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Unerwünschte Studienergebnisse beim DIW Zimmermanns Eiertanz

Der Chef des Instituts für Wirtschaftsforschung wird durch eine Studie aus dem eigenen Haus widerlegt – jetzt wird sie überarbeitet und nicht wie angekündigt veröffentlicht.

17.11.2010 09:43
Daniel Baumann und Sebastian Wolff
Klaus Zimmermann Foto: dpa

45 Stunden in der Woche müssten die Deutschen bald arbeiten, wenn der Fachkräftemangel nicht behoben werde, findet der Ökonom Klaus Zimmermann. Der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) singt oft mit, wenn die Arbeitgeber das Klagelied vom ausgetrockneten Arbeitsmarkt anstimmen. 70 Prozent der Firmen hierzulande hätten Probleme, Fachkräfte einzustellen, teilt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag mit. Doch Arbeitsmarktforscher, die der Industrie weniger nahe stehen, zweifelten schon lange an diesen Zahlen.

Gespannt blickten sie deshalb gestern nach Berlin. Dort sollte ein Papier veröffentlich werden, in dem ausgerechnet der DIW-Experte Karl Brenke zu dem Schluss kommt, dass der Fachkräftemangel nichts anderes als ein Hirngespinst sei. So viel wurde vorab bekannt. Doch dann geschah den ganzen Tag über: nichts! Das DIW veröffentlichte das Papier nicht wie angekündigt. Stattdessen gab es die dürre Erklärung, dass Produktionsprobleme – angeblich wegen erkrankter Mitarbeiter – die Publikation verhindert hätten.

Doch wie die FR erfuhr, steckt hinter der Nicht-Veröffentlichung auch Zimmermann. „Er hatte den Wunsch, mit dem Autor noch einmal darüber zu reden“, hieß es im Institut. Erst auf Nachfrage räumte die Pressestelle ein: „Die Studie musste noch einmal überarbeitet werden.“ In dem Papier wundert sich Brenke, wie die Firmen über Fachkräftemangel klagen könnten, wo der Arbeitsplatzabbau in der Industrie erst gerade zum Stillstand gekommen ist. Noch im August habe die Zahl der Beschäftigten in der Industrie um 300.000 unter dem Vorkrisenniveau gelegen. Auch die Löhne – ein Knappheitsindikator – von Fachkräften sind nicht stärker gestiegen als die anderer Arbeitnehmer.

Für Zimmermann, der bislang das Gegenteil behauptet hat, ist die Situation unangenehm. Kritiker unterstellen ihm schon lange, auf dem Schoß der Arbeitgeber zu sitzen. Es wird sich nun zeigen, wie unabhängig die Forschung am DIW tatsächlich ist. Die überarbeitete Analyse von Brenke soll morgen veröffentlicht werden.

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