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Übernahme von Air Berlin Steigende Ticketpreise befürchtet

Wettbewerbsexperten sehen bei der Übernahme von Air Berlin durch die Lufthansa noch kartellrechtliche Probleme.

Lufthansa und Air Berlin
Der Deal ist perfekt: Die Lufthansa übernimmt 81 von 134 Maschinen der insolventen Air Berlin. Foto: dpa

Nach der Einigung auf eine Übernahme großer Teile der insolventen Fluglinie Air Berlin durch die Lufthansa am Donnerstag erwarten Wettbewerbs-experten kartellrechtliche Probleme und steigende Ticketpreise. Lufthansa und Air Berlin unterzeichneten am Donnerstagmittag in Berlin den Kaufvertrag.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte zuvor angekündigt, sein Unternehmen werde von Air Berlin voraussichtlich 81 Flugzeuge übernehmen und 3000 Mitarbeiter einstellen.

Je nachdem, wie der Übernahmevertrag gestaltet sei, könnten die Wettbewerbshüter der Europäischen Kommission Einwände vorbringen, sagte Achim Wambach, Vorsitzender der Monopolkommission, der FR. Das gelte besonders für Strecken, auf denen es keine ausreichende Konkurrenz gebe.

Ob die Lufthansa in eine Monopolstellung kommt, ist schwer zu berechnen – etwa, wenn Bus und Bahn eine Alternative zum innerdeutschen Flugverkehr darstellen. Daher muss nach einzelnen Strecken geprüft werden. Konkret geht es um Start- und Landegenehmigungen – sogenannte Slots – auf einzelnen Verbindungen, die im Zweifel an Konkurrenten vergeben werden müssten: „Jede Strecke ist ein Markt für sich“, so Wambach.

Dass die Lufthansa einzelne Slots abgeben muss, erwartet auch Tomaso Duso, Ökonom am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin: „Die Kommission dürfte die Lufthansa zwingen, einige der Start- und Landerechte auf bestimmten Strecken an Wettbewerber zu verkaufen.“ Wenn die Kommission nicht interveniere, werde die Übernahme den Wettbewerb reduzieren.

Sollte die EU-Kommission mangelnde Konkurrenz sehen, komme es auch auf die Lösungsvorschläge der Lufthansa an, sagt Monopolkommissionspräsident Wambach. Diese habe genug Zeit gehabt, sich auf die Prüfung vorzubereiten und sollte einen Plan B entwickelt haben.

Das hat Lufthansa-Chef Carsten Spohr tatsächlich angedeutet. Die Tochter Eurowings könne auf solchen Strecken gegen die Lufthansa antreten, die bislang von der Air Berlin bedient wurden, kündigte er an.

Kartellrechtler Daniel Zimmer zweifelte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur aber an den Plänen. „Das ist ein netter Versuch, die Wettbewerbsprobleme kleinzureden“, sagte der Ex-Chef der Monopolkommission. Niemand in der Geschäftsleitung eines Konzerns werde dafür sorgen, dass sich die verschiedenen Unternehmen des eigenen Hauses gegenseitig so viel Konkurrenz machten, wie es bisher zwischen Air Berlin und Lufthansa der Fall gewesen sei, so Zimmer.

Ökonom Duso zweifelt zudem am Versprechen der Lufthansa, dass die Ticketpreise trotz der Übernahme sinken werden. „Diese Aussage ist nichts wert“, sagt der DIW-Experte. Dafür spreche schon die Ankündigung, dass Lufthansa sich künftig mit Eurowings innerhalb des eigenen Konzerns Konkurrenz machen wolle. Das habe bei vergleichbaren Fällen in der Vergangenheit zu Preissteigerungen und Qualitätseinbußen geführt. Beides befürchtet Duso für die Strecken Frankfurt-Berlin, Köln-Berlin oder Köln-München, wo es dann kaum noch Wettbewerb gebe.

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