiben die Wissenschaftler. Die Zunahme der Ungleichheit war vor allem der Tatsache geschuldet, dass die Reichsten überproportional vom Wirtschaftswachstum profitierten. Zwar verzeichnete die untere Hälfte der Einkommensbezieher seit 1980 einen Zuwachs von zwölf Prozent. Das oberste Prozent jedoch erhielt mit 27 Prozent mehr als doppelt so viel. Der Anteil dieser Gruppe am Gesamteinkommen legte von 16 auf 20 Prozent zu. Der Anteil der unteren Hälfte dagegen hat sich bei nur neun Prozent eingependelt.

Im Kapitel über Deutschland zeichnet die Ökonomin Charlotte Bartels die Entwicklung seit 1873 nach. Vom Wirtschaftsboom Ende des 19. Jahrhundert profitierten vor allem die Wohlhabenden. In der Weimarer Republik drückten dann Steuererhöhungen, starke Gewerkschaften und Wirtschaftskrise das Einkommen der reichsten zehn Prozent. Ab 1933 ging es für die Reichsten jedoch wieder bergauf, was „im deutlichen Gegensatz zur ursprünglichen Anti-Big-Business-Rhetorik der Nazi-Partei steht“, so Bartels.

Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb der Einkommensanteil der Großverdiener hierzulande hoch, höher als in Ländern wie Frankreich, Großbritannien oder den USA. Dennoch konnte die ärmere Hälfte der Bevölkerung im Wirtschaftswunder ihre Position ausbauen. Auch die Wiedervereinigung sorgte für einen stärkeren Ausgleich. Eine Wende kam dann allerdings mit dem neuen Jahrtausend, der Einkommensanteil der ärmeren Hälfte der Bevölkerung schrumpfte von 22 Prozent auf 17 Prozent im Gleichschritt mit dem Ausbau des Niedriglohnsektors. Der Anteil der reichsten zehn Prozent wiederum liegt heute mit 40 Prozent wieder so hoch wie vor dem Ersten Weltkrieg.

Vermögen ungleicher verteilt als Einkommen

Insgesamt, so Bartels, gehörten zwar vermehrt auch gut ausgebildete Ingenieure, Ärzte und Rechtsanwälte zu den Bestverdienern in Deutschland. „Die Top-Einkommen jedoch gehören exklusiv den Eigentümern der Unternehmen.“ Dies ist laut den Autoren des Berichts weltweit zu beobachten.

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