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Umzug aus London Frankfurt ist einer der großen Brexit-Profiteure

Frankfurt profitiert laut einer Studie zusammen mit Dublin und Luxemburg am stärksten vom Brexit. 18 Unternehmen haben sich bereits angekündigt.

Frankfurt am Main
Frankfurt profitiert vom Brexit. Foto: rtr

Als die Briten vor gut einem Jahr den EU-Austritt gewählt haben, hat das Erbsenzählen begonnen. Frankfurt, Dublin, Paris oder Luxemburg, welcher Standort macht die größte „Brexit“-Beute? Bis dato zählt die Mainmetropole zu den Gewinnern, wie eine Studie der Unternehmensberatung EY zeigt. Und es kommt Bewegung in die Sache, denn auch die Briten wollen mehr Klarheit: Am Freitag läuft eine Frist der Bank of England für in Großbritannien tätige Finanzinstitute ab, ihre Brexit-Pläne offenzulegen.

Von den 222 größten Finanzunternehmen, die signifikante Geschäftsaktivitäten in Großbritannien unterhalten, haben laut der EY-Studie bis Ende Juni 27 Prozent angekündigt, Personal und Geschäftsbereiche aus Großbritannien ins Ausland zu verlagern. Ende März waren es 23 Prozent. „Frankfurt, Dublin und Luxemburg profitieren derzeit am stärksten“, sagte Omar Ali, Leiter Finanzdienstleistungen Großbritannien bei EY. 

Finanzbranche hofft auf weichen Brexit

19 Finanzunternehmen zieht es demnach nach Dublin, 18 nach Frankfurt, elf nach Luxemburg. Bei den Investmentbanken teilen sich Frankfurt und Dublin die Spitzenposition vor Paris, bei Vermögensverwaltern hat Luxemburg die Nase vorn. Weitere 15 Unternehmen haben Umzugspläne angekündigt, aber noch kein konkretes Verlagerungsziel genannt.

„Die Vielzahl der Standorte unterstreicht, dass keiner von ihnen als überzeugende Alternative zu London heraussticht“, sagte Ali. 68 Prozent der Unternehmen haben noch keine Angaben zu den Brexit-Auswirkungen auf Personal und Niederlassungen gemacht.

Das könnte sich bald ändern. Im April forderte die britische Finanzmarktaufsichtsbehörde PRA Banken, Versicherer und Investmentunternehmen mit grenzüberschreitenden Geschäftstätigkeiten zwischen Großbritannien und der EU auf, ihre Ausweichpläne einzureichen.

Dabei sollten die Finanzdienstleister skizzieren, wie sie auf die potenziellen Szenarien zu reagieren gedenken - je nachdem, wie „hart“ der Brexit für die Branche ausfällt. Die Finanzstabilität soll gewährleistet, die Unternehmen sollen vorbereitet sein und die britische Notenbank will deren Antworten in ihre Pläne einfließen lassen.

Die Finanzunternehmen wollen nicht riskieren, die Lizenz für Geschäfte in der EU zu verlieren, wenn Großbritannien voraussichtlich 2019 nicht mehr dabei ist. Das Ausgangsszenario der Branche ist ein harter Brexit, sie hofft aber auf einen möglichst weichen. 

Finanzaufsicht lehnt Briefkastenfirmen ab

Bei Standard Chartered, Nomura, Sumitomo Mitsui und Daiwa fiel die Wahl in der EU-Standort-Frage bereits auf Frankfurt. Die US-Banken Morgan Stanley und Goldman Sachs wollen ihren Standort am Main beide ausbauen, JP Morgan wird sich wohl für Frankfurt als rechtlichen Sitz für ihr Europageschäft entscheiden. 

Die meisten Banken dürften mehrgleisig fahren und Mitarbeiter sowie Geschäftsbereiche auf mehrere EU-Standorte verteilen. Für die Citigroup dürfte Dublin der mit 2500 Mitarbeitern größte Standort in der EU bleiben, Kreisen zufolge könnte sie für das Broker-Dealer-Geschäft aber Frankfurt als Standort wählen. 

Die deutsche Finanzaufsicht Bafin rechnet damit, dass viele Institute erst im zweiten Halbjahr ihren Antrag auf eine deutsche Banklizenz einreichen. Die Deutsche Bank besitzt zwar eine, erwägt aber dennoch einen Teilrückzug aus London. 

Die Bafin hat zwar klargestellt, dass sie bei der Lizenzvergabe keine Briefkastenfirmen dulden wird. Aber solange unklar ist, ob Teile des Geschäfts nicht doch von London aus erledigt werden können, ist für die Finanzbranche die Standort-Frage bezüglich Mitarbeiterzahl und Geschäftsbereichen zweitrangig. Die Klärung der regulatorischen Anforderungen hat für sie oberste Priorität. So hat die britische Großbank HSBC angekündigt, mit 1.000 Beschäftigten an die Seine zu ziehen, sollte es zu einem harten Brexit kommen, ansonsten könnten es deutlich weniger sein.

„Die französische Regierung ist bestrebt, die Attraktivität von Paris mit allen Mitteln zu erhöhen“, sagte der französische Ministerpräsident Edouard Philippe diese Woche in Paris. Er will die Stadt zu Europas Finanzzentrum Nummer eins ausbauen. Bis die Brexit-Details geklärt sind, darf weiter spekuliert werden, wer das Rennen macht.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Großbritannien

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