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Umweltzerstörung Glencore droht NGOs nach Kritik

Facing Finance und Misereor nehmen ihren Boykott-Aufruf gegen Glencore aus dem Netz. Der Rohstoff-Multi hatte mit einer Schadensersatzklage gedroht.

In der Kritik
Die Studie von FF und Misereor listet zahlreiche Vorwürfe gegenüber Glencore auf - darunter Menschenrechtsverletzungen, Umweltzerstörung, Korruption und Steuervermeidung. Foto: Michael Buholzer (X90139)

Der Schweizer Bergbaukonzern Glencore setzt die Nichtregierungsorganisationen Facing Finance (FF) und Misereor unter Druck. In einem Schreiben, das der Frankfurter Rundschau vorliegt, droht der Rohstoff-Multi mit Schadensersatzansprüchen, sollten die beiden Organisationen „Boykott-Aufrufe“ nicht aus dem Netz nehmen.

Hintergrund ist ein Report von FF und Misereor über „Fragwürdige Unternehmenstätigkeiten des Schweizer Rohstoffriesen Glencore und die Verantwortung deutscher Banken“, über den auch die FR berichtet hatte. Die Studie listet zahlreiche Vorwürfe gegenüber Glencore auf - darunter Menschenrechtsverletzungen, Umweltzerstörung, Korruption und Steuervermeidung im Zusammenhang mit Bergbauaktivitäten in Entwicklungsländern. In einer gemeinsamen Presseerklärung zur Studie hatten Misereor und FF deutsche Banken dazu aufgerufen, Konzerne, denen solche Vergehen „vorgeworfen beziehungsweise nachgewiesen werden“, weder zu finanzieren noch sich an ihnen zu beteiligen.

In den Augen von Glencore enthält der Report „pauschale und unbelegte Vorwürfe“ und „falsche Tatsachenbehauptungen“, die geeignet seien, „den Ruf von Glencore zu schädigen“. Es handele sich dabei nach dem Schweizerischen Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb um eine „widerrechtliche Diskreditierung“.

Angesichts der Drohung des weltgrößten Rohstoffhändlers, Regress für den drohenden Reputationsverlust zu fordern, haben die Menschenrechtsorganisation FF und das katholische Hilfswerk Misereor nun „notgedrungen“ reagiert und die Presseerklärung von ihren Webseiten genommen, wie FF am Montag mitteilte.

„Nicht weil wir unsere Forderungen und Vorwürfe nicht vertreten oder belegen können“, sagte FF-Vorstand Thomas Küchenmeister der FR. „Aber als gemeinnützige Organisation können wir uns schlicht einen langwierigen und teuren Prozess mit Glencore nicht leisten.“

Von der Studie über Glencore nehmen FF und Misereor hingegen keinen Deut zurück. In einem Antwortschreiben an den Konzern verweist FF im Gegenteil auf zahlreiche Medienberichte über Verfehlungen des Bergbauriesen und negative Bewertungen in Sachen Nachhaltigkeit durch renommierte Ratingagenturen. Zuletzt habe deshalb etwa Norwegens größter Lebensversicherer KLP bekannt gegeben, seine Anteile an Glencore zu verkaufen.

Beobachter sehen hinter der Drohung von Glencore eine gezielte Taktik, Kritiker einzuschüchtern. Zuletzt seien davon in der Schweiz auch Brot für alle, Public Eye und Multi Watch betroffen gewesen. FF, Misereor und Glencore treffen sich jetzt zunächst nicht vor Gericht, vielleicht aber an einem Tisch. Entsprechende Gesprächsangebote haben beide Seiten ausgetauscht.

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