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Umbau der WestLB Ende des Größenwahns

Die WestLB war einst die größte deutsche Landesbank. Jetzt wird sie in Teilen verkauft oder abgewickelt. Nur ein Teil der 4300 Beschäftigten wird bei der Helaba unterkommen. Massiver Stellenabbau ist geplant.

Der Name verschwindet: Was sich nicht verkaufen lässt, wird abgewickelt. Foto: picture alliance/dpa

Lange Zeit war sie der Stolz des Landes Nordrhein-Westfalen, zuletzt galt sie nur noch als Symbol für Vetternwirtschaft und Größenwahn. Nun wird die Westdeutsche Landesbank (WestLB) endgültig zerschlagen, ihr Bankgeschäft wird weitgehend abgewickelt. Am Dienstag genehmigte die EU-Kommission in Brüssel nach langem Tauziehen den Umbauplan der Anteilseigner. Der zuständige Kommissar Joaquín Almunia sagte, das Kapitel WestLB könne nun „ein für alle Mal“ geschlossen werden. Die Lösung liege im Interesse des Wettbewerbs und der Steuerzahler, „die bereits einen hohen Preis gezahlt haben“.

Derzeit beschäftigt die Bank noch rund 4300 Mitarbeiter. Eigentümer sind das Land Nordrhein-Westfalen und die regionalen Sparkassen. Ihrem Plan zufolge soll das Düsseldorfer Institut zum 30. Juni 2012 in mehrere Teile zerlegt werden. Einer davon wird die sogenannte Verbundbank mit 400 Mitarbeitern sein, die als Zentralbank für die Sparkassen fungiert. Dieses Unternehmen kommt unter das Dach der Landesbank Hessen-Thüringen.

Auch der Name WestLB soll verschwinden

Alle Geschäfte, die sich bis dahin nicht verkaufen lassen, landen Mitte des Jahres in der Ersten Abwicklungsanstalt (EEA). Das ist die Bad Bank der WestLB. Bislang verwaltet die EEA Schrottpapiere. Künftig soll sie überdies die verbliebenen Vermögenswerte der Landesbank abwickeln. Neue Bankgeschäfte wird die WestLB nach dem 30. Juni 2012 nicht mehr tätigen dürfen. Auch der Name soll verschwinden.

Der Großteil der Beschäftigten wird sich in einer dritten Firma wiederfinden: Einer Servicegesellschaft, die Dienstleistungen für die Bad Bank erbringt. Die Jobs dort werden aber voraussichtlich nicht allzu sicher sein. Bis Ende 2012 sind betriebsbedingte Kündigungen zwar ausgeschlossen. Danach rechnen die WestLB-Gesellschafter aber mit einem stetigen Personalabbau. Möglicherweise werden bis Ende 2016 nur noch 1000 Arbeitsplätze übrig bleiben.

Die Bank hatte sich mit Wertpapieren verzockt

Die Westdeutsche Landesbank beschäftigte zu ihrer besten Zeit mehr als 11.000 Mitarbeiter. Das eigentliches Kerngeschäft, Dienstleistungen für die Sparkassen in Nordrhein-Westfalen, war ihr bereits in den 1970er Jahren zu bieder geworden. Sie wollte ein ganz großes Rad in der internationalen Kreditwirtschaft drehen und gründete nach und nach Niederlassungen rund um den Globus. Seit den späten 1990er Jahren versuchte sie sich auch im risikoreichen Investment-Geschäft. Die Politik in Nordrhein-Westfalen stand ihr bei alldem wohlwollend zur Seite.

Im Frühjahr 2008, noch vor der Pleite der US-Bank Lehman Brothers, mussten der Staat und die Sparkassen zur Hilfe eilen, um einen Zusammenbruch der WestLB zu verhindern. Die Bank hatte sich mit Wertpapieren verzockt. Die Anteilseigner gaben Garantien über fünf Milliarden Euro ab.

Nordrhein-Westfalen muss eine Milliarde Euro für die Servicegesellschaft aufbringen

Das gestattete die Brüssler Kommission aber nur unter strengen Auflagen, die WestLB musste sich von Geschäftsfeldern trennen. Später gab der Bund noch eine Finanzspritze über drei Milliarden Euro.

2010 meldete die EU-Kommission erneut Bedenken an: Das Institut hatte im großen Stil Vermögenswerte in die Bad Bank übertragen. Nach Brüsseler Auffassung geschah das unter Marktwert, was als Beihilfe zu werten sei. Die WestLB wurde aufgefordert, das Geld zurückzuzahlen oder noch weiter zu schrumpfen. Da sie dazu nicht in der Lage war, beschlossen die Anteilseigner, das Institut zu zerschlagen und vom Markt verschwinden zu lassen.

Um der WestLB ein Ende zu bereiten, müssen der Staat und die Sparkassen jetzt noch einmal tief in die Tasche greifen. Das Land Nordrhein-Westfalen muss eine Milliarde Euro für die Servicegesellschaft aufbringen. Der Bund erhält von seiner Einlage über drei Milliarden nur eine Milliarde zurück. Und die Sparkassen stecken nun noch einmal eine Milliarde Euro in die neue Verbundbank.

Die EU-Kommission geht davon aus, dass sich die Abwicklungskosten insgesamt auf bis zu 5,85 Milliarden Euro belaufen werden.

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