Lade Inhalte...

Umsatz und Gewinn Überraschung für Anleger

So oft wie nie korrigierten Dax-Konzerne im vergangenen Jahr ihre Prognose nach oben.

Börsenfasching in Frankfurt
Anlass für gute Stimmung an der Börse gab es 2017 genug. Am Dienstag war Fasching der Grund für ausgelassenes Treiben auf dem Parkett. Foto: dpa

Viele börsennotierte Unternehmen in Deutschland haben im vergangenen Jahr deutlich bessere Geschäfte als erwartet gemacht. Insbesondere kleinere Aktiengesellschaften mit einem Jahresumsatz unter 250 Millionen Euro übertrafen die eigenen Prognosen reihenweise: Gut die Hälfte dieser Unternehmen hoben 2017 mindestens einmal ihre Gewinn- oder Umsatzerwartungen an. Die Zahl der positiven Korrekturen insgesamt stieg von 89 auf 199 um mehr als das Doppelte und erreichte damit ein Rekordniveau.

Dies geht aus einer Analyse der Unternehmensberatung EY hervor, die seit dem Jahr 2011 Gewinn- und Umsatzkorrekturen der 304 deutschen Unternehmen im Prime Standard der Frankfurter Börse erfasst. Zu dem strenger regulierten Prime Standard gehören auch die Börsenindizes Dax, M-Dax, Tec-Dax sowie
der S-Dax.

Wie gut es der deutschen Wirtschaft vor allem in der jüngeren Vergangenheit geht, verdeutlicht ein Langzeitvergleich: 2012 hatten die untersuchten Unternehmen lediglich 28 Mal ihre Erwartungen nach oben geschraubt. Diese Zahl hat sich mittlerweile versiebenfacht. Vor allem in den Branchen Telekommunikation und Immobilien liefen die Geschäfte 2017 bestens: Sieben der neun gelisteten Telekommunikationsfirmen sowie 13 der 19 Immobilienunternehmen setzten ihre Gewinn- oder Umsatzerwartungen im Lauf des Jahres herauf. Im branchenübergreifenden Schnitt wurden die Prognosen um ein Fünftel angehoben.

Allerdings keineswegs in allen Unternehmen. Denn nicht nur die Zahl positiver, sondern auch die der negativen Korrekturen erreichte 2017 mit einen Höchststand: 95 Mal veröffentlichten die Aktiengesellschaften eine Gewinn- oder Umsatzwarnung. Gegenüber 2016 mit 66 Warnungen bedeutet dies einen Anstieg um 44 Prozent. Im Schnitt wurden die Angaben gegenüber den vorangehenden Prognosen um 43 Prozent nach unten geschraubt. Betroffen war vor allem die Autobranche: Sechs der 13 im Prime Standard gelisteten Unternehmen gaben 2017 mindestens eine Warnung heraus.

Von Bedeutung sind die Meldungen nicht zuletzt für Anleger: Im Schnitt sank der Börsenwert der Unternehmen mit Gewinn-/Umsatzwarnungen binnen Wochenfrist um acht Prozent, während positive Korrekturen mit einem Plus von drei Prozent belohnt wurden. Dass im vergangenen Jahr vier von zehn der untersuchten Aktiengesellschaften wenigstens einmal ihre eigenen Erwartungen nach oben oder unten korrigieren mussten, zeigt eines deutlich: Wirtschaftliche und politische Unwägbarkeiten nehmen zu und erschweren trittfeste Aussagen zum Geschäftsverlauf. „Politische Entscheidungen sind weniger berechenbar geworden, weitere geopolitische Spannungen können jederzeit ausbrechen, neue Technologien haben teils massive Auswirkungen auf die Geschäftsmodelle der Unternehmen“, erklärt EY-Experte Marc Förstemann. Die Wirtschaft segle in stürmischen Gewässern.

So stünden dem unerwartet kräftigen Wirtschaftswachstum in Europa, Asien und Nordamerika steigende Rohstoffpreise, ein hoher Eurokurs, die Konjunkturschwäche Großbritanniens und die sprunghafte Politik des US-Präsidenten Donald Trump gegenüber.

Dessen angekündigte Steuerreform etwa wird Daimler und BMW kräftige Entlastungen bescheren: Die beiden Autobauer korrigierten ihre Prognosen um 1,7 beziehungsweise 1,55 Milliarden Euro nach oben. Die Deutsche Bank dagegen beziffert den Effekt der US-Steuerreform mit minus 1,4 Milliarden Euro allein im vierten Quartal.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum