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Übernahmen Rückkehr der Heuschrecken

Die Finanzkrise hat den Private-Equity-Investoren einen Dämpfer versetzt. Jetzt sind sie zurück und kaufen wieder kräftig Firmen auf.

Die Heuschrecken sind zurück. Im Jahr 2016 haben Private-Equity-Gesellschaften in Deutschland für insgesamt knapp 23 Milliarden Euro 212 Unternehmen mit 107 000 Beschäftigten aufgekauft. Dies ist einer Auswertung der Hans-Böckler-Stiftung zufolge das höchste Übernahme-Volumen seit 2007, dem letzten Jahr vor Ausbruch der Weltwirtschaftskrise. Im Frühling 2005 hatte der damalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering die Unternehmensaufkäufer als „Heuschrecken“ bezeichnet, die alles auffressen und dann ökonomische Ödnis hinterlassen.

Daran hat sich, ungeachtet eines vorübergehenden Rückgangs der Private-Equity-Aktivitäten nach der Lehman-Brothers-Pleite im Herbst 2008 nichts grundlegend geändert: Die Investoren sammeln mit hohen Renditeversprechen Geld privater Anleger ein, bilden geschlossene Fonds, kaufen damit Unternehmensanteile auf und übernehmen so die Kontrolle über die Firmen.

Die Folgen sind in der Regel rigorose Kostensenkungen, oftmals verknüpft mit Entlassungen. So sollen einesteils die jährlichen Erträge gesteigert werden. Und andernteils soll nach einer überschaubaren Zeitspanne gen Jahren das Unternehmen zu einem höheren Preis wieder verkauft werden können. Denn von Dauer sind die Engagements nicht.

Große Betriebe sind die Ausnahme

Der „Private-Equity-Monitor“, den die gewerkschaftsnahe Böckler-Stiftung an diesem Mittwoch zum dritten Mal vorstellt, macht das Geschehen anschaulich. 2016 entfielen 40 Prozent der Private-Equity-Übernahmen auf Industrieunternehmen der Branchen Chemie und Pharma, Elektrotechnik, Maschinen- und Fahrzeugbau. Die übrigen aufgekauften Unternehmen verteilen sich auf die Bereiche IT und Software, Gesundheit, Logistik, Medien, Energie, Bau und Dienstleistungen.

Große Betriebe bilden dabei die Ausnahme. Nur neun der 212 Firmen erzielten einen Jahresumsatz von mehr als 500 Millionen Euro, während 139 Übernahmekandidaten Umsätze unter 50 Millionen Euro verbuchten.

Unter den Investoren finden sich sowohl international bekannte wie Blackstone als auch hiesige, etwa die Deutsche-Beteiligungs-AG oder Auctus Capital Partners. Im Mittel befanden sich die 101 Unternehmen, die 2016 von – meist gewinnbringend – wieder verkauft wurden, sechs Jahre und zwei Monate im Besitz der Investoren.

Dass es sich dabei um ein lohnendes Geschäftsmodell für die Anleger handelt, verdeutlichen die Studienautoren um den Ökonomen Christoph Scheuplein vom Institut Arbeit und Technik Gelsenkirchen ebenfalls anhand konkreter Daten: Insgesamt 99 Private-Equity-Fonds schütteten im Jahr 2016 eine durchschnittliche Verzinsung von 13,8 Prozent an die Investoren aus. Als zusätzlich ertragssteigernd erweist sich der Umstand, dass knapp zwei Drittel der Fonds in Steueroasen angesiedelt sind. Nur 17 der 99 Fonds hatten ihren rechtlichen Sitz in Deutschland.

Aufkaufen, einsparen, abschöpfen und schließlich gewinnbringend abstoßen, all das oft „steueroptimiert“ am deutschen Fiskus vorbei – Münteferings Heuschreckenvergleich aus dem Jahr 2005 scheint auch heute noch höchst aktuell – ebenso wie die Forderung nach einer stärkeren Regulierung der Aktivitäten von Private-Equity-Investoren.

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