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Übernahme Neckermann unter der Sonne

Der US-Finanzinvestor Sun Capital hat alle Arcandor-Anteile übernommen. Neckermann soll inzwischen wieder wettbewerbsfähig sein. Noch dieses Jahr will die Gruppe aus den roten Zahlen und eine „schwarze Null“ schreiben.

08.10.2010 19:54
Peter Dietz
Neckermann setzt ganz stark aufs Internet. Foto: Andreas Arnold

Neckermann gehört von nun an komplett Sun Capital Partners. Wie der US-Finanzinvestor am Freitag mitteilte, hat die europäische Konzerntochter den noch fehlenden Anteil von 49 Prozent an dem traditionsreichen Versandhaus aus der Insolvenzmasse des Arcandor-Konzerns erworben. Die Übernahme sei einvernehmlich mit Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg erfolgt. Beide Parteien hätten „Stillschweigen zu Einzelheiten der Transaktion“ vereinbart. Konkret heißt das: Der Kaufpreis ist geheim.

Er freue sich, dass mit dem Verkauf nun eine klare Eigentümer-Struktur existiere, sagte Neckermann-Chef Henning Koopmann. Die Übernahme sei eine Bestätigung der eingeschlagenen Strategie, ein echter Online-Händler zu werden. Dieses Ziel werde weiter konsequent angesteuert, sagte der Manager. Dabei wähnt er Neckermann auf gutem Weg: Zurzeit erwirtschafte der Frankfurter Versandhändler zwei Drittel des Umsatzes im Internet. Für 2009 hatte das Unternehmen einen Erlös von knapp 750 Millionen Euro anvisiert. Mit dem Ende des Konkurrenten Quelle war Neckermann automatisch auf Rang drei der größten deutschen Online-Händler geklettert – hinter Amazon und Otto.

Der US-Finanzinvestor Sun Capital war im März 2008 bei Neckermann eingestiegen. Der inzwischen insolvente Essener Handelskonzern Arcandor (damals: Karstadt, Primondo, Thomas Cook) hatte seinen Verlustbringer abstoßen wollen, Sun Capital übernahm mit 51 Prozent die Mehrheit und die operative Führung des Geschäfts. Ein halbes Jahr später der Schock: Neckermann gab bekannt, in Frankfurt 450 von 2880 Stellen zu streichen. Geld zahlte Sun Capital für Neckermann damals übrigens nicht. Der Deal: Der Finanzinvestor bringt den Versender wieder in die Gewinnzone, nach dem Turnaround wird Neckermann an die Börse gebracht oder verkauft – dann klingelt auch bei Arcandor die Kasse. So zumindest lautete der Plan – bis zur Arcandor-Pleite im Juni vergangenen Jahres.

Laut Sun Capital ist Neckermann inzwischen wieder wettbewerbsfähig. Der Investor habe dem Versandhaus eine finanzielle, strategische und juristische Neuausrichtung ermöglicht. Noch dieses Jahr will die Gruppe aus den roten Zahlen und eine „schwarze Null“ schreiben.

Sun Capital ist auf die Übernahme angeschlagener Firmen spezialisiert. Seit der Gründung im Jahr 1995 hat sich die Gesellschaft weltweit an 240 Unternehmen beteiligt. Neckermann war nach der Ratinger Hünnebeck-Gruppe das zweite deutsche Unternehmen bei dem der Finanzinvestor eingestiegen ist. Geldgeber sind unter anderem Pensionsfonds, Stiftungen und finanzstarke Privatiers. Mit dem eingesammelten Kapital kauft Sun Capital angeschlagene Firmen und packt sie in Fonds. Der Neckermann-Betriebsrat war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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